Reichenbach bei Münnerstadt

Arbeit im Rhythmus der Natur

Bei "Schmitt´s Obstgarten" in Reichenbach hat die Hofnachfolge reibungslos geklappt. Zwei Generationen arbeiten Hand in Hand. Der Obstanbau mit der Natur ist eine Philosophie des Betriebes.
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Clemens Schmitt (vorne rechts) hat seit 1. Juli den elterlichen Hof in Reichenbach übernommen. Momentan herrscht Hochsaison, denn die Apfelernte ist in vollem Gange. Die Familie und Helferinnen aus Reichenbach arbeiten Hand in Hand.  Fotos: Heike Beudert
Clemens Schmitt (vorne rechts) hat seit 1. Juli den elterlichen Hof in Reichenbach übernommen. Momentan herrscht Hochsaison, denn die Apfelernte ist in vollem Gange. Die Familie und Helferinnen aus Reichenbach arbeiten Hand in Hand. Fotos: Heike Beudert
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Seit 1. Juli hat Clemens Schmitt offiziell den Betrieb von seinen Eltern Claus und Agnes übernommen. "Es ist eher ein Rollentausch", meint Clemens Schmitt. Die Landwirtschaft mit ihrem Schwerpunkt auf Apfel- und Erdbeerkulturen wird als klassischer Familienbetrieb geführt. Alle packen weiterhin gemeinsam mit an. Das Familiäre ist für den jungen Chef wie schon für seine Eltern eine Philosophie. Das betrifft auch die Mitarbeiter, die gerade jetzt, während der Erntesaison, auf dem Hof im Einsatz sind. 15 Männer und Frauen, vorwiegend aus dem Dorf, helfen abwechselnd, wenn die Familie den Arbeitsanfall nicht mehr alleine bewältigen kann. Auch sie gehören für Clemens Schmitt zur großen Familie.

Clemens Schmitt will fortführen, was seine Eltern vor mehr als 30 Jahren aufgebaut haben. Als er zusammen mit seinen Schulkollegen kurz vor dem Abitur gemeinsam Apfelbäume in Reichenbach setzte, hatte er jedoch nicht daran gedacht, dass er einmal Landwirt werden würde. Seine Eltern wohl auch nicht, betont er. Clemens Schmitt hat Betriebswirtschaftslehre studiert und auch im Ausland gearbeitet. Doch irgendwann reifte der Entschluss, zurück zu kommen, um den Betrieb weiter zu führen. Als dies klar war, hat Claus Schmitt neue Obstbäume gepflanzt. Seit 2013 ist Clemens Schmitt wieder in Reichenbach.

Alte und neue Sorten

20 verschiedene Apfelsorten wachsen in den Kulturen von "Schmitt´s Obstgarten". Diese Vielfalt ist hilfreich für die Vermarktung. Sie gibt allerdings auch mehr Sicherheit, falls eine Sorte durch Wetterunbilden wie Spätfröste einmal schwach tragen sollte. Angebaut werden alte wie neue Sorten. Eine richtig alte Sorte ist der Gravensteiner, der schon im 17. Jahrhundert bekannt war und jetzt wieder in der Reichenbacher Obstbaumanlage wächst und auf den Märkten sehr gut ankommt.

Mit der Ernte 2019 sind die Schmitts zufrieden. Es habe zwar nicht viel Regen gegeben, aber der fiel für die Äpfel zur richtigen Zeit, meint Clemens Schmitt. Einige Früchte weisen zwar einen Hagelschaden auf, aber insgesamt stimmen Qualität und Menge. "Wir hatten immer die Ernte, die wir gebraucht haben", sagt Claus Schmitt. Diese Feststellung ist für ihn auch ein Stück Lebens- und Betriebsphilosophie. Diese kann man im modernen Sprachgebrauch auch mit dem Wort Nachhaltigkeit beschreiben. Für die Reichenbacher Obstbauern ist es wichtig, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten, auch wenn der Hof nicht biozertifiziert ist. Nachhaltigkeit heißt für den Hofnachfolger und jungen Familienvater Clemens Schmitt aber auch, dass seine Familie vom Betrieb beziehungsweise seinen Erzeugnissen leben kann.

Ein Spannungsfeld

Clemens Schmitt will die Tradition der bäuerlichen Landwirtschaft fortführen. Diese ist zwar vom Verbraucher favorisiert, markiert aber auch gleich das Spannungsfeld, in dem sich die Schmitts bewegen. Ihre Äpfel müssen mit den genormten, perfekt aussehenden Produkten des Massenanbaus konkurrieren. Kaum ein Verbraucher wisse allerdings, wie viele Äpfel erst gar nicht in den Verkauf kommen, um diese Kriterien zu erfüllen, erzählen Vater und Sohn. Darüber versuchen sie mit den Kunden zu reden: Dass der perfekte Apfel eigentlich so ungewöhnlich ist wie das perfekte Leben. Auch die Schmitts müssen sortieren, nicht nur, weil ein unförmiger oder fleckiger Apfel weniger gerne gekauft wird als ein perfekter. Clemens Schmitt zeigt einen Apfel mit Hagelschaden. Der taugt nur für Saft, weil er durch den Platzer nicht haltbar ist. Andere Äpfel sind zwar haltbar, haben aber zu viele Schönheitsflecken für 1A-Ware. Sie kann man höchstens als zweite Wahl verkaufen. In der Betriebshalle des Hofes werden deshalb alle Äpfel von Erntehelfern per Hand durchsortiert, ehe sie in den Verkauf bzw. in die Lagerräume kommen.

Aus der Region für die Region

Diese Abläufe können Besucher beim Schmitt´schen Apfelfest erleben. Das Fest mitten in der Erntezeit erfüllt für die regionalen Vermarkter eine wichtige Funktion. Denn anders als in der industriellen Landwirtschaft ist der unmittelbare Kontakt zum Verbraucher elementar. Es stärkt wie auch die Marktbesuche die Kundenbindung. Diese sei eng und wichtig. Denn Äpfel aus Schmitt´s Obstgarten sind ein regionales Produkt, das bewusst ausschließlich hier vermarktet wird.

Äpfel im Herbst, Beerenobst im Früh- und Hochsommer sind die Standbeine des Betriebs. Ob Clemens Schmitt auch einmal exotischere Früchte anbauen will? Den Gedanken hat er schon. Ausprobieren könne man das. Er ist sich aber sicher: Dies wäre allerhöchstens eine Ergänzung. "Wenn wir unsere Äpfel und Erdbeeren hegen und pflegen, sind wir gut beschäftigt."

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