Bamberg

Auf die Spitze getrieben

St. Michael hat seine goldenen Turm-Kugeln und -Kreuze wieder - ein wichtiger Teilschritt bei der 50 Millionen Euro teuren Sanierung des Klosterkomplexes.
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SEBASTIAN SCHANZ

In über 70 Metern Höhe, auf einem Gerüst über den Dächern der Stadt, arbeitet Marko Domaratius an den altehrwürdigen Turmverkleidungen aus Schiefer. Selbst für den erfahrenen Zimmermann ist es keine Baustelle wie jede andere: "St. Michael ist meine bisher höchste", sagt Domaratius.
Am Dienstag wird ein wichtiger Etappenerfolg bei der rund 50 Millionen Euro teuren Sanierung des Bamberger Wahrzeichens gefeiert: die Rückkehr der goldenen Turmbekrönungen. Die kupfernen Kugeln samt Kreuzen, umhüllt von einer hauchfeinen Schicht aus Blattgold, glänzen wieder in der Sonne.
"Bei den Bauarbeiten hat sich gezeigt, dass der eine Turm 25 Zentimeter kleiner ist, als der andere. Diesen Höhenunterschied haben wir nun durch die Kugeln wieder ausgeglichen, indem wir eine leicht erhöht haben", berichtet Spenglermeister Alfred Tröppner.
Von einem Wendepunkt bei der Sanierung spricht Bertram Felix, Finanzreferent der Stadt: "Ab heute können die Gerüste an den Türmen und den Fassaden nach und nach abgebaut werden." Die Sicherung der Gerüste war eine Mammutaufgabe: gerade am dritten, kleineren, dem sogenannten Vierungsturm, der direkt aus dem Dach nach oben ragt. 700 Seiten Gerüstleistungsverzeichnis hat Projektleiterin Karin Hamper dafür angelegt. "Das war für den Gerüstbau wirklich eine Herausforderung", erklärt die Koordinatorin und findet für ihre Arbeiter und Firmen, fast alle aus der heimischen Region, nur lobende Worte.


2025 soll alles fertig sein

Im Inneren der Kirche ist noch immer alles eingerüstet, hier arbeiten Restauratoren an der Erneuerung von Hochaltar oder auch Kanzel. "Allein für den Hochaltar sind eineinhalb Jahre für die Sanierung eingeplant", sagt Felix. Wie der Finanzreferent berichtet, laufen derzeit die Gespräche mit den Fördermittelgebern für die kommenden Bauabschnitte. Bauherr ist weder die Stadt Bamberg, noch die Kirche, sondern die Bürgerspitalstiftung, die wiederum treuhänderisch von der Stadt verwaltet wird.
2009 starteten die Arbeiten am Kloster, seit 2012 ist die Kirche komplett gesperrt, weil sich Putzteile aus dem Hochgaden gelöst hatten und auf den Boden gestürzt sind. Ein Termin für die Fertigstellung 2021 wurde nun nach hinten geschoben: Erst 2025 soll das Wahrzeichen der Stadt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
So führte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) gestern den Tross aus Journalisten auch nicht ins Innere der Kirche, sondern hoch auf die Türme. Dudelsackspieler Sean Kerr intonierte "Amazing Grace" und eine Drohne der Stadt filmte die Begehung. Auch brachte Spengler Tröppner die Zeitkapseln im Inneren der Kugeln an - um der Nachwelt von der Sanierung zu berichten.
In den alten Zeitkapseln fand Projektleiterin Karin Hamper alte Ausgaben des Fränkischen Tag aus dem Jahr 1986, Münzen sowie eine poröse Schriftrolle aus dem 19. Jahrhundert, die vom Stadtarchiv untersucht wurde, bevor sie wieder in die metallene Box gelegt wurde. Viele Informationen konnte sie aber nicht liefert, dafür war der Zustand zu brüchig. Die alte Zeitkapsel kommt samt einer neuen wieder in die Kugel. Moderne Euromünzen, eine Info-mappe mit der Projektbeschreibung der Sanierung und eine aktuelle Ausgabe des Fränkischen Tag kann die Nachwelt irgendwann darin finden. "Eine solche Sanierung sollte aber in den nächsten 80 bis 100 Jahren nicht mehr nötig sein", sagt Projektleiterin Karin Hamper - dann fährt der Gerüstaufzug wieder nach unten.


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