Höchstadt a. d. Aisch

Auch mit 75 noch als Arzt tätig

Es ist jetzt 40 Jahre her, dass sich Dr. Eberhard Ranger als Gynäkologe in Höchstadt niederließ. Der erste Frauenarzt in der Stadt blickt auf ein Berufsleben zurück, in dem sich viel geändert hat.
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Dr. Eberhard Ranger ist auch als 75-Jähriger noch in der Praxis tätig.  Foto: Britta Schnake
Dr. Eberhard Ranger ist auch als 75-Jähriger noch in der Praxis tätig. Foto: Britta Schnake

Vor November 1979 mussten Frauen, wenn Sie ein gynäkologisches Problem hatten, den Weg nach Erlangen, Neustadt oder Bamberg in Kauf nehmen, um adäquate Hilfe zu erhalten. Dasselbe galt für schwangere Frauen, insbesondere, wenn vielleicht nicht alles nach Plan verlief. Ab dem 5. November dann war mit einem Mal alles anders, als Dr. Eberhard Ranger sich mit einer gynäkologischen Praxis im Ärztehaus in der Anton-Bruckner-Straße niederließ. Jetzt konnte er dort das 40-jährige Bestehen der Praxis feiern.

Geboren 1944 in Halle an der Saale studierte Ranger in Tübingen Medizin und absolvierte in Bonn, wo auch seine erste Frau herstammte, die vierjährige Facharztausbildung zum Gynäkologen. Aber was reizte ihn gerade an diesem Fachgebiet? "Die Frauenheilkunde umfasst die Hormonbehandlung, Mammographie, Zytologie, Vorsorge, das psychische Umfeld der Frau und die Schwangerschaftsbetreuung", erklärt Ranger, "Das ist ein großes Feld mit vielen Herausforderungen. Augenheilkunde z.B. bietet so etwas nicht."

Nach seiner Zeit in Bonn war er fünf Jahre in der Universitäts-Frauenklinik in Erlangen tätig. "In der Führungsriege waren jedoch alle älter und sehr dominant, so dass eine Karriere nicht möglich war", sagt Ranger und erklärt damit, warum er sich als Facharzt niederlassen wollte. Der damalige Höchstadter Bürgermeister Schell warb ihn im Zuge des Baus eines Ärztehauses an. "Ich hätte auch nach Herzogenaurach gehen können", so Ranger, "aber die Verzahnung im Ärztehaus mit Kinderarzt und Internist fand ich spannend."

Ein Bauplatz für den Start

Als i-Tüpfelchen wurde ihm zudem gleich ein Bauplatz und seiner Frau, einer Zahnärztin, die Möglichkeit für eine eigene Praxis angeboten. Gestartet mit nur einer Helferin, behandelte Ranger in den ersten beiden Monaten drei bis vier Patientinnen täglich. "Ab 1980 dann war der Zulauf sehr gut, weil es sich inzwischen rumgesprochen hatte", so Ranger. Zugute kam ihm auch, dass seine aus Adelsdorf stammende Helferin in ihrer Gemeinde ordentlich Werbung machte. "Das war von Anfang an Teamwork." Im zweiten Jahr kamen eine weitere Vollzeitkraft sowie ein Azubi hinzu.

Von Anfang an bot Ranger in seiner Praxis die Mammographie, also das Röntgen der Brust an. "Die Aufnahmen waren damals noch nicht in der heutigen Qualität möglich, weshalb sie nicht so genau beurteilbar waren", so der Gynäkologe, der seit 2017 mit einem digitalen Mammographiegerät der neuesten Generation arbeitet. "Ich war einer der Ersten, der viel mit Ultraschall gemacht hat", meint Ranger. "Der Ultraschall von der Brust war damals noch sehr umstritten, hat sich dann aber durchgesetzt."

Krebsvorsorgeuntersuchungen, die in jährlichen Abständen erfolgen und ab dem ersten Sexualkontakt durchgeführt werden sollten, gehören praktisch zu Rangers Tagesgeschäft. Auch die Gabe von Hormonen, sei es als Pille zur Verhütung, oder in Form einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, beschäftigt ihn seit 40 Jahren. "Bis vor 20 Jahren war die Gabe von Hormonen unumstritten und eine Selbstverständlichkeit", erklärt der Gynäkologe, "doch heute ist bei einer fraglichen Verbindung mit Brustkrebs eine große Unsicherheit vorhanden. Die Anzahl der Brustkrebserkrankungen steigt jedoch stetig an und die Zahl der Patienten mit Hormonen sinkt. Wenn die Hormone schuld wären, hätte die Zahl der Krebserkrankungen abnehmen müssen", resümiert Ranger. "Ich sehe in der Hormontherapie gerade bei Frauen in den Wechseljahren mit extremen Beschwerden eine äußerst wirksame und schonende Behandlung."

Langeweile kam bei dem Mediziner nicht auf, zeichnete Ranger doch auch maßgeblich für den Kindersegen in Höchstadt verantwortlich. "Ich habe damals viele Kinderwunschbehandlungen durchgeführt", sagt er, "da hatten wir dann auch immer wieder Drillingsschwangerschaften mit entsprechenden Komplikationen zu versorgen."

Zwischen 200 und 250 Schwangerschaften jährlich werden momentan in der Praxis von mittlerweile drei Ärzten betreut. Bis vor zehn Jahren haben er und Dr. Ronay, der Anfang der 90er in die Praxis mit einstieg, in Erlangen auch noch ambulante Operationen wie Sterilisationen und kleinere gynäkologische Eingriffe durchgeführt.

Auf die Frage, welche Krankheitsbilder in den letzten 40 Jahren zugenommen haben, erwidert Ranger: "Neben den bösartigen Erkrankungen gibt es auch immer mehr Autoimmunerkrankungen der Haut, wie z. B. Lichen sclerosus, eine chronisch-entzündliche Erkrankung im Genitalbereich. Und ich habe das Gefühl, dass das PCO-Syndrom (Polycystisches Ovar) bei den Frauen mehr geworden ist. Das führt zu Problemen in der Eizellreifung, was problematisch ist bei Kinderwunsch. Aber auch die Endometriose, bei welcher sich versprengte Gebärmutterschleimhaut z.B. an Blase und Darm ansiedelt, nimmt zu."

Doch auch der Umgang mit dem Patienten selbst ist ein anderer geworden, wie Ranger bemerkt, "In der Zeit, in der ich angefangen habe, war die Empathie dem Patienten gegenüber sehr groß. Heute wird die Patientin gern schnell zu Fachärzten wie Urologen oder an Kliniken weitergeschickt. Bei Zysten macht man gleich ein MRT oder eine Bauchspiegelung, was natürlich auch dem Fortschritt der Medizin geschuldet ist." Dann wird der Arzt ein wenig direkter: "Man rechnet damit, dass etwa 30 Prozent der diagnostischen Laparoskopien, also der Bauchspiegelungen, bei Zysten überflüssig sind."

Doch auch das Wohl der Stadt selbst, in welcher Ranger mit seiner Familie lebt, liegt ihm am Herzen. Seit gut 25 Jahren ist er mit den Freien Wählern im Stadtrat vertreten, "Es war damals die Situation, dass der Bürgermeister relativ wenig Initiative gezeigt hat", sagt er. "Er hat das Amt verwaltet, aber keine neuen Impulse gegeben. Als Gerald Brehm sich schließlich profilierte, konnte er Unterstützung brauchen."

Die Kunst ist ein weiteres Steckenpferd des mittlerweile 75-Jährigen. So gründete er vor etwa 20 Jahren den Schlossverein. Der erste Schritt war damals die Sanierung des Schlossgewölbes, bei welcher man von der Abteilung Denkmalschutz der Uni Bamberg unterstützt wurde.

Figuren für den Skulpturenweg

Unmittelbar vor der Renovierung der Fortuna gab es eine Ausstellung in den Räumlichkeiten. Im ersten Stock präsentierte sich die Nürnberger Akademie, im Erdgeschoss war Roland Lindemann, ein Höchstadter Künstler und Zweiter Vorsitzender des Vereins, mit seinen Werken vertreten.

Nachdem Ranger jetzt dessen Windfahnen wieder zurück ins Leben gerufen hat, plant er, den Skulpturenweg zwischen Aischbrücke und Fortuna Kulturfabrik um weitere Exemplare zu bereichern. "Mir wurden von privat zwei schöne Skulpturen angeboten", sagt er. "Zudem haben wir in Krasnorgorsk und Castlebar, unseren Partnerstädten, Künstler angesprochen, um ein gemeinsames Projekt zum Friedensjahr 2020 (75 Jahre Kriegsende) zu organisieren."

Vier Jahre lang, bis 2018, leitete der Mediziner zudem den "Förderkreis Pro Musica" und unterstützt nun seine zweite Frau bei ihrer Jazz-Reihe, so dass sich mit Ranger ein vielseitig interessierter und keinesfalls müder Mensch präsentiert, was sich auch daran zeigt, dass er noch immer in der Praxis von Dr. Ronay als Frauenarzt tätig ist. Ranger: "Ich bin mit dem damaligen Entschluss, nach Höchstadt zu gehen, sehr zufrieden."

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