Ebensfeld

Artenvielfalt: Jeder kann etwas tun

Vertreter der verschiedensten Gruppierungen möchten möglichst viele Menschen an die Urnen bringen.
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Rettet die Bienen! Nicht nur Imker sorgen sich um den rückgängigen Bienenbestand.  Fotos: Franziska Wagner
Rettet die Bienen! Nicht nur Imker sorgen sich um den rückgängigen Bienenbestand. Fotos: Franziska Wagner
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"Rettet die Bienen!" Unter diesem Motto steht das Volksbegehren, über das ab dem 31. Januar abgestimmt werden kann. Um das Thema rund um Artenschutz und Erhalt unseres Ökosystems Interessierten näher zu bringen, fand eine Informationsveranstaltung im Pfarrheim statt.

"Es ist höchste Zeit!", warnt Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz. "Wer offenen Auges durch die Flure geht, der stellt fest, dass es immer weniger Insekten gibt." Immer mehr Tiere landeten auf der Roten Liste, die kontinuierliche Belastung durch Vergiftung des Ökosystems bekämmen nicht nur die Insekten am eigenen Leib zu spüren. Noch über eine lange Zeit werde sich diese Vergiftung in der ganzen Nahrungskette halten und schließlich zum Menschen durch Lebensmittel und Trinkwasser zurückkommen. Anton Reinhardt betonte ausdrücklich, dass sich das Volksbegehren nicht gegen die Landwirte richtet, sondern allein zum Erhalt der Artenvielfalt diene. Neonikotinide, Pestizide die direkt auf den Insektenorganismus eingreifen, seien nicht wasserlöslich und äußerst schwer abzubauen. Dadurch gehe auch insgesamt die Vielfalt der Pflanzenwelt zurück. So verschwänden Rückzugsorte und Nahrungsquellen für Insekten "und unsere Landschaft wird immer ärmer", wie Reinhardt verdeutlichte.

Biodiversität leidet

Die Biodiversität, also die Vielfalt der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, habe keine Möglichkeit neues Genmaterial einzusammeln. So fielen diese "Inseln" irgendwann durch Genarmut aus und verschwänden, auch ohne dass der Mensch aktiv eingreift.

Mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen", haben "alle Bürger die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen", wie Reinhard betonte. "Es heißt zwar ,Rettet die Bienen!‘ Aber hierbei geht es um viel mehr. Nämlich darum, die gesamte Vielfalt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten." Das müsse verstanden werden. Und auf lange Sicht könnten dadurch die Erträge sogar trotz Verminderung von Pestizideinsatz gesteigert werden. Letzterer soll in geschützten Biotopen grundsätzlich verboten werden.

Doch was kann der Einzelne tun? Veränderung fange klein an, also helfe hier schon, so Reinhardt, "Mund-zu-Mund- Propaganda, die Leute selbst auf das Thema anzusprechen. Und dann entscheiden sich sicher einige dazu, mit dem Ausweis in der Hand ins Rathaus zu gehen und für oder gegen das Volksbegehren abzustimmen".

Das von der ÖDP initiierte Begehren sei eine Möglichkeit, unsere Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen. "Wenn sich die Region als Ökoregion bewirbt, müsse sie die eigenen Standards weiter hochfahren: Wo kommen Salat, Tomate und Co. wirklich her? Wie wurde das Tier, von dem mein Ei, Milchprodukt oder Sonntagsbraten stammen, gehalten?" Mehr Transparenz werde gefordert.

Helfer sind gerne gesehen

Freiwillige Helfer seien natürlich gern gesehen: Rathauslotsen zum Beispiel, die mit Plakaten laufen und so auf das Volksbegehren und dessen Thematik aufmerksam machen. "Würde die Jahreszeit stimmen, könnten die Menschen mit Pinsel ausgestattet selbst ausprobieren, Pflanzen mit Blütenstaub zu bestäuben", meint Reinhardt. Bienenkostüme, Handzettelverteilung und ein öffentlicher Countdown zum Start der Abstimmung am Rathaus am 31. Januar, sind weitere Ideen.

Zwei Dokus zum Thema

An den zwei nächsten Donnerstagen werden jeweils zwei Filme ("Coburg survival - das Ende der Gentechnik" und "Das Wunder von Malz") in der Neuen Filmbühne Lichtenfels um 19.30 Uhr gezeigt.

Das sogenannte "Greening" - zum Beispiel das Stehenlassen von Grünstreifen am Feld und Straßenrand - soll als Ökologisierungskomponente weiter gestärkt werden. Michel Bäumler, Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz, weist auf Blühstreifen hin, von denen mobile Arten beispielsweise durch Luzerne angelockt werden. Der Malvendickkopffalter könne sich beispielsweise nur in der namensgebenden Malve entwickeln, erklärte Bäumler.

Bürgermeister Bernhard Storath ließ über den Winter vier Grünstreifen stehen und erreichte so mit geringem Aufwand, dass einige Falter nach dem Winter schlüpfen können. "Die Schönheit und Vielfalt, die wir - noch - bei uns haben, braucht sich hinter tropischen Arten hinsichtlich ihrer Buntheit nicht zu verstecken. Wir wollen erreichen, dass unsere Enkel das selbst wieder bei einem Spaziergang sehen", verdeutlichte Bäumler.

Es sei höchste Zeit umzudenken, sagte Marion Damm: "Viel kann der Einzelne schon im eigenen Garten machen. Quasi vor der eigenen Haustür." Im Garten eine unberührte Ecke als Rückzugsmöglichkeit für Igel, Brennnesselbüsche, die für Schmetterlinge stehen bleiben können, seien nur einige Möglichkeiten, erklärte sie. Der Trend, Folien in die Erde zu stecken, durch die nicht einmal ein Regenwurm durchkomme, müsse nicht sein. "Die Igel reißen aus, weil sie nichts finden. In manchen Gärten findet kein Vogel, keine Biene etwas zu fressen. Ein solcher Garten ist tot."

Schneckengift sei mit Rattengift vergleichbar. Es werde von der Erde aufgenommen und gelange so in den Salat. "Da kann man auch gleich seinen Salat im Discounter kaufen", stellte sie klar.

"Die Welt gehört uns nicht allein!", meinte Marion Damm, "Wenn es uns nicht gelingt, das Artensterben zu stoppen, dann werden wir schlussendlich die Letzten sein, die das zu spüren bekommen." Schon eine alte indianische Weisheit besagt: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann."

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