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LKR Bamberg

Austräger hortete Post zu Hause

Weil er mehrere Hundert Briefe, Karten und Prospekte unterdrückte, wurde ein 21-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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Überforderung nannte ein 21-jähriger Mitarbeiter der Post als Grund dafür, dass er Briefe und Prospekte nicht ordnungsgemäß ausgetragen hatte. Symbmolbild: Oliver Berg, dpa
Überforderung nannte ein 21-jähriger Mitarbeiter der Post als Grund dafür, dass er Briefe und Prospekte nicht ordnungsgemäß ausgetragen hatte. Symbmolbild: Oliver Berg, dpa

Eine achtmonatige Bewährungsstrafe bekam ein 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Bamberg. Der ehemalige Postbote hatte im Laufe des Jahres 2018 zwischen 300 und 500 Briefe, Karten, Zeitungen und Werbeprospekte nicht eingeworfen, sondern zu Haue gebunkert. Ähnlich wie einige gelbe Transportkisten seines Arbeitgebers, die er als Werkzeugkisten nutzte. Am Amtsgericht Bamberg gab er nun die Verletzung des Postgeheimnisses und die Unterschlagung zu.

Da staunt Hedwig F. (Name geändert) aus Hirschaid nicht schlecht, als sie im Herbst 2019 Weihnachtspost bekommt. Mit dabei liegt ein Entschuldigungsschreiben der Deutschen Post. Eineinhalb Jahre war der Brief unterwegs. Aber nicht weil er falsch adressiert oder irgendwo im Briefzentrum verloren gegangen war. Solange hatte der Umschlag mit mehreren Hundert anderen hinter einer Garage gelegen. Auf den Werbezetteln hatte sich durch die Luftfeuchtigkeit bereits Schimmel gebildet. In vier gelben Transportkisten hatte Kevin G. die Postsendungen aufbewahrt. Jedoch nicht, um diese zu öffnen und daraus Bargeld oder Ähnliches zu entnehmen, wie er gegenüber Richter Martin Waschner zugab.

Urlaub statt Prozess

Vielmehr sei er zu Beginn seiner Tätigkeit als Postzusteller überfordert gewesen. In eineinhalb Stunden hätte er zwei Kisten voller Briefe, Karten, Zeitungen und und und ausliefern sollen. "Ich war dermaßen unter Druck." In der vorgegebenen Zeit habe er die Aufgaben einfach nicht bewältigen können. "Es wurde wieder mehr und wieder mehr. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte."

Doch anstatt seinen Vorgesetzten anzusprechen, um Hilfe zu bekommen, steckte Kevin G. einfach den Kopf in den Sand. "Ich wollte es morgen erledigen." Doch dazu kam es nie. Auch zum Prozess wäre es beinahe nicht gekommen, weil der Angeklagte zuerst einfach nicht erschienen war. Seelenruhig hatte er Urlaub gemacht, war erneut vor seinen Problemen davongelaufen. Bei der Rückkehr Mitte Februar erwartete ihn dann ein Haftbefehl. Aufgefallen war die Unterdrückung von Postsendungen, als ein Kollege ein Paket abgeben wollte. Vom Abstellplatz auf dem Grundstück Kevin G.s im Landkreis Bamberg konnte er die gelben Postkisten sehen. Bei der daraufhin erfolgten Hausdurchsuchung fand die Polizei im Keller weitere acht Postkisten. Darin befanden sich aber keine Briefe, sondern Werkzeug und Krimskrams. Kevin G. hatte sie zur Aufbewahrung missbraucht. Obwohl der Wert mit insgesamt 33 Euro niedrig war, war es doch eine Unterschlagung von Firmeneigentum, wie Staatsanwalt Patrick Keller feststellte. Und ein Vertrauensbruch.

1000 Euro Geldstrafe

Während der Bewährungszeit von zwei Jahren soll ein Bewährungshelfer Kevin G. helfen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das war seit 2014 durch Diebstähle, Schwarzfahren, Fahren ohne Führerschein und Betrug aus den Fugen geraten. Zuletzt hatte er, im Angesicht des drohenden Prozesses, noch einen Verkehrsunfall verursacht. Mit einem fremden Auto war er bei Hallstadt unter Alkoholeinfluss von der Straße abgekommen, hatte seine drei Beifahrer gefährdet und einen herumstehenden Leitpfosten umgemäht. Um die Verurteilung zu spüren, muss Kevin G. außerdem 1000 Euro Geldauflage an den Verein für Jugendhilfe Bamberg und die Gerichtskosten zahlen.

Neben den strafrechtlichen Folgen gab es auch berufliche, da er seinen Job als Postbote verloren hat. Und es gab auch persönliche, wie sein Pflichtverteidiger Stefan Kohler aus Forchheim anmerkte. Denn durch die Vorfälle ging Kevin G.s Beziehung zu Bruch. Der Vater der Freundin war nämlich sein Vorgesetzter.