Unterhohenried

Aus dem Kloster?

In Unterhohenried tauchte überraschend eine Altarpyramide mit Reliquien auf. Es wird vermutet, dass sie einst aus Theres kam.
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Dorn des heiligen Benedikt aus seiner Höhle in Subiaco. Nach einer Legende wälzte sich Benedikt bei einer Versuchung als Asket nackt in Dornen. Foto: Albin Schorn
Dorn des heiligen Benedikt aus seiner Höhle in Subiaco. Nach einer Legende wälzte sich Benedikt bei einer Versuchung als Asket nackt in Dornen. Foto: Albin Schorn

Albin Schorn Einen Zufallsfund gab es bei Archivarbeiten im Unterhohenrieder Pfarrhaus. Eine Altarpyramide wurde entdeckt. Stammt sie aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Obertheres?

So sieht die Altarpyramide aus: Es ist ein pyramidenförmiger Kasten aus Holz, Höhe etwa 70 Zentimeter, mit einem verglasten Schaufenster für sechs gefasste Reliquienpartikel. Jeweils ist dem Partikel ein Dokument beigefügt, das als Cedula bezeichnet wird. Diese geschriebene Bestätigung verbürgt die Herkunft und die Echtheit einer Reliquie. Zur Verehrung durch die Gläubigen wurde die Altarpyramide, in der Regel paarweise, auf dem Altar aufgestellt. Meist in Klöstern wurden die Reliquien kostbar mit Draht- und Gold- oder Silberschmiedearbeiten verziert.

So auch bei diesem Fundreliquiar im Unterhohenrieder Pfarrhaus. Die Reliquienfragmente sind auf einem Trägerstoff montiert und mit Draht, Wachsblumen und Wachsfrüchten eingefasst. Die Beischriften berichten im Einzelnen aus dem Leben des Heiligen Benedikt.

"Spinis S: Bened(icti)" bedeutet Dorn des heiligen Benedikt. Die Schrift bezieht sich auf die Höhle von Subiaco im italienischen Latium. Hier lebte Benedikt als Einsiedler drei Jahre. Als er der Legende nach während seines Asketenlebens vom Bösen versucht wurde, habe er sich nackt in Dornen gewälzt.

Aus einer Höhle

Eine weitere Beischrift "de Specu S: Nostri Benedicti" bedeutet "von der Höhle unseres Heiligen Vaters Benedikt" und zeigt wohl ein Steinchen aus der oben genannten Höhle. Damit, so folgert Wolfgang Schneider, der zuständige Diözesankonservator, "ist belegt, dass bei dieser Altarpyramide ein direkter Bezug zum Benediktinerorden besteht. Sei es, dass sie dort nur gefertigt worden ist, oder aber, was ich für wahrscheinlicher halte, dass sie sich ursprünglich in einer Benediktinerkirche befunden hat." Sein Schluss: "Am nächstliegenden wäre dann das Kloster Obertheres." Erhebt sich schließlich diese Frage: Wie kommt die Altarpyramide dann nach Unterhohenried?

1803 wurde bei der Säkularisation die Benediktinerabtei Obertheres aufgelöst. Die ausgewiesenen Ordenspriester erhielten Seelsorgestellen oder übernahmen Aufgaben im Schuldienst. Zu diesen Patres zählte auch Ildephons Hellerich. Er wurde der erste Pfarrer der im Jahre 1773 neu errichteten Pfarrei Unterhohenried. Er hatte sicherlich eine solche Bindung noch zu seinem Kloster, dass er diesen kleinen Reliquienschrein in seine neue Pfarrei überführen konnte.

Nunmehr gilt es für die Pfarrgemeinde Sankt Johannes der Täufer in Unterhohenried, mit dem Reliquiar sorgfältig umzugehen, eine Restaurierung zu bedenken und es künftig an einem geeigneten Ort geschützt, aber sichtbar aufzubewahren.

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