Coburg

Ausnahmetalent studiert in Coburg

Jung und hochbegabt - warum sich eine 17-jährige Coburgerin bewusst für ein Studium der Automobiltechnologie daheim an der Hochschule der Vestestadt entschieden hat.
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Studiert im dritten Semester an der Hochschule Coburg: Lisa Feng (17) Foto: Simon Geistlinger
Studiert im dritten Semester an der Hochschule Coburg: Lisa Feng (17) Foto: Simon Geistlinger

Lisa Feng ist ein Ausnahmetalent. Sie hat eine Klasse übersprungen und ihr Abitur mit 16 gemacht. Natürlich mit Einser-Schnitt. Physik und Wirtschaft hatte sie abgewählt. Nicht, weil sie die Fächer nicht mochte, sondern, weil sie die im Studium ja sowieso lernen würde. Eigentlich hätte sich Lisa Feng eine der großen Spitzenunis aussuchen können.

Trotzdem hat sie sich für ihre Heimat und damit die Hochschule Coburg entschieden. Im dritten Semester studiert die 17-Jährige hier Automobiltechnologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsingenieurwesen. Sie ist in Coburg aufgewachsen. Bei Ferienaktionen, Schnuppertagen für Schülerinnen, oder Angeboten zum Kennenlernen der Labore und Hörsäle hatte sie schon immer wieder Zeit an der Hochschule verbracht.

Das hat ihr auch die Entscheidung, hier zu studieren, erleichtert.Für die Vizepräsidentin der Hochschule Coburg, Jutta Michel, sind Geschichten wie die von Lisa Feng ein echter Gewinn: "Das zeigt, dass unsere Strategie, Schülerinnen frühzeitig an die Hochschule heranzuführen, aufgeht."

Kooperationsverträge

Vor drei Jahren habe die Hochschule deshalb auch Kooperationsverträge mit Schulen in der Region geschlossen. Schüler können Teile ihrer P-Seminare an der Hochschule machen und dabei die Labore und Ausstattung nutzen. Es gibt Workshops, bei denen sie ihr Blut analysieren, ein technisches Produkt entwickeln oder das Schneiden von Videos lernen können. "Wir möchten den Schülern und Schülerinnen auf diesem Weg bei der Entscheidung helfen, ob und was sie nach dem Abitur studieren", sagt Michel, in deren Verantwortung der Studierendenservice fällt. Auch das Thema Frauen und Technik spielt dabei eine große Rolle. "Es sind leider immer noch zu wenig Frauen, die sich für technische Studiengänge entscheiden. Mit speziellen Angeboten nur für Mädchen möchten wir das Interesse steigern."

Umso wichtiger seien deshalb Erfolgsgeschichten wie die von Lisa Feng. Die überdurchschnittlichen Leistungen der 17-Jährigen sind an der Hochschule nicht lange unbemerkt geblieben. Christian Erkenbrecher, Leiter des Career Service, hatte vor einem Jahr Lisa Fengs Bewerbung für ein Deutschlandstipendium auf dem Tisch.

Top-Niveau

"Das war schon etwas Besonderes. Eine so junge Bewerberin mit Top-Noten, überdurchschnittlichem Engagement und schon zahlreichen Auszeichnungen." Die Kommission, die entscheidet, wer ein Stipendium bekommt, war sich bei Lisa Feng schnell einig. Denn ein Deutschlandstipendium bedeutet nicht nur materielle Förderung. Es soll auch dafür sorgen, dass sich die Studierenden ein Netzwerk zu Unternehmen aufbauen können. Die eine Hälfte des Stipendiums übernimmt deshalb ein Unternehmen, die andere Hälfte kommt vom Bund. Stipendiaten und Förderer werden im Idealfall so ausgewählt, dass beide Seiten profitieren.

Dreimonatiges Praktikum

"Das Deutschlandstipendium ermöglicht es uns, frühzeitig Kontakte zu den begehrten Nachwuchskräften zu knüpfen und diese als zukünftige Fach- und Führungskräfte für das Unternehmen zu gewinnen", erklärt Katrin Schröder, Personalleiterin beim Unternehmen Kapp Niles. Der Coburger Maschinen- und Werkzeughersteller wurde als Förderer für Lisa Feng gewählt. Die Schülerin war dort kein unbekanntes Gesicht. "Der erste Kontakt fand bereits zu ihrer Schulzeit statt, als sie im Rahmen des Bernhard Kapp Preises prämiert wurde. Vor Studienbeginn absolvierte sie bei uns außerdem ein dreimonatiges Praktikum und durchlief verschiedene Abteilungen an den Standorten Coburg, Berlin und JiaShan (China)", berichtet Schröder.

Dass Talente wie Lisa Feng nicht durchs Raster fallen, ist auch der Überschaubarkeit von kleineren Hochschulen wie Coburg geschuldet. "Individuelle Förderung ist eines der strategischen Ziele, die sich die Hochschule Coburg auf die Fahnen schreibt", erklärt Vizepräsidentin Jutta Michel.

Lisa Feng wird in spätestens zwei Jahren ihren Bachelor abschließen. Sie könnte sich vorstellen, auch den Master hier zu machen. Anschließend promovieren? Durchaus möglich. Die Entscheidung für die Hochschule Coburg hat sie auf jeden Fall nicht bereut: "Durch das Studium wurde ich gezwungen, mich aus der Praxissicht mit Themen auseinanderzusetzen. Dadurch lernt man auch mehr. Wenn ich an eine Uni gegangen wäre, wo man nicht so viel Zeit für die Praxis hat, würde mir das fehlen." red



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