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Coburg

Aufmerksam - nicht panisch

Die Coburger treffen Vorbeitungen, um dem Corona-Virus zu begegnen: Das Gesundheitsamt gibt konkrete Anweisungen raus – die örtliche Klinik ist gewappnet. Auch in der lokalen Wirtschaft sind erste Auswirkungen spürbar.
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Vorsichtsmaßnahmen werden auch im Coburger Land bereits ergriffen. Foto: Jochen Berger
Vorsichtsmaßnahmen werden auch im Coburger Land bereits ergriffen. Foto: Jochen Berger

"Dass wir in Deutschland eine Vielzahl von tödlichen Corona-Fällen haben werden, halte ich für ausgeschlossen." Wenn Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Hygiene-Instituts am Coburger Krankenhaus von dem neuartigen Virus spricht, wirkt er relativ entspannt. Die Vorbeugungsmaßnahmen die aktuell in Coburg und im Landkreis getroffen werden, hält er dennoch für sinnvoll. Vonseiten des Gesundheitsamtes gibt es konkrete Anweisungen:

In einem "begründeten Verdachtsfall" sollen Betroffene keine Hausarztpraxis aufsuchen. Was die Behörde unter einem begründeten Verdachtsfall versteht, präzisiert Corinna Rösler, Pressesprecherin des Landratsamtes, an dem auch das Gesundheitsamt untergebracht ist: "Der begründete Verdacht besteht, wenn jemand mit einer erkrankten oder positiv getesteten Person Kontakt hatte." In diesem Fall ist das Gesundheitsamt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst telefonisch zu kontaktieren. Mit dem Anruf erfährt der Betroffene dann, wie es für ihn weitergeht. Er wird entweder zu Hause aufgesucht oder zum Gesundheitsamt bestellt und auf den Erreger getestet.

Wer Krankheitssymptome hat, die ihn befürchten lassen, er könnte den Corona-Virus tragen, der soll ebenfalls nicht in die Hausarztpraxis gehen, sondern zuerst dort anrufen und erklären, worum es geht. Der Arzt wird ihm dann mitteilen, ob er zum Hausbesuch kommt oder der Patient in die Praxis kommen kann - etwa durch einen separaten Eingang, erklärt Corinna Rösler. Denn mit anderen Patienten, etwa im Wartezimmer, soll ein möglicherweise Corona-Infizierter nicht in Kontakt kommen.

Sollte eine Behandlung im Krankenhaus unausweichlich sein, gilt es Folgendes zu beachten: Vor dem Betreten des Krankenhauses muss der Patient einen Mund-Nasenschutz anlegen und seine Hände desinfizieren. "Im Krankenhaus wird der Infizierte dann isoliert", erklärt Zastrow. Er betont, dass es hierzu keiner Quarantänestation bedürfe: "Davon gibt es in Deutschland ohnehin nur ganz wenige - bei Ebola bräuchte man die. Bei einer ,normalen‘ Tröpfcheninfektion, wie Corona reicht ein normales Krankenzimmer mit Isolierungsvorschriften." Letztere würden auch angeordnet, wenn eine Infektion mit multiresistenten Keimen vorliegt. Die Patienten dürfen in einem solchen Fall das Zimmer nicht verlassen, haben eigene Toiletten, und Besucher dürfen den Raum nur mit Schutzkleidung betreten. "Im Fall von mehreren Infizierten können wir die Betroffenen auch zusammenlegen – getrennt nach Geschlechtern. Somit ergibt sich für uns auch kein Kapazitätsproblem im Ernstfall", sagt Zastrow.

Für einen solchen ist auch die Stadt Coburg gerüstet: Ein Krisenstab wurde im Landratsamt zwar noch nicht gebildet, wie Corinna Rösler auf Anfrage bestätigt. Das ist aber auch nicht erforderlich, denn für die Bekämpfung von Epidemien gibt es fertige Notfallpläne, die je nach Art und Schwere der jeweiligen Krankheit angewendet werden können. Eine Abriegelung des Coburger Stadtgebiets hält Zastrow indes für schwer durchsetzbar: "Es kann ja nicht jeder Feldweg kontrolliert werden." Vielmehr hält er es für sinnvoll, an die Vernunft der Menschen zu appellieren.

"Hammsterkäufe " in Coburg

Von dramatischen Zuständen ist Nordbayern noch weit entfernt – es gibt aktuell nur zwei bestätigte Fälle. Dennoch herrscht Alarmbereitschaft. "Wir merken auf jeden Fall, dass die Leute vermehrt bestimmte Artikel kaufen," sagt Dieter Hümmer. Er ist Assistent der Geschäftsführung bei Edeka Wagner in Coburg und stellt seit dem vergangenen Donnerstag einen Ansturm auf die Lebensmittelregale fest. So hätten die Coburger insbesondere haltbare Grundnahrungsmittel gekauft: Mehl, Salz, Reis, Teigwaren, Konserven, Hülsenfrüchte, Gemüse, Wasser und H-Milch. Auch die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln sei sehr hoch gewesen. Hümmer betont aber, dass die Regale seiner Filiale noch gut gefüllt seien: Am Freitag sei eine große Lieferung eingetroffen - Engpässe gebe es aktuell noch keine.

In der Therme Bad Rodach hingegen seien die Auswirkungen des Corona-Virus – nach Angaben von Geschäftsführerin Stine Michel – statistisch noch nicht belegbar. "Das schwappt ja gerade erst richtig herüber. Gefühlt bleibt der eine oder andere Gast aber dennoch daheim – besonders ältere Leute überlegen sich zwei Mal, ob sie unter Menschen gehen." Um Infektionen zu vermeiden, finden die Badegäste vor Ort Spender mit Desinfektionsmitteln.

Wirtschaft ist aufmerksam

Auch bei der HUK Coburg hätten die Verantwortlichen auf allen Toiletten Spender mit Desinfektionsmitteln aufgestellt und die Mitarbeiter angewiesen, diese zu benutzen, teilt Karin Benning von der Pressestelle der Versicherungsgesellschaft mit. Auf Anfrage ergänzt sie zudem: "Wir haben unsere Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert und informieren sie auch ständig weiter. Für den Fall, dass zahlreiche Mitarbeiter wegen Erkrankung oder zur Vorbeugung nicht zur Arbeit kommen können, wurden organisatorische Vorkehrungen getroffen."

Der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg machen die internationalen Verflechtungen vieler Coburger Wirtschaftsunternehmen Gedanken: "Unsere Unternehmen unterhalten intensive Geschäftskontakte mit chinesischen und italienischen Partnern, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Automotive, Möbel und Spielwaren", heißt es in einer Mitteilung der Kammer. Die Auswirkungen von Corona beziehen sich nach IHK-Informationen bislang vor allem auf Schutzmaßnahmen der Betriebe für ihre Mitarbeiter vor Ort. Im weiteren Verlauf könne es aber zu Produktionsausfällen kommen, mit Auswirkungen für exportorientierte Unternehmen.

Unter www.coburg.ihk.de werden fortlaufend aktualisierte Informationen, unter anderem zu arbeitsrechtlichen Fragen, bereitgestellt. Vor Ort stehen zudem für die Unternehmen die Außenhandelskammern als Ansprechpartner zur Verfügung.

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