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Litzendorf
Faschingspredigt

"Auch hier in diesem heil'gen Haus, bleibt der Frohsinn heut' nicht aus"

Fasching ist für den Litzendorfer Pfarrer Marianus Schramm auch in der Kirche möglich. Deshalb hatte er seine Gläubigen, Kinder und Erwachsene, gebeten, zum Gottesdienst am Faschingssonntag verkleidet...
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Pfarrer Marianus Schramm predigte am Faschingssonntag mit Pappnase. Foto: Joseph Beck
Pfarrer Marianus Schramm predigte am Faschingssonntag mit Pappnase. Foto: Joseph Beck

Fasching ist für den Litzendorfer Pfarrer Marianus Schramm auch in der Kirche möglich. Deshalb hatte er seine Gläubigen, Kinder und Erwachsene, gebeten, zum Gottesdienst am Faschingssonntag verkleidet zu kommen. Die Kinder folgten seinem Wunsch, die Erwachsenen nur zum Teil.

Nach Evangelium verkleidet

Er selbst verkleidete sich erst nach dem Evangelium mit roter Pappnase und setzte ein schwarzes Birett auf. Seine Predigt begann er wie schon in Gundelsheimer Zeiten: "Liebe frommen Christenleute, Fasching wird gefeiert heute. Auch hier in diesem heil'gen Haus, bleibt der Frohsinn heut' nicht aus."

Dann kam er auf die internationalen Konfliktherde zu sprechen. Freund- und Feindbilder gebe es aber nicht nur dort, sondern auch im sozialen, besser asozialen Netz. Dazu erklärte Schramm: "Warum so viel Hass im Netz? - Man kann's so versteh'n, ich brauch meinem Gegner ja nicht in die Augen zu seh'n." Dazu und an vielen anderen Stellen ertönte durch die Orgel ein kräftiger Tusch.

Beim politischen Teil des Pfarrers Predigt kam natürlich auch Boris Johnson und sein Brexit zur Sprache. Die Ökodiskussion sprach er auch an: "Es gibt aber auch Öko-Demonstrationen ohne Wut, wie die Friday-for-future-Bewegung, sie ist friedlich und gut." In der Kirche gebe es so etwas Ähnliches mit "Sunday for future" - aber schon lange, ergänzte er.

Mit Blick auf die Kassenbonpflicht meinte Schramm: "Ich seh' schon bei der Kollekte unser'n Messner eilen, um an jeden einen Kassenzettel zu verteilen." Da klatschten selbst die braven Kirchenbesucher. Dann ging der Blick aber auf Rom und die Ehelosigkeit der Priester: "Ich versteh' nicht die Abwehr und auch nicht die Scheu - für die Zölibatsöffnung, das ist doch nicht neu."

Beim Predigtteil kam Schramm, im Fasching in der Bütt bisweilen auch als Franz Branntwein bekannt, auf die Kirchen- und Messeberichte des Fränkischen Tages zu sprechen: "Apropos Messe, es gab auch nachher Protest; ich mein jetzt den FT-Gottesdienst-Test. Die Messe lässt sich, zu Recht gab's Beschwerden, ja nicht wie ein Hotel bewerten."

Und dann feuerte er einen Satz ab, den viele Leser immer wiederholen: "Auch Fehler tauchen oft auf, wenn man die Berichte durchgeht, drum' die Abkürzung FT für Fehlerteufel steht." Auch dafür lieferte die Orgel prompt einen Tusch.

Wegen seiner bekannten Liebe für den Nürnberger Club und dessen katastrophalen Listenplatz müsse er immer noch Kellerbier trinken.

Über Geisfeld, das er auch seelsorgerisch betreut, brachte Schramm die Millionengewinner eines Stammtisches mit der geplanten Umgehungsstraße in Verbindung, die von Millionärsspenden gesponsert werde. Die Gaststätte Gries benannte er in Kies und die Gasthausstube in "Goldgrube" um.

Im letzten Teil der Faschingspredigt nahm der Pfarrer dann das Evangelium heran: "Nein, ich mein' natürlich die Werte gegen den Streit: Liebe, Versöhnung, Barmherzigkeit. Diese Werte fordern Handeln - aus Jesu Sicht, der sogar von Feindesliebe spricht."

Mit Orgeltusch

Als dritten Weg zwischen Gegenschlag und Resignation empfahl Schramm dann die Toleranz und schloss seine Predigt: "Solchen Geist in Jesu Namen, wünsch ich dir von Herzen - Amen." Ein langer Orgeltusch und langer und kräftiger Applaus zeigten die Klasse der Faschingspredigt und seines Faschingsfans Marianus Schramm.

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