Pettstadt

Aus der Fähre machen wir was!

Das Pettstadter Wahrzeichen soll aufgewertet werden. An Ideen dafür mangelt es nicht.
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Stimmungsvolles Idyll auf dem Wasser: "Wirtshaussingen" auf der Pettstadter Fähre Foto: Werner Baier
Stimmungsvolles Idyll auf dem Wasser: "Wirtshaussingen" auf der Pettstadter Fähre Foto: Werner Baier

Im Nahtourismus des Bamberger Umlandes ist die Pettstadter Fähre eine Ausnahmeerscheinung. Immerhin wird seit über 550 Jahren lückenlos Buch geführt über die jeweiligen Fährleute und von Altersschwäche der Schiffsbrücke kann keine Rede sein: Die Gierseilfähre, die umweltfreundlich ganz ohne Motorkraft auskommt, ist bei Rad- und Wandertouristen ein beliebtes Ziel, um die Regnitz zu überqueren. Die Fähre wurde in den letzten Jahren sogar neu oder wiederentdeckt, unter anderem von den Fußwallfahrern aus Oberschwarzach auf ihrem jahrhundertealten Pilgerweg nach Gößweinstein oder von wackeren Pettstadter Sängern, die schon mehrmals ihr beliebtes "Wirtshaussingen" auf und an der Fähre veranstalteten. Da kommen dann zufällige Passanten so richtig ins Staunen, wenn auf dem eisernen Floß "Großer Gott wir loben dich" angestimmt oder "Hoch auf dem gelben Wagen" geschmettert wird.

Die Integrierte Stadtentwicklung (Isek), zu der sich der Gemeinderat vor Jahren entschlossen hat, nennt als ein wichtiges Ziel die Aufwertung der Fährstelle vor allem durch eine Verbesserung des Aufenthaltscharakters auf Pettstadter Seite. Dazu haben die Dorfbewohner in diversen Bürgerversammlungen bereits Vorstellungen entwickelt. Ferner liegt eine Studie von Erlanger Geografie-Studenten vor und es gibt den erklärten Willen seitens der Touristikfachleute im Bamberger Raum: Aus der Fähre machen wir was!

Architekten machen Vorschläge

Auf dem Weg dahin hat der Gemeinderat Architekten eingeladen, sich um den Planungsauftrag zu bewerben. Von sechs Büros haben drei Interesse bekundet, teils in Zusammenarbeit mit Experten für Wasserbaumaßnahmen oder naturgerechte Bauten, das Projekt in Angriff zu nehmen. In einer Gemeinderatssitzung dieser Tage gaben sie Einblick in ihre Überlegungen und empfahlen sich mit eindrucksvollen Reverenzen.

Der Gemeinde steht eine Fläche von 18 000 Quadratmetern zur Verfügung, die, so Bürgermeister Jochen Hack (FWG), "naturnah und schonend entwickelt" werden soll. Man wolle dabei auch über eine Badestelle im Umgriff der Fähre nachdenken, die Möglichkeit von "Freiluftveranstaltungen" eröffnen und die Infrastruktur verbessern. Das heißt: Man braucht an diesem Regnitzübergang, wo Wanderer oftmals auf das Übersetzen warten müssen oder ohnehin gerne rasten, ein Toilettenhäuschen und vielleicht auch einen Kiosk, einen Warteunterstand und Sitzgelegenheiten, Wasser- und Stromanschluss, eine Informationstafel zur Fähre, zur umgebenden Natur und zu den Besonderheiten Pettstadts. Darüber hinaus denkt die Gemeinde an die Anlegung eines "Mündungsrundweges" zu Rauher Ebrach und Aurach, die flussabwärts in die Regnitz münden. Hier bewegt man sich bekanntlich am und im Naturschutzgebiet Sandachse Regnitztal, was auch den Bau eines Aussichtsturmes im Drei-Flüsse-Bereich nahelegt.

Regnitzzugang erleichtern

Aufgebessert werden soll außerdem die Umgehung der Flusstreppe unterhalb der Fähre. An dieser naturnahen Staustufe gehen Flusswanderer mit ihren Booten an Land, um sie im Ober- oder Unterlauf wieder zu Wasser zu lassen. Der Regnitzzugang soll erleichtert werden, ebenso die Zufahrt zur Fähre. In deren Umgebung wäre es dann auch denkbar, einen Wasserspielplatz für Kinder und eine Badestelle anzulegen. Von der Wasserqualität her dürfte dies bei Pettstadt so wenig ein Problem sein wie im Bamberger Hain, erfuhr der Gemeinderat. Allerdings bleibt die Hainbadestelle durch die Regulierung des linken Regnitzarms von Hochwasser verschont, während der Pegel an der Fähre Pettstadt je nach Jahreszeit und Niederschlagsmengen um ein paar Meter schwanken kann und dann verändert sich auch die Strömung, mitunter relativ schnell und gewaltig. Das wiederum kann sich auf ein mögliches Begleitprojekt auswirken: Gemeinderat Sebastian Dennerlein erinnerte an den jahrzehntealten Wunsch der Pettstadter nach einer Badegelegenheit in Flussnähe. Er erwarte auch dazu Vorschläge, gab er den Landschaftsplanern mit. Mit Blick auf die immer wieder bedenkliche Biologie des Frensdorfer Badeteichs mahnten die Experten aber zur Zurückhaltung.

Bis August 2020 erhofft die Pettstadter Isek-Projektleiterin Annika Eckert den Abschluss der Planungsphase. Anschließend könnte mit der Verwirklichung begonnen werden. An der finanziellen Förderung aus Städtebaumitteln zweifelt Bürgermeister Hack nicht. Auch ist er sehr zuversichtlich, dass der Landkreis die Unterführung der Kreisstraße errichtet, damit die von der Gemeinde noch auszubauende Weganbindung der Fähre an das Dorf gefahrlos kreuzt.

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