Bamberg

"Arbeitgeber bewegen sich nicht!"

Am Gabelmann haben am Freitag Beschäftigte des Einzelhandels aus Bamberg und anderen Orten gestreikt. Sie fordern die Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge und mehr Geld.
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Christina Weber, Betriebsratsvorsitzende einer Bamberger H&M-Filiale, hat am Freitag mit einigen anderen Forderungen gestellt. Fotos: Lea Schreiber
Christina Weber, Betriebsratsvorsitzende einer Bamberger H&M-Filiale, hat am Freitag mit einigen anderen Forderungen gestellt. Fotos: Lea Schreiber
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Schrill erklingen die Trillerpfeifen am Bamberger Gabelmann. Klatschen und Buh-Rufe im Wechsel: Am Freitag wird lautstark gestreikt. Mitarbeiter aus dem Einzelhandel haben ihre Arbeit niedergelegt. Vertreten sind Arbeitnehmer der Firmen H&M und Wöhrl vom Standort Bamberg sowie einer Kaufland-Filiale in Lichtenfels und eines Unternehmens der Baur-Gruppe in Burgkunstadt. Die Teilnehmer beschließen einstimmig, auch am Samstag ihre Arbeit niederzulegen.

Laut Paul Lehmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Fachbereich Handel in Oberfranken, "geht es primär darum, die Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge herzustellen". Im Einzelhandel sei vor 2000, so Lehmann, der Tarifvertrag für alle gültig gewesen. Aktuell seien nur noch rund 25 Prozent aller Beschäftigten im Einzelhandel in der Tarifbindung.

Betrag noch zu niedrig

Auch fordert die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung für Azubis um 100 Euro. So sollen die Ausbildungsberufe im Einzelhandel zukunftsfähiger gemacht werden. Als Lohnerhöhung fordert die Gewerkschaft in diesem Jahr einen Euro mehr pro Stunde. Die Arbeitgeber haben in den Tarifverhandlungen im Einzel- und Versandhandel 1,5 Prozent in diesem und 1,0 Prozent mehr Lohn im nächsten Jahr geboten. Dieser Betrag ist für die Gewerkschaft noch zu niedrig. Bereits Freitag letzter Woche haben Mitarbeiter der H&M-Filiale am Grünen Markt aus dem laufenden Betrieb heraus gestreikt und ihre Arbeit niedergelegt. Der gestrige Streik in der Tarifverhandlung hatte für die H&M-Filiale in der Bamberger Innenstadt keine schwerwiegenden Folgen: "Viele unserer Mitarbeiter haben sich dagegen entschieden zu streiken. Aus diesem Grund konnten wir unser Geschäft wie gewohnt öffnen", so H&M-Pressesprecherin Laila Helmy.

Kritik an Unternehmen

Der Betriebsratsvorsitzende der Firma Wöhrl am Standort Bamberg, Heinz Hacke, kritisiert unter anderem fehlende Lohnerhöhungen im Unternehmen: "Es ist genug, dass man uns hinhält! Wir müssen jetzt was tun. Der Arbeitgeber bewegt sich keinen Millimeter!"

Für Wöhrl-Pressesprecher Frank Elsner ist hingegen klar: "Dem Streikaufruf von Verdi ist heute nur ein sehr kleiner Teil der Belegschaft in Bamberg gefolgt. Vielleicht liegt dies daran, dass Wöhrl mit den Betriebsräten längst klare Regelungen für die leistungsgerechte und attraktive Entlohnung getroffen hat." Über mögliche Anpassungen und Verbesserungen gebe es bereits einen regelmäßigen Austausch.

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