LKR Haßberge

Ankommen - mehr als ein Grenzgang

Die Einwanderung von Flüchtlingen und der Zuzug von EU-Bürgern stellen die Facheinrichtungen im Landkreis vor wachsende Herausforderungen. Ein neues Zuwanderungszentrum bündelt sie.
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So gelingt Integration: Hana und Amina stellen bei der Volkshochschule Ebern die Küche ihrer Heimat Äthiopien vor. Foto: Rudi Hein
So gelingt Integration: Hana und Amina stellen bei der Volkshochschule Ebern die Küche ihrer Heimat Äthiopien vor. Foto: Rudi Hein
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Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge — Flüchtlingspolitik. Vor allem der Schutz der Grenzen und die Verhinderung ähnlicher Vorfälle wie 2015 sind Themen. Asylrecht, Grenzschutz, Abschiebung und Ausreise - bei alledem sollen verschärfte Maßstäbe gelten.

Doch Zuwanderungspolitik bedeutet nicht nur Kontingente und Abschieberegelungen. Migration bedeutet nicht nur Flucht vor Krieg und Verfolgung. Zunehmend zieht es Arbeitskräfte aus EU-Staaten samt Familien in die Region - ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Es geht auch um Integration und um das soziale Miteinander.

Die Bundesrepublik war stets ein Einwanderungsland. Man denke an die Anwerbeaktionen für Gastarbeiter in den 1950er und 60er Jahren. 1964 wurde der einmilllionste Gastarbeiter in Deutschland sogar mit einem Motorrad beschenkt. Später sorgten der Fall des "Eisernen Vorhangs", "ethnische Säuberungen" im einstigen Jugoslawien und die zugespitzte Lage im kurdisch besetzten Teil der Türkei für größere Einwanderungswellen, dann der Zuzug der (Spät-)Aussiedler.

Hilfe aus dem Ausland

Die Dramatik des Krisenjahrs 2015 ist passé. Doch die Zuwanderung, auch im Landkreis Haßberge, hält auf moderatem Level an. Einerseits sind die Ursachen für die Flucht, also die diversen Krisen in etlichen der Herkunftsländer, nicht behoben, anderseits werden Arbeitskräfte gebraucht, weil die Gesellschaft altert und überdurchschnittlich viele Einheimische aus dem Berufsleben ausscheiden.

Um die Integration der Migranten bemühen sich zurzeit verschiedene Stellen: In der staatlich anerkannten Migrationsberatungsstelle begleitet der BRK-Kreisverband im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) die Zuwanderer in sozialen Angelegenheiten - ein, wie es offiziell heißt, "zeitlich befristetes, bedarfsorientiertes, individuelles Grundberatungsangebot."

Ziel ist es, die Leute zu selbstständigem Handeln im Alltag zu befähigen und sie so weit wie möglich unabhängig von "sozialen Transferleistungen" zu machen. Die Einrichtung berät mit oder ohne Dolmetscher, macht Hausbesuche, unterstützt bei Behördengängen oder vermittelt Hilfsangebote (Jugendsozialarbeit an Schulen, Mehrgenerationenhaus, Sprachkurse, Schuldenberatung, Erziehungsberatung und anderes mehr) - vieles davon ehrenamtlich. Sie unterstützt beispielsweise auch bei Bewerbungen, bei der Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen, bei der Wohnungssuche oder hilft, wenn es um die Anerkennung von Zeugnissen und Abschlüssen geht. In Haßfurt gibt es Sprachkurse und das Mehrgenerationenhaus stellt Bildungs- und Sprachpaten.

Insgesamt wurden im Jahr 2018 durch die vier Mitarbeiterinnen der Migrationsberatung des BRK um Teamleiterin Karina Hauck 566 Personen aus mehr als 25 Ländern beraten. Wie komplex das Ganze mitunter ist, lässt sich anhand der Zahlen nur erahnen. 2319 Beratungsgespräche kamen laut BRK-Pressesprecher Michael Will zusammen. Zum Teil waren mehr als 20 Sitzungen nötig, in einem Fall sogar 36 Treffen.

Auch die Caritas bietet seit mehr als 40 Jahren Migrations- und Sozialberatung an und engagiert sich in der Asylarbeit.

Ideal ist es, die Zuwanderer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Fachkräftemangel macht Zuwanderer auch für Arbeitgeber in der Region interessant. Das Jobcenter in Haßfurt betreut laut Mitteilung aus dem Landratsamt derzeit 321 Asylbewerber (davon sind 142 weiblich). Die meisten der Stellensuchenden sind zwischen 25 und 55 Jahre alt, 113 sind jünger, 17 sind älter.

Die neue Anlaufstelle

"Zuwanderungszentrum Haßberge". Das klingt gut; international und vielseitig. Wird es auch, verspricht das Landratsamt Haßberge. Am Montag wird eine Kooperationsvereinbarung besiegelt. Partner sind die Kreisbehörde, die Caritas und das Rote Kreuz. Die Bildungskoordinatorinnen für Neuzugewanderte, der Flüchtlings- und Integrationsberatung, die Integrationslotsin und der Migrationsberatung packen all ihre Kompetenzen zusammen und bündeln Kräfte. Auch durch kurze Wege. Für "eine engere institutionelle Zusammenarbeit" wird die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer mit den Beratungsstellen des Landratsamtes zusammengezogen. Das neue "Zuwanderungszentrum Haßberge " wird in der Brüder-Becker-Straße 8 in Haßfurt eingerichtet. Dort wird es regelmäßige Öffnungszeiten geben.

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