Bad Staffelstein
Festival

Anne Sofie von Otter fasziniert in Vierzehnheiligen

Jochen Berger Die letzten Minuten vor einem Konzert können richtig anstrengend sein für eine Sängerin - vor allem, wenn sie so bekannt ist wie die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter. Mi...
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"Lied & Lyrik": Anne Sofie von Otter konzertierte in der Basilika Vierzehnheiligen. Foto: Jochen Berger
"Lied & Lyrik": Anne Sofie von Otter konzertierte in der Basilika Vierzehnheiligen. Foto: Jochen Berger

Jochen Berger Die letzten Minuten vor einem Konzert können richtig anstrengend sein für eine Sängerin - vor allem, wenn sie so bekannt ist wie die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter. Mit einem Gastspiel in der sehr gut besuchten Basilika Vierzehnheiligen eröffnete sie die fünfte Auflage des Festivals "Lied & Lyrik" und gleichzeitig die Reihe "Musiksommer Obermain".

Ungestörte Konzentration auf das folgende Programm mit seiner anspruchsvollen Mischung stilistisch sehr unterschiedlicher Werke von Bach bis Bernstein, von Strauss bis Ives bleibt eine Illusion für die Sängerin. Denn bevor sie mit ihrem langjährigen Instrumentalpartner Bengt Forsberg an der Orgel noch ein paar letzte Details besprechen kann, wartet ein Fernsehteam auf ein Interview. Anne Sofie von Otter bleibt dabei genauso geduldig wie bei der Bitte zweier Musiker der Bamberger Symphoniker, schnell noch ein Selfie machen zu dürfen zur Erinnerung an das gemeinsame Musizieren droben auf der Orgelempore der Basilika.

Klangfarben mischen sich

Diese ganze Betriebsamkeit aber ist dann mit dem ersten Ton von Bernsteins "Simple Song" sofort verflogen. Anne Sofie von Otters Stimme zieht unmittelbar in Bann - nicht durch Lautstärke, sondern durch die Kunst der atmenden Phrasierung, durch ihre stete mühelos prägnante Artikulation. Faszinierend, wie sie mit Klangfarben arbeitet, die sich immer wieder mit den Klangfarben der Orgel, der Flöte von Ursula Haeggblom, der Harfe von Laurence Forstner-Beaufils, der Geige von Harald Strauss-Orlovsky, dem Cello von Nikola Jovanovic und der E-Gitarre von Fabian Fredriksson mischen.

Gustav Mahlers "Urlicht", schwedische Volkslieder, a cappella unten im Kirchenschiff gesungen, Maurice Duruflés "Pie Jesu" oder Francis Poulencs "Priez pour paix" - die mühelose stilistische Wandlungsfähigkeit dieser Sängerin beeindruckt.

Verblüffend aber auch, wie selbstverständlich die scheinbar sehr kontrastierenden Stücke letztlich zusammenpassen, manchmal fast unmittelbar ineinander übergehen.

Klug konzipierte Programme sind ein Markenzeichen dieser Sängerin - Programme, in denen Zusammenhänge plötzlich dort entstehen können, wo man sie zunächst gar nicht vermuten würde.

Und auch das gehört zum Auftritt dieser Sängerin in Vierzehnheiligen. Wenn Bengt Forsberg ein solistisches Orgelstück wie zum Beispiel "Les Anges" von Olivier Messiaen spielt, wird aus der Sängerin ganz uneitel die helfende Registrantin.

Dem Klangzauberer Richard Strauss und seinem verführerisch schön interpretierten Lied "Der Morgen" sind die letzten Töne des offiziellen Programms vorbehalten. Beendet freilich ist das Konzert damit längst noch nicht. Für den bemerkenswert ausdauernden Beifall der Zuhörer bedanken sich die Interpreten mit zwei Zugaben.

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