Kronach

Aufgelockerte Passion

Eine eindrucksvolle Vertonung der Leidensgeschichte Jesu erklingt am Karfreitag in der Markgrafenkirche Seibelsdorf: die Johannes-Passion von Gottfried August Homilius.
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Der Dekanats-Chor Kronach probt unter Leitung von Dekanatskantor Marius Popp für die Aufführung der Johannes-Passion von Homilius am Karfreitag.  Foto: Heike Schülein
Der Dekanats-Chor Kronach probt unter Leitung von Dekanatskantor Marius Popp für die Aufführung der Johannes-Passion von Homilius am Karfreitag. Foto: Heike Schülein

- Es muss nicht immer Bach zur Passionszeit sein - Dekanatskantor Marius Popp ist es ein großes Anliegen, dem Publikum ein breites Spektrum an Musik zu präsentieren und auch selten zu hörende Werke zur Aufführung zu bringen. Mit der Johannes-Passion aus der Feder von Gottfried August Homilius (1714 - 1785) hat er ein herausragendes Werk ausgewählt, um diesen hoch interessanten Tonschöpfer im Übergang von Barock zur Klassik allen Musikfreunden zu präsentieren. Es wird ein besonderes Konzert; handelt es sich dabei doch im Landkreis Kronach um die Erstaufführung dieser oratorischen Passion, die erst vor einigen Jahren wieder entdeckt wurde.

"Heute steht Homilius leider im Schatten von Bach, obwohl er zu Lebzeiten hochanerkannt war und zu den beliebtesten deutschen Komponisten gehörte", bedauert Marius Popp, dass man damit der Bedeutung seiner Werke nicht gerecht werde. Obwohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert viele von Homilius' Werken außerordentlich verbreitet und verlegt wurden, dauerte es anschließend eine lange Zeit, bis diese nunmehr eine gewisse Renaissance erfahren.

Erst 2007 legte erstmals ein Verlag das Aufführungsmaterial der wohl in den 1770er Jahren entstandenen Johannes-Passion vor, so dass seitdem deren Aufführung möglich ist - nunmehr erfreulicherweise auch im Dekanat Kronach, wo sie sich in eine Reihe bereits in den vergangenen Jahren erfolgter Erstaufführungen einreiht.

"Schlanker und heller"

Das Oratorium gehört zu den letzten Kompositionen dieser Art aus dem 18. Jahrhundert und schildert in Chorälen, Chören, erzählenden Rezitativen und Arien auf dramatische Art die Leidensgeschichte Jesu bis zu seinem Tod. Diese wird dem Publikum musikalisch vor Augen und Ohren gebracht und in galanter Sprache packend und spannend in Musik gesetzt; dabei jedoch - so Popp - wesentlich "schlanker und heller" als zuvor im Barock. Bei Homilius überlagert die freudige Hoffnung und Erlösung auch in der Musik häufig die Trauer um das Leid Christi.

"Seine Musik lockert das zuvor permanent düster gezeichnete Bild an vielen Stellen stark auf - mit oftmals unerwarteten Überraschungen", erläutert der Dekanatskantor. Hat man beispielsweise gerade noch den Choral-Satz "Gloria sei dir gesungen" im Ohr, bricht hier plötzlich das Orchester mit schmetternden Hörnern los. Überhaupt ist die besondere Rolle, die Homilius an vielen Stellen den Hörnern zugedacht hat, auffallend; gehörten doch zu jener Zeit - nach damaliger Überzeugung - Blechblasinstrumente keinesfalls in eine Passionsmusik.

Das Werk zählt mit zum Besten, was protestantische Kirchenmusik im 18. Jahrhundert zu bieten hat. Davon will der Dekanats-Chor auch Kronach überzeugen, wenn er am Karfreitag - unterstützt vom Popp-Consortium - in der Markgrafenkirche die Johannes-Passion aufführt. Hierfür konnte Marius Popp erneut die hochkarätigen Solisten Johannes Puchleitner (Tenor), Tobias Germershausen und Rainer Grämer (beide Bariton), Katrin Küsswetter (Sopran) sowie Katarina Andersson (Mezzosopran) gewinnen. Seitens des Chors wird Alexander Fröba (Tenor) als Solist gesanglich in Erscheinung treten.

Karten zu 18 Euro (ermäßigt 8 Euro) sind in allen Pfarrämtern im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt zu den üblichen Bürozeiten erhältlich sowie Restkarten an der Abendkasse. Wer eine Fahrgelegenheit zum Konzert wünscht, kann sich gerne im evangelischen Pfarramt in Kronach (09261/3591) melden.

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