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Bamberg
Erfolgsgeschichte 

Aus Bamberg kommt Hilfe

Bei einem Treffen in der Bamberger Bahnhofsgaststätte wollten sich Gleichgesinnte austauschen. Daraus entstanden ist eine Hilfsorganisation, die seit 30 Jahren in aller Welt mit anpackt.
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2014: Hilfe in Not organisiert als Soforthilfe Hochdruckreiniger und Bautrockner für Kroatien und Bosnien.  Foto: tst
2014: Hilfe in Not organisiert als Soforthilfe Hochdruckreiniger und Bautrockner für Kroatien und Bosnien. Foto: tst
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Wenn Menschen in ihrer Heimat nicht mehr überleben können, fliehen sie. Lange bevor die vielen Flüchtlinge zum beherrschenden Thema in den Medien geworden sind, haben sich mehrere Bamberger dazu entschieden, ehrenamtlich humanitäre Hilfe zu leisten - und zwar in der Heimat der Bedürftigen. "Hilfe in Not e.V." heißt der Bamberger Verein, der vor kurzem sein 30-jähriges Bestehen feiern konnte.
In der Bamberger Bahnhofsgaststätte wurde am 16. September 1985 das "Afghanistankomitee Bamberg" gegründet. Ein Komitee sollte es sein, ein Zusammenschluss von Menschen, die eigentlich gar keine Organisation gründen wollten, sondern denen die humanitäre Hilfe ein Anliegen war. Mit der Zeit erwies es sich aber als praktikabler, einen eingetragenen Verein zu gründen, und so entstand 1992 "Hilfe in Not e.V." Zu der Zeit war der Sowjet-Einmarsch in Afghanistan längst Vergangenheit; das Bamberger Komitee aber gab es weiterhin. Krisen gab es ja schließlich auch genügend. Tod und Gräuel im Bosnien-Krieg zum Beispiel, einem Krieg vor unserer Haustür. Mit Dr. Georg Knoblach steht seit der Gründung ein Bamberger Arzt an der Spitze des Komitees.
Frische Lebensmittel, Stromaggregate, teure Medikamente, Baumaterial, Ultraschallgeräte, ein OP-Saal, 40-Tonner voller Dachpappe - einfach alles, was in Bosnien, Kroatien oder Rumänien so dringend gebraucht wurde, wurde von Bamberg aus schon auf den Weg gebracht. Komplette Krankenhausausstattungen waren genauso dabei wie ein Gabelstapler oder auch eine Planierraupe. "Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Versorgung der Menschen mit Medikamenten und das Ausrüsten medizinischer Einrichtungen geworden", berichtet Georg Knoblach. "Hilfe zur Selbsthilfe" lautet stets das Motto. Zu diesem bekenne man sich auch, wenn es eben mit der Sendung eines Lastwagens voller Hilfsgüter allein nicht getan ist. In Bosnien und Kroatien beispielsweise habe man während des Krieges und danach über Jahre hinweg Einrichtungen unterstützt, die sich um vergewaltigte Frauen, traumatisierte Kinder und Kriegswaisen gekümmert haben.


Unparteiisch und unreligiös

Religion, so Knoblach, spiele weder im Verein noch bei der Auswahl der Hilfsprojekte eine Rolle. Auch habe man sich in den drei Jahrzehnten nie politisch instrumentalisieren lassen und sei stets unparteiisch geblieben. Zur humanitären Hilfe gehöre das Informieren der Spender im eigenen Land, beispielsweise über die Ursachen von Kriegen. In den 80er-Jahren, nach dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan, in einer Zeit ohne Internet, habe das kleine Bamberger Komitee mit Erfolg öffentliche Aufklärungsarbeit in ganz Deutschland durch ein periodisch erscheinendes Infoblatt geleistet. "Gleichzeitig sammelten wir Geld und unterstützten aktiv, zusammen mit Freunden aus Bonn und der Schweiz, die Bevölkerung Afghanistans", erinnert sich Knoblach. Ein kleines Mädchen, das bei einem Bombenangriff schwer verletzt wurde, holte das Komitee nach Bamberg und organisierte hier im Klinikum die nötige Operation und die weitere Behandlung nach ihrer Kriegsverletzung.


Konkurrenz aus dem TV

Der Zuspruch und Geldspenden aus der Bamberger Bevölkerung sei im Laufe der Jahre immer wieder ermunternd gewesen, sich immer weiter zu engagieren. Allerdings werde es zunehmend schwieriger, so Knoblach, die Transporte teurer Geräte zu finanzieren. "In dem Punkt sind wir auf Geldspenden angewiesen", wirbt er um Unterstützung. Kleine lokale Hilfsorganisationen hätten es da nicht leicht, wenn häufig das Fernsehen mit beeindruckenden Bildern die spontane Spendenbereitschaft der Menschen wecke. Da habe man es als kleine, lokale Organisation schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Vor allem um teure Transportkosten stemmen zu können, sei der Verein auf Geldspenden angewiesen. Knoblach wirbt: "Wir garantieren unseren Spendern, dass jeder gespendete Euro zu hundert Prozent den Bedürftigen zugutekommt", verspricht Vorsitzender Georg Knoblach. Verwaltungskosten und dergleichen würden nicht durch Spendengelder bezahlt.


Resonanz beeindruckend

Immer wieder Hilfsbereitschaft zu wecken, sei aber durchaus möglich, so Knoblach. Das zeige das Haiti-Projekt seines Kollegen Dr. Thomas Bohrer. Bohrer ist Chirurg am Bamberger Klinikum und baut seit dem katastrophalen Erdbeben in Haiti 2010 mit hohem persönlichem Einsatz die vernichtete medizinische Infrastruktur des Landes wieder auf.
Mehrere Ärzte im Raum Bamberg engagieren sich mittlerweile ehrenamtlich für das Projekt, und hin und wieder könne man sich auch über Geldspenden freuen. Bei Spenden zugunsten Bohrers Haiti-Hilfe kann Hilfe in Not als gemeinnütziger Verein Spendenquittungen zum Absetzen von der Steuer ausstellen.
Beeindruckend sei auch 2014 die Resonanz auf einen Aufruf im Fränkischen Tag gewesen. Damals wurden Bosnien und Kroatien von einer Jahrhundertflut heimgesucht. Innerhalb weniger Tage spendeten viele Bamberger auf den Aufruf hin sehr gut erhaltene Kühlschränke, Bohrmaschinen und Hochdruckreiniger.
Die Kontakte aus Bamberg in die Region bestehen seit den 90er-Jahren und Anfang der 2000er, als sich Hilfe in Not intensiv und sehr lange für die Opfer des Bürgerkrieges engagierte.




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