Eichberg

Auf der Suche nach Funkstille

Ulrich Weiner sprach bei der Bürgerinitiative Eichberg-Eben über seinen Wandel vom begeisterten Funker zum Eremiten.
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Ohne neue Masten kein flächendeckendes Netz, argumentieren die Mobilfunkbefürworter. Zu möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit äußern sie sich nicht. Foto: Inga Kjer, dpa
Ohne neue Masten kein flächendeckendes Netz, argumentieren die Mobilfunkbefürworter. Zu möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit äußern sie sich nicht. Foto: Inga Kjer, dpa
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Um die Gefahren des Mobilfunks ging es bei einem Informationsabend, zu dem die Bürgerinitiative Eichberg-Eben am Sonntag in die Schwarzacher Mehrzweckhalle eingeladen hatte. Aufhänger war der geplante Funkmast, der im Bereich Eichberg/Eben errichtet werden sollte, der aber von den Bürgern abgelehnt wurde.

"Aktueller Stand ist, dass der Funkmast dort nicht gebaut wird", sagte Jürgen Ramming, Baubiologe und Mitglied der Initiative. Aktuell werde nach einem neuen Standort gesucht.

Frank Müller eröffnete stellvertretend für die Bürgerinitiative den Abend und wies darauf hin, dass die Menschen mit immer mehr Funkwellen konfrontiert würden, und dass das geplante 5G-Netz mit noch höheren Frequenzen sende. "Und keiner informiert die Bürger. Deswegen haben für heute einen Experten eingeladen, der sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt."

Ulrich Weiner aus dem Schwarzwald war selbst einmal begeisterter Funker, hatte schon von Berufs wegen immer auf die neueste Mobilfunkausstattung gebaut. In Schwarzach stand er in einem Schutzanzug vor seinem Publikum und bat darum, alle Handys auszuschalten. "Ich dachte immer, wenn diese Technik gefährlich wäre, wäre sie verboten", sagte er. Eines Tages habe er festgestellt, dass er sich immer schlechter konzentrieren konnte, er habe Dinge vergessen, alles sei langsamer gegangen. "Das war immer so an Tagen, an denen ich mit dem Handy telefonierte."

Etwa 180 000 Sendeanlagen gebe es aktuell in Deutschland, für 5G seien etwa 800 000 geplant. "Für jemanden, der wie ich sehr strahlensensibel ist, wird es immer schwieriger, der Strahlung auszuweichen." Privat habe er daraus bereits Konsequenzen gezogen und wohne wie viele andere in einem Wohnwagen im Wald, dort, wo absolute Funkstille herrscht.

"2002 hat sich das bei mir zugespitzt mit Seh- und Herz-Rhythmus-Störungen", erklärte er. Für ihn verständlich, dass sich Mobilfunk auf den Organismus auswirkt, funktioniere dieser doch auch auf Basis elektrischer Impulse.

"Bis zu ernsten Erkrankungen"

Mobilfunkstrahlung werde anfangs als Befindlichkeitsstörung wahrgenommen. Das beginne mit Schlafproblemen, Kopfschmerzen oder Reizbarkeit, "kann dann bis hin zu ernsten Erkrankungen führen wie Hormonstörungen, Tumor- oder Stoffwechselerkrankungen, um nur einige zu nennen".

Die Industrie versuche es immer wieder gern, strahlenempfindliche Menschen in die lächerliche Ecke zu stecken, oft seien Ärzte in dieser Hinsicht auch gar nicht ausgebildet.

In seinem mehrstündigen Vortrag öffnete Ulrich Weiner vielen Besuchern die Augen, einige blieben skeptisch. Für Kerstin und Jürgen Hübner aus Schimmendorf stand jedenfalls fest: Nach diesen Informationen stehen sie den geplanten Hotspots, die im Gemeindebereich Mainleus eingerichtet werden sollen, kritischer gegenüber. "Ich dachte nicht, dass die Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesundheit so extrem sind", sagte Jürgen Hübner. Sein Umgang mit dem Handy werde sich vermutlich nach diesem Abend etwas verändern.

Über Probleme mit Strahlenempfindlichkeit klagte Dominique Sebel aus Wernstein. "Ich habe jahrelang nichts gemerkt. Die Kinder nutzten unser WLAN, plötzlich bekam ich Kopfschmerzen und Hitzewallungen und hatte nur noch das Gefühl: Ich muss hier raus." Ihre Lösung? "Es gab einen Riesenstreit, aber jetzt wird das WLAN nur noch bei Bedarf eingeschaltet, damit geht es mir besser."

Die Informationen, die sich etwa Günter Knorr aus dem Burgkunstadter Stadtrat erhofft hatte, bekam er leider an diesem Abend nicht zu hören. "Ich bin eigentlich als Stadtrat gekommen, weil ich mich für die Bürger verantwortlich fühle und wissen wollte, wie weit weg ein solcher Funkmast von Wohngebieten entfernt sein muss, damit er ungefährlich ist", sagte er. Das, was Weiner erzählte, sei zwar interessant, aber für seine Belange nicht relevant gewesen.

Es gibt keine Studien

Fakt ist, dass es beim geplanten 5G-Netz keine entsprechenden Untersuchungen und Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen gibt, "das Bundesamt für Strahlenschutz hat keine gemacht", sagte Weiner. Die Bürger aus der Gemeinde Mainleus haben an diesem Abend viel über die Risiken erfahren und können noch bis zum 15. Oktober eine Entscheidung treffen. Bis dahin liegen nämlich Abstimmungslisten über die Installation von WLAN-Hotspots aus, in die sich Bürger ab zwölf Jahren eintragen können.

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