Lichtenfels
Diskussion

Auch das Handwerk pocht auf einen schnellen Breitbandausbau

Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie, Digitalisierung, Ausweitung der Meisterpflicht in einigen Berufen oder die Frage nach Steuerentlastung für das Handwerk: Die Themen waren vielfältig, die Ver...
Artikel drucken Artikel einbetten
Der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Christian Hirte (Dritter von links), sprach mit Vertretern von HWK und heimischen Handwerksbetrieben.  Foto: Gerda Völk
Der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Christian Hirte (Dritter von links), sprach mit Vertretern von HWK und heimischen Handwerksbetrieben. Foto: Gerda Völk

Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie, Digitalisierung, Ausweitung der Meisterpflicht in einigen Berufen oder die Frage nach Steuerentlastung für das Handwerk: Die Themen waren vielfältig, die Vertretern des oberfränkischen Handwerks beim Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs im Wirtschaftsministeriums, Christian Hirte, auf den Nägeln brannten. Der CDU-Politiker ist auch Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung.

"Wir haben uns im Koalitionsvertrag verpflichtet, die Meisterpflicht wieder auszuweiten", erklärte Hirte. Allerdings verbiete europäisches Recht eine Berufsbeschränkung. Deshalb wurden zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Fragen prüfen sollen.

"Wann kommt eine Steuerentlastung für das Handwerk?", fragte HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann. Es gebe ganz wenig Steuern, über die der Bund selbst entscheiden könnte, bedauerte Hirte. Was das Thema Solidaritätszuschlag angeht, hatte der Parlamentarischen Staatssekretär gute Nachrichten. Hier herrsche uneingeschränkte Zustimmung, dass der Soli weg müsse. Laut Wolfgang Schubert-Raab würde es dem Handwerk schon helfen, wenn der Kunde größere Beträge bei den haushaltsnahen Dienstleistungen geltend machen könnte. In diesem Punkt zeige sich der Koalitionspartner SPD wenig aufgeschlossen, da laut dieser nicht der Gärtner oder die Putzfrau begünstigt werden sollten, antwortete Hirte.

Der Breitbandausbau war ein weiteres Thema, das angesprochen wurde. Edith Memmel, Innungsobermeisterin Keramik, nannte die Länder Finnland und Norwegen vorbildlich, da der Staat die Ausbaukosten übernommen habe. Hier gab der Mittelstandsbeauftragte zu bedenken, dass es nicht am Geld für den Breitbandausbau scheitere, sondern sich vielmehr die Frage stelle, ob hohe Bandbreiten auch von allen genutzt werden. Einen Einwand, den Schubert-Raab nicht so stehen lassen wollte. Auch ein Fliesenleger hantiere heute nicht mehr nur mit Plänen, sondern er setze seinen Kunden eine Brille auf, damit sie sich vorstellen können, wie ihr Bad einmal aussehen könnte.

In den nächsten Jahren werden in Oberfranken 4000 bis 5000 Betriebe übergeben. Eine Zahl, die Karl-Peter Wittig aus Kronach, Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken, nannte. Es stellte sich die Frage, wie man es fertigbringe, es jungen Leuten schmackhaft zu machen, selbst Unternehmer zu werden. Michael Limmer aus Altenkunstadt ist als Handwerkspate auch an den Schulen des Landkreises Lichtenfels unterwegs. Damit möchte das Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Allerdings sahen sich die Diskutanten vor dem Problem gestellt, wie man den Eltern klarmachen könne, dass eine Berufsausbildung gleichwertig mit einem Studium sei. Man beobachte schon lange eine komplette "Vergeistigung" in der beruflichen Bildung. Weg mit der Akademisierung hin zur beruflichen Bildung, lautete die Forderung.

Es spräche alles dafür, dass auch in Zukunft der Wettbewerb für Handwerksleistungen nicht einfacher werde, erklärte Hirte. Aktuell habe die Bevölkerung das Gefühl, dass extrem gearbeitet wird, aber nichts bei ihr ankomme, klagte HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren