Laden...
Lichtenfels

Artenschutz vor der eigenen Tür

So einfach lassen sich Lebensräume für Vögel und Insekten im eigenen Garten schaffen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christiane Acker sieht sich das Insektenhotel genau an, wo unter anderem die Gemeine Goldwespe nistet. Fotos: privat
Christiane Acker sieht sich das Insektenhotel genau an, wo unter anderem die Gemeine Goldwespe nistet. Fotos: privat
+2 Bilder

Ein Paradies für Schmetterlinge, Bienen, Molche und sogar für den Zaunkönig - das ist der Garten von Christine Schmidt in der Viktor-von-Scheffel-Straße in Lichtenfels. Er wird seit über 30 Jahren ökologisch bewirtschaftet und ist seit zwei Jahren ein sogenannter "Hortus".

Das bedeutet, dass der Natur wieder ausreichend Raum gegeben wird und der Garten viele kleine und große Verknüpfungspunkte bietet, damit Insekten, Amphibien und kleine Lebewesen wieder eine Chance haben, zu wandern und sich zu verbreiten. Dass sich ein solch naturnaher Garten ganz einfach umsetzen lässt, zeigte Christine Schmidt kürzlich bei der "Grünen Gartenführung".

"Wer etwas für den Artenschutz tun möchte, hat selbst auf kleinem Raum viele Möglichkeiten", so die Grundschullehrerin. "Ein erster wichtiger Schritt ist der komplette Verzicht auf Gifte, künstlichen Dünger und torfhaltige Erde. Selbst Öko-Schneckenkorn nehme ich nicht mehr, sondern überlasse das Ganze vollständig der Natur und den natürlichen Gegenspielern." Ebenso wichtig sei es, ausschließlich einheimische Pflanzen zu verwenden und auf Rhododendron oder Kirschlorbeer zu verzichten, da diese keine Nahrung für Schmetterlingsraupen böten.

Wie sich für bestimmte Tierarten optimale Bedingungen schaffen lassen, wurde unter anderem anhand verschiedener "Naturmodule" von Christine Schmidt veranschaulicht. Dazu gehört beispielsweise ein Sandhaufen, der unterschiedlichen Insekten als Unterschlupf, Nistplatz und Nahrungsquelle dient. Dieses sogenannte Sandarium ist vor allem für Wildbienen nützlich, da die meisten von ihnen ihre Nester im Erdboden bauen. Steinhaufen wiederum eignen sich optimal für Amphibien oder Spitzmäuse, während Reisighaufen beispielsweise für Glühwürmchenlarven wichtig sind.

Pufferzone mit Sträuchern

Neben den Naturmodulen braucht es nach dem Hortus-Prinzip in jedem Garten auch eine Pufferzone mit einheimischen Sträuchern und Stauden, die das ganze Jahr hindurch blühen und fruchten. Diese bieten vor allem für Vögel, wie den Zaunkönig oder die Nachtigall, ausreichend Schutz, Sitzgelegenheit und Nahrung. Darüber hinaus lassen sich mit ausgewählten Gewächsen wie der Mondviole oder dem Taubenkropfleimkraut nachtaktive Insekten anlocken, die dann wieder für Fledermäuse attraktiv sind. Als optimale Futterpflanzen für die Raupen von Schmetterlingen wie dem Aurorafalter gelten Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke oder das einjährige Silberblatt.

Ein Stück "Lebensraum für Insekten" mit nach Hause nehmen - das durften die kleinen Besucher der Gartenführung. Sie hatten die Gelegenheit, unter Anleitung von Wildnispädagogin Sabine Simeoni Bienenhotels zu basten.

Diese lassen sich auch einfach zu Hause nachbauen. Alles, was sie dazu nötig ist, sind leere Weißblechdosen, in die dicht an dicht hohle Äste von Gehölzen wie Bambus, Schmetterlingsflieder oder Staudenknöterich gesteckt werden. Bestenfalls an einer wettergeschützten Stelle aufgehängt, dienen die Dosen bestimmten Bienensorten als Nisthilfe und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

Weitere Pflanzenporträts und Tipps zu Naturmodulen gibt es unter www.hortusnetzwerk.de. Das Netzwerk und seine dazugehörigen Gärten wurden 2019 von der UN-Dekade Biologische Vielfalt als Projekt, das in beispielhafter Weise zum Erhalt biologischer Vielfalt beiträgt, ausgezeichnet. red

Verwandte Artikel