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Coburg

Ausgezählt - nun wird gerechnet

Warum auch Fraktionen, die Sitze eingebüßt haben, sich nicht unbedingt als Verlierer sehen, wer jetzt schon über mögliche Bündnisse nachdenkt und wer es bedauert, dass der Stadtrat nicht jünger und weiblicher wurde.
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Auszählung am Sonntagabend im Gymnasium Casimirianum: Alexander Krebs und Robert Orendt leeren die Urne mit den Stimmzetteln der Oberbürgermeisterwahl. Foto: Barbara Herbst
Auszählung am Sonntagabend im Gymnasium Casimirianum: Alexander Krebs und Robert Orendt leeren die Urne mit den Stimmzetteln der Oberbürgermeisterwahl. Foto: Barbara Herbst

Man könnte CSU und vor allem die SPD als Verlierer der Kommunalwahl bezeichnen: Beide haben Stadtratsmandate eingebüßt. Doch René Boldt, Kreisvorsitzender der CSU, sieht das Wahlziel für seine Partei erreicht: "Wir waren von acht Sitzen ausgegangen, die haben wir geholt." Denn es sei zu erwarten gewesen, dass alle elf Listen, die zur Wahl stehen, auch einen Sitz erhalten. "Dann sind nur noch 29 Mandate zu verteilen." Und zumindest die CSU-Fraktion sei "jünger und weiblicher geworden, wie wir es gewollt haben".

Michael Dorant, Vorstandssprecher der Grünen und selbst künftiges Stadtratsmitglied, sieht das nicht ganz so: Gerade die jungen und die weiblichen Kandidaten seien nach hinten gewählt worden - auch bei den Grünen. Zwei Frauen und vier Männer ziehen in den Stadtrat ein. Dorant: "Sechs Sitze sind okay, aber wir haben uns mehr für jüngere Menschen und Frauen erhofft. Bei allen Parteien sind wieder die älteren Männer vornedran", auch wenn CSU und SPD einige Kandidaten "unter 40" in den Stadtrat gebracht hätten.

Einer aus dieser U40-Gruppe ist Stefan Sauerteig, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands und jüngerer Bruder des Spitzenkandidaten Dominik Sauerteig (33). Ja, die SPD habe mit neun Sitzen fünf weniger als 2014, räumt er ein. Auch Stefan Sauerteig argumentiert, "dass elf Sitze schon vergeben waren", und weist darauf hin, dass einige Kommentatoren der SPD noch viel weniger zugetraut hätten. Die SPD sei jedoch weiterhin die stärkste Fraktion und "bei der Stichwahl in der Pole-Position".

Die Stichwahl findet in zwei Wochen statt - zumindest die Auszählung, denn alle Stichwahlen in Bayern sollen wegen der Corona-Ansteckungsgefahr als reine Briefwahl organisiert werden. Erst danach, wenn die Zusammensetzung des Stadtrats endgültig feststeht, dürften die Gespräche über mögliche Bündnisse oder Koalitionen konkreter werden. Am Montag wollte sich noch niemand festlegen - und Empfehlungen für die Stichwahl gibt es auch (noch) nicht.

Wer will mit wem?

Darüber müsse erst noch gesprochen werden, sagt Michael Dorant. Auch Jürgen Heeb (WPC) will erst die künftige Stadtratsfraktion zusammenholen. Die müsse über die Inhalte der Stadtratsarbeit entscheiden. Die Wählergemeinschaft Pro Coburg ist der zweite große Gewinner nach den Grünen: Sie konnte sich von drei auf fünf Sitze steigern. "Erklärtes Ziel war: mehr als heute", sagt Heeb.

Ob und wie die WPC eine feste Zusammenarbeit mit einer oder mehreren Fraktionen eingehen werden, sei noch offen. "Wir sind gesprächsbereit, haben aber nicht den ganz großen Druck." Nur einen Partner schließt Heeb aus: den AfD-Vertreter. Das tut auch Hans-Heinrich Eidt, FDP-Urgestein, der zum achten Mal gewählt wurde. Seit 1984 habe er immer in Ausschussgemeinschaften gesessen, sagt er: Das sei die einzige Möglichkeit für Einzelvertreter oder Zweier-Gruppen, in einen der Senate zu kommen, ohne die eigene Unabhängigkeit aufzugeben. "Wir tauschen uns aus, aber jeder kann Politik machen, wie er denkt."

Die CSB hätten mit nurmehr drei Mitgliedern noch Fraktionsstatus. "Wir hätten uns mehr erhofft", gesteht Spitzenkandidat Christian Müller unumwunden ein. Der Stadtrat sei nun bunter als zuvor, und es brauche mindestens drei Partner, um die Mehrheit zu zu haben. Doch diese "Lagerfrage" werde sich erst nach der Stichwahl entscheiden. "Die Aufgabe liegt erst einmal bei Großen, sich zu sortieren und Mehrheiten zu suchen", sagt Müller.

Stefan Sauerteig will die Frage, mit wem die SPD zusammenarbeitet, von den Gemeinsamkeiten bei politischen Zielen abhängig machen. "Es wird so sein, dass man zu manchen Themen Vereinbarungen treffen wird." Dann könne man auch über eine Zusammenarbeit "beim Personal" nachdenken. Konkret wird es darum gehen, wer Zweiter und wer Dritter Bürgermeister wird. Derzeit haben CSU und SPD diese beiden Ämter besetzt.