Coburg

Auf in die Freiheit!

Sechs Schwäne, die eigentlich unmittelbar neben der Autobahn geboren worden wären, kehrten nach erfolgter Rettung und betreuter Aufzuchtphase in die Natur zurück. In den Glender Wiesen dürfte es ihnen besser gehen als an der A73.
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"Es waren meine Babys!" Angelika Lessing, hier mit Ehemann Joachim, fiel der Abschied von den Schwänen nicht leicht. Fotos: Wolfgang Desombre
"Es waren meine Babys!" Angelika Lessing, hier mit Ehemann Joachim, fiel der Abschied von den Schwänen nicht leicht. Fotos: Wolfgang Desombre
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"Nun sind sie weg!" Am Samstag wurden sechs junge Schwäne im Naturschutzgebiet Glender Wiesen in die Freiheit entlassen. Beim Coburger Tierarzt Joachim Lessing hatten sie seit März ein Zuhause gefunden. Sie waren dort geschlüpft und dann aufgezogen worden. Und woher kamen sie?

An der Autobahnausfahrt Ebersdorf bei Coburg hatte sich im März dieses Jahres ein Schwanenpärchen niedergelassen, ein Nest gebaut und schließlich gebrütet. Die Autobahnmeisterei hatte sich daraufhin beim Coburger Tierschutzverein erkundigt, was man machen könnte, damit es nicht zu einem tragischen Ende der Tiere kommt. In einer beispielhaften Gemeinschaftsaktion haben Tierarzt Joachim Lessing und das Notfallteam des Tierschutzvereins Coburg die Eier von neun Schwänen aus dem Nest an der A73 gegen 3-D-Druck-Eier ausgetauscht. An Möglichkeiten gab es viele: Die humanste Art aber, so schilderte es der Tierarzt, sei es, die Eier einfach gegen Kunsteier auszutauschen.

Joachim Lessing hatte mit seinem Team die Eier ausgetauscht und die "richtigen" Eier mit genommen und in der Aufzuchtbox aufgezogen. Seit dem 24. April wohnten nun sieben Schwäne (ein Ei war unbefruchtet und ein Tier ist gestorben) bei dem Tierarzt. Bis zum Samstag hatten die jungen Schwäne bei den Lessings ein neues Zuhause gefunden und wurden mit Aufzuchtfutter für Tiergeflügel hochgepäppelt.

Wenn die jungen Schwäne ihr Altersgefieder bekommen haben, dann bedeutet das für sie, dass sie in die Freiheit entlassen werden können. Das war nun im Naturschutzgebiet Glender Wiesen der Fall. "Sie müssen jetzt raus, sie sind Wildtiere und müssen das Fliegen lernen", sagte der Tierarzt. Im Anwesen der Familie Lessing hatten die Schwäne "freien Ausgang" und mussten nur in der Nacht hinter Gitter, damit der Fuchs keine Chance hatte. Sie benötigen zum Starten eine Wasserfläche und konnten deshalb auch nicht davon fliegen, erklärte Lessing. Jetzt würden sie sich auf das Gründeln und auf die vielen Wasserpflanzen freuen.

Wohl behütetet machten sich die sechs Tiere am Samstag - gut im Kofferraum untergebracht - auf dem Weg zu den Glender Wiesen. Ein junger Schwan muss noch bei den Lessings bleiben, da er schlecht gemausert hat und sich ein Kippflügel, eine Anomalie beim Wachstum, entwickelt hat.

Der Tierarzt hatte ein Team von Helfern organisiert und jeder, egal ob es Jan-Hendrik Hartert von der Autobahndirektion Nordbayern war, Klaus Fritz als Naturschutzwächter der Stadt Coburg oder die ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins, Sigrid Ott-Beterke, hatte schließlich einen Schwan auf dem Arm.

"Es waren meine Babys", gab Angelika Lessing zu. Schließlich hatte sie alles von Anfang an miterlebt. Vom Holen der Eier aus dem Nest, den 14 Tagen im Brutschrank, dem Schlüpfen und dem Aufwachsen bei sich zu Hause. Nun werden sie in die Freiheit entlassen, aber die Natur ist kein Schutzraum und so lässt es sich nicht voraussagen, wie es den jungen Schwänen ergehen wird. Die Glender Wiesen sind nach den Worten von Klaus Fritz Naturschutzgebiet und dort dürfen nur Wildschweine gejagt werden.

Die Schwäne haben dort genügend Wasserfläche zur Verfügung und können ungestört die ersten Tage in Freiheit genießen. Zum Fliegen brauchen sie unbedingt eine Wasserfläche als Startbahn, die das "Sextett" auch gleich ausprobierte. "Nun sind sie weg". Etwas traurig schauten Angelika und Joachim Lessing ihren davonschwimmenden Schwänen nach.

Die Autobahndirektion Nordbayern wird an der Anschlussstelle der A 73/Ebersdorf Veränderungen vornehmen, versicherte Jan-Hendrik Hartert, der für die Landschaftspflege zuständig ist. So soll der Pflanzenbestand herausgenommen werden und Schutzzäune errichtet werden. "Wir wollen somit verhindern, dass sich hier wieder Schwäne niederlassen."

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