Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, dann erlernte er den Beruf des Polsterers - und heute steht sein Name für die modische Einrichtung und Gestaltung von Häusern, Wohnungen, Büros und Gärten: Mathias Wichtrey. In diesen Tagen besteht sein Geschäft in Coburg seit 25 Jahren.

Herr Wichtrey, seit 25 Jahren richten Sie Wohnungen und Häuser ein. Wie hat sich denn der Geschmack der Coburger - beziehungsweise Ihrer Kunden allgemein - verändert?
Mathias Wichtrey: Die Baustile ändern sich und somit auch die Materialien und die textile Ausstattung. In Deutschland gibt es zum Beispiel schon seit längerem einen Wandel hin zu mehr kubischen Bauten und damit zu einer puristischeren Einrichtung.

Was heißt das konkret?
Wenn beim Haus mehr mit Beton und Fließen gearbeitet wird, werden auch weniger Vorhänge für die Einrichtung ausgewählt.

Ist das in anderen Ländern auch so?
In Schweden zum Beispiel wird bei Häusern viel mit Holz gearbeitet und deshalb dann bei der Einrichtung auch viel mehr mit Textilien. Das macht die Wohnung insgesamt kuscheliger. In Deutschland sind Wohnungen oft cleaner.

Warum ist es so wichtig, es sich in den eigenen vier Wänden möglichst schön zu machen?
Die Zeit ist hektischer, schneller und unsicherer geworden, somit hat das gemütliche geborgene Heim einen anderen Stellenwert als früher.

Wie hat das mit Ihrem Geschäft eigentlich angefangen?
Ich hatte zunächst, ab 1992, eine kleine Polsterei im Steinweg. Nach einer Lehre zum Maschinenschlosser bei der Firma Kaeser hatte ich den Wunsch, mehr im kreativen Bereich und auch mehr mit Menschen zu arbeiten. So kam es zum Berufswechsel. Durch eine Reparatur eines Kompressors bin ich zu der Polsterei gekommen!
Und es entstand der Wunsch, diesen Beruf zu erlernen! Nach der Anfangszeit, in dem ich nur Möbel aufgearbeitet und wieder neu bezogen habe, kamen Beratung und das Nähen von Dekorationen und natürlich das Aufpolstern. 1993 legte ich meine Meisterprüfung als Raumausstatter ab. 1994 vergrößerte ich mein Geschäft und zog in die Bahnhofstraße 5, in die ehemaligen Räume von Papier Wittmann. In den folgenden Jahren kam die Komplett-Beratung für den Wohn- , Büro- und Außenbereich hinzu. Und so ist aus dem einstigen Ein-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit heute neun Mitarbeitern geworden.

Sie richten nicht nur in und um Coburg Wohnungen und Häuser ein. Was waren in den vergangenen 25 Jahren so ein paar besondere Herausforderungen?
Besonders aufwendig und ungewöhnlich war es zum Beispiel, Villen in London und Nizza einzurichten. Aber auch fürs Gästehaus im Kanzleramt in Berlin waren wir im Einsatz und haben uns um das komplette Mobiliar gekümmert: Sofa, Stühle, Tische - und die Polster dazu.

Und: War die Kanzlerin zufrieden?!
(lacht) Es kamen keine Reklamationen.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
2018 wird unsere Werkstatt, in der wir nähen und polstern und für die wir mehr Platz brauchen, in die Mühlgasse umziehen. Dort, in den ehemaligen Räumen der Glaserei Carl, kann dann jeder zuschauen, wie genäht und gepolstert wird und wie verschiedene Sonderanfertigung hergestellt werden.

Was kann man sich darunter vorstellen?
Wir wollen in einer Art gläsernen Werkstatt altes Handwerk für jeden sichtbar und greifbar machen.

Sie bekommen permanent neue Inspirationen. Fällt es Ihnen da eigentlich schwer, sich Ihre eigenen vier Wände zu einrichten?
(lacht) Oh ja! Meine Frau und ich tun uns sehr schwer damit, weil wir nun einmal so viele Möglichkeiten kennen, wie man etwas schön einrichten kann. Und wir geben auch gerne zu: Es gibt angenehmere Kunden und entscheindungsfreudigere Kunden als uns!

Das Gespräch
führte Oliver Schmidt.