Die Anklage klang brutal. Ilker Özalp, der Vertreter der Staatsanwaltschaft in Bamberg, warf einem 40-Jährigen aus dem Kreis Haßberge vor, im April 2017 in einer Gemeinde im Maintal den Kopf einer 66-jährigen Frau ohne Grund drei Mal gegen eine Hausmauer geschlagen zu haben. Die Frau stellte Strafantrag. Am Ende des Strafprozesses am Amtsgericht Haßfurt stand ein Freispruch für den 40-Jährigen.
Der Angeklagte erklärte, er sei an dem betreffenden Tag gegen 21 Uhr nach Hause gekommen, und als die spätere Anzeigeerstatterin an ihm vorbei ging, habe er ihr zugerufen, dass sie "keinen Scheiß" über ihn erzählen solle. Sie sei weiter gegangen, schilderte der Angeklagte, und im Haus verschwunden. "Ich hab' die nicht angelangt, mehr kann ich dazu nicht sagen; es ist voller Blödsinn was sie behauptet", verteidigte er sich.
Das könne ein weiterer Bewohner des Hauses bestätigen, der zur angeblichen Tatzeit neben ihm gestanden habe. Auf Vorhalt der Richterin Ilona Conver, warum die Zeugin so etwas behaupten solle, sagte der Angeklagte: "Die will mich in den Knast bringen, weil ich Bewährung habe."


Wo sind die Verletzungen?

Der Verteidiger merkte an, dass bei der Frau keinerlei Verletzungen am Folgetag von einer Ärztin festgestellt werden konnten. Solche Verletzungen hätten aber wohl bei einer derart brutalen Behandlung erkennbar sein müssen, meinte der Anwalt.
Der besagte Zeuge, ein 19-jähriger Mann, erklärte, dass er zur Tatzeit mit dem Angeklagten gesprochen habe. Nachfragen des Gerichts und des Anklagevertreters beantwortete der junge Mann zögerlich und unsicher. "Der Angeklagte hat eigentlich nicht viel zu der Frau gesagt, nur dass sie nicht über ihn herziehen soll", erklärte der Zeuge. Zu einer Berührung des Angeklagten mit der Zeugin sei es nicht gekommen, beteuerte er. "Der langte die Frau nicht an", sagte der 19-Jährige.
Das angebliche Opfer, die 66-jährige Rentnerin, behauptete dagegen, dass der Angeklagte mit dem Zeugen vor der Haustür stand, als sie nach Hause gekommen sei. "Der sagte zu mir, dass ich besoffen bin." Dann habe er ihr den Hinterkopf drei Mal gegen die Hausmauer geschlagen. Das müsste der Zeuge gesehen haben, schilderte sie. Sie habe Nasenbluten bekommen und starke Kopfschmerzen. An ihrem Hinterkopf müssten leichte Abschürfungen gewesen sein, meinte sie. Davon allerdings habe eine Ärztin die sie am Folgetag aufsuchte, nichts erkennen können. Die Ärztin beschrieb in ihrem Attest nur die Angaben der Frau.


Erheblich vorbelastet

"Mit Ihren Einträgen im Bundeszentralregister kann man schon Wände tapezieren", sagte die Richterin zum Angeklagten und trug vor, dass dort bereits zehn Vorfälle vermerkt sind. Die gehen quer durch das Strafgesetzbuch und auch eine offene Bewährung ist für den Angeklagten vorhanden.
Ilker Özalp beantragte Freispruch. "Mein erster in diesem Jahr", merkte er an. Aufgrund der Beweisaufnahme könne keine Verurteilung erfolgen, auch wenn der Angeklagte möglicherweise doch etwas gemacht hat. "Den Freispruch beantrage ich mit etwas Bauchschmerzen", sagte der Anklagevertreter.
Dem Antrag schloss sich der Verteidiger an. "Das war wohl mein kürzestes Plädoyer in diesem Jahr", sagte er.


Aussage gegen Aussage

In seinem letzten Wort wandte sich der Angeklagte an den Anklagevertreter: "Sie müssen keine Kopfschmerzen haben, ich habe wirklich nichts gemacht."
Das Gericht sprach den Angeklagten frei. "Es steht Aussage gegen Aussage, es ist nichts beweisbar und an den Angaben der Zeugen hege ich, gelinde gesagt, meine Zweifel", sagte Conver.