Eckental

Auf einer "Zeitreise"

Der Künstler und Galerist Günter Rocznik zeigt im Landkreis Erlangen-Höchstadt eine Werkschau aus den Jahren 2013 bis 2019.
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Günter Rocznik stellt ein letztes Mal in Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt aus. Foto: privat
Günter Rocznik stellt ein letztes Mal in Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt aus. Foto: privat

Erlangen-Höchstadt — Der Name Günter Rocznik ist vielen Kunstinteressenten im Haßbergkreis ein Begriff. Er lebte und wirkte hier fast 20 Jahre und machte 1999 erstmals mit "Kunst im Amt" in Ebelsbach von sich reden. Untermerzbach, Ebern und Pfarrweisach waren fortan seine wichtigsten Stationen, von denen aus sich der diplomierte Sozialpädagoge, Galerist und sozial engagierte Künstler zu Wort und zu Bild meldete. Heute weist er aus Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt auf seine aktuelle und - wie er betont - letzte Ausstellung an diesem Ort hin. Ihr hat er den Titel "Zeitreise" gegeben.

Vor dreieinhalb Jahren verabschiedete sich Rocznik von Pfarrweisach, seinem damaligen Lebensmittelpunkt. Danach gestaltete er eine Ausstellung unter dem Titel "Die Wirklichkeit des Unerwarteten". Für dieses Projekt war er von den Haßbergen weg in Richtung Nürnberg, nach Eckental, gezogen. Er folgte dem Ruf des dortigen evangelischen Pfarrers.

Eine Brücke zu Geflüchteten sollte errichtet werden, zu Menschen aus anderen Kulturen, die im Gebäude der Kirche auf Asyl warten. Rocznik stellte sich dem Ansinnen, gab sein Leben im Haßbergkreis auf und schickte von Zeit zu Zeit Rundbriefe. Die Location seiner Galerien war fortan das zum Asylbewerberheim avancierte und von der Kirche erworbene ehemalige Seniorenheim. Er habe einer "etwaigen Ghettoisierung entgegenwirken und dabei ein Stück Normalität leben" wollen, meint Rocznik heute.

Schwieriges Umfeld

Daneben, besser gesagt: mittendrin, war er weiterhin überregional als Künstler tätig. Die Umstände machten ihm das nicht leicht. "Wer in den dritten Stock eines Asylbewerberheims steigt, um eine Galerie anzuschauen", erklärt er, "der rechnet nicht unbedingt damit, auf die Werke namhafter Künstler zu stoßen". So wurde das Heim zwar zu einem authentischen Raum für Begegnungen, aber ein in materieller Sicht gewinnbringender Ort wurde es nicht.

Rocznik war nicht ausgezogen, um sich materiell zu bereichern. Sein Wirken zielte darauf ab, ein unabhängiges Dasein als Künstler und Galerist zu sichern. Sieben Ausstellungen, zwei Lesungen und ein temporäres Fotostudio fanden durch seine Initiative im Asylbewerberheim statt. Ein Gemälde aus der Schau "Sehn-Sucht-Bild" des Malers Albert Herzfeld (1865-1942) konnte er 2018 dem ZDF für eine Dokumentation über "Antisemitismus und Judenverfolgung in der Nazi-Zeit" zur Verfügung stellen. Dass er sich nun aus Eckental wieder verabschieden will, hat unter anderem finanzielle Gründe. "Ich muss nun wieder ans Geldverdienen denken", stellt er fest.

Die Ausstellung "Zeitreise" soll für seinen jetzigen Aufenthalt ein Schlusspunkt sein. Sie ist eine Werkschau, eine Reise zwischen den Welten, in der Roczniks Engagement im Asylbewerberheim zum Ausdruck kommt. Er lernte dort nicht nur die Sicht fremder Menschen auf deutsche Kunst und Kultur kennen. Der Künstler hat auch erfahren, was es für einige dieser Menschen bedeutet, einen gerade liebgewonnenen Ort, so etwas wie eine neue Heimat, wieder verlassen zu müssen.

In der Öffentlichkeit habe man sein Wirken wahrgenommen und moralisch honoriert. Nürnbergs Bürgermeister Ulrich Maly nannte Rocznik anlässlich einer Ausstellungseröffnung einen "künstlerisch tätigen Sozialarbeiter und sozial engagierten Künstler, dessen Tätigkeit einen starken Bezug auf unsere gesellschaftliche Lebenswirklichkeit aufweist". "Nun denke ich ans Weggehen", sagt Rocznik und erklärt: "Die Tätigkeit als Galerist war nicht leicht: Asylbewerberheim, dritter Stock, Außentreppe, Dorfrandlage."

Er habe versucht, sein Bestes zu geben. Ab und zu hätte ein künstlerisches Highlight sein Dasein erhellt und ihm einen Bericht in der Presse eingebracht. "Aber Zustimmung und Ablehnung haben sich die Waage gehalten", resümiert Rocznik, "auch Skepsis, Misstrauen und Angenommensein, nicht nur von rechtskonservativen Bürgern." Rocznik ist auch ein Mensch mit individuellen Ansprüchen, die sein eigenes Leben und Schaffen bestimmen und ihn hin und wieder zum Abschied nehmen von liebgewordenen Gewohnheiten veranlassen. Anlässlich seines 60. Geburtstages 2016 war so ein Moment gekommen, da er in der "Galerie Kunst und Antik" in Pfarrweisach seine vorläufig letzte Ausstellung ankündigte. Mit Arbeiten aus über zwei Jahrzehnten, die er "Stationen" genannt hatte und die seine 25 Jahre dauernde Arbeit als Galerist widerspiegelten, wollte er sich damals verabschieden. Doch es folgte die Ausstellung "Dialog im Kreuz" in Hofheim im Rahmen des Landkreiskulturprojekts Kunststück sowie ein Jahr später in Königsberg die Galerie "Kreuze".

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