Maroldsweisach

Auch Bürger sollen protestieren

Die "Hofheimer Allianz" sammelt jetzt Unterschriften gegen die geplante Stromtrasse P44.
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Am Protest gegen die geplante Stromtrasse P44 sollen sich die Bürger beteiligen.  Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Am Protest gegen die geplante Stromtrasse P44 sollen sich die Bürger beteiligen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Was kann die Allianz Hofheimer Land gegen die Monstertrasse ausrichten, die mitten durch die Haßberge droht? "Nein zu neuen Stromtrassen durch unser Hofheimer Land" steht auf dem großen Banner am Eingang von Maroldsweisach, vor dem sich am Freitagnachmittag fünf Bürgermeister zum Fototermin versammelt hatten. Zwar habe man auf politischer Ebene schon einiges getan, doch sei der Protest noch nicht bei den Bürgern angekommen, räumt Bürgermeister Wolfgang Thein (SPD) als Gastgeber später beim Pressegespräch in der Brauerei-Gaststätte Hartleb ein.
Nun sollen eben diese Bürger mit ins Boot geholt werden. In den Rathäusern der beteiligten Kommunen liegen Unterschriften aus, großflächige Banner wurden aufgestellt. Und der Pressetermin soll dazu dienen, für eine Bürgerbeteiligung am Protest zu werben.
Es geht um nicht weniger als die Zukunft des nördlichen Haßgaus, glaubt man den Äußerungen der Rathauschefs: "Wir haben hier keine Wasserstraßen, keine Zugverbindungen und keine Autobahnen", sagt Thein. "Das einzige Pfund, über das wir verfügen, ist unsere Natur", bekräftigt Günter Pfeiffer (FW, Ermershausen). Diese gelte es zu erhalten. Von der Trasse P44, die lediglich der Durchleitung des Stroms diene, hätten die Kommunen von Schalkau bis Grafenrheinfeld nichts, "außer dass unser Lebensraum zerstört wird", kommentiert Thein.
Angesichts dieser Bedrohung fällt die Beteiligung der Bürger noch schleppend aus. Um sich der Unterstützung der Bevölkerung in den einzelnen Ortsteilen zu versichern, will Thein jetzt auch Listen an die Gemeinderäte verteilen. Zusätzlich wurden Flyer gedruckt. "Es geht um die Legitimation für uns Bürgermeister", erläutert er. Denn am Montag hoffen die Mandatsträger zu erfahren, wann sie in Berlin vorsprechen dürfen. Da die neue Bundesregierung die Entscheidung über den Verlauf der Trasse fällen muss, hat sich die ganze Angelegenheit ebenso in die Länge gezogen wie die Regierungsbildung.
Nachdem die ebenfalls betroffenen Nachbarlandkreise Coburg und Schweinfurt schon mit massiven Aktionen gegen die Trasse protestiert haben, möchte nun auch das Hofheimer Land nachziehen. "Wir wollen mit einer Stimme sprechen", versichert Thein.
Die P44, die P44 mod oder ihre Varianten seien keineswegs vom Tisch. Dies zeige der kurz vor Weihnachten erarbeitete Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030. Der darin enthaltene Umweltbericht sehe durchaus vor, dass die Strecke wichtige Naturparks durchschneidet und besondere Schutzzonen tangiert. Zwar müsse um besonders schützenswerte Zonen wie FFH- oder Vogelschutz-Gebiete herumgebaut werden, ein Korridor mitten durch das Hofheimer Land meide diese Gebiete jedoch. "Dagegen müssen wir etwas unternehmen", sagt Thein.


"Bestehende Trassen nutzen"

Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring (FW) wehrt sich gegen Flächenfraß und fordert, bestehende Trassen zu nutzen. Die P44 mod bezeichnet Pfeiffer als "Alibiplanung"; zudem sei sie länger und teurer, wie Thein darlegt. Ihm wäre es am liebsten, wenn die P46, der sogenannte "Ostbayernring" von Redwitz nach Schwandorf, der Thein zufolge "auf jeden Fall kommt", ertüchtigt würde, von Altenfeld über Redwitz nach Mechlenreuth, nach der vierten Variante der P44 mod. Auf jeden Fall wollen die Bürgermeister den Bedarf grundsätzlich nochmals hinterfragen.
Die vorgelegten Zahlen und Kalkulationen bezweifelt Thein: Die dezentrale Energieeinspeisung der letzten zwei Jahre sei nicht berücksichtigt worden.
Ob denn der Schwarzstorch die Trasse P44 nicht verhindern könnte, fragt Hermann Niediek (CSU, Burgpreppach); schließlich habe der auch unterbunden, dass in Burgpreppach Windräder errichtet werden konnten.
Weil der Beschluss der Fraktionsvorsitzenden aus dem Jahr 2015, dass der Netzknotenpunkt Schweinfurt entlastet werden soll, es schon in den kommenden Koalitionsvertrag geschafft habe, werde damit doch logischerweise die neue Trasse verhindert, argumentiert Niediek weiter. Sein Kollege aus Maroldsweisach hingegen warnt: Der Schuss könnte jedoch ebenso nach hinten losgehen, wenn die Trasse eben dieser Entlastung dienen solle.


Kritik an Landratsamt relativiert

Dass "vom Landratsamt relativ wenig kommt", wie Thein zu Beginn des Gesprächs auf Nachfrage sagte, wollte Niediek so nicht gelten lassen. Schließlich sei das Thema erst letzte Woche im Kreistag zur Sprache gekommen. "Im Rahmen des Möglichen" werde schon gearbeitet, relativierte der Maroldsweisacher Rathauschef daraufhin seine Kritik. Nur sehe der Bürger das nicht.
Mit den Bannern hat er nun den Protest vor Augen. Und kann sich an ihm durch seine Unterschrift beteiligen.
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