Altenkunstadt
altenkunstadt.inFranken.de  Mittelschülern wurde eindrücklich vor Augen geführt, wo und warum Gefahren im Straßenverkehr lauern.

Anhaltspunkte in einer mobilen Welt

Warum muss ich mich im Auto anschnallen, was ist der Unterschied zwischen dem Anhalte- und dem Bremsweg und warum ist schnelles Reagieren wichtig? Antwort auf diese Fragen bekamen die Schüler der fünf...
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Auch beim Rennen kann man nicht so einfach stehen bleiben. Wie beim Auto gibt es einen Anhalteweg, der sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg zusammensetzt. Diese Erfahrung machten Fünftklässler, als sie in vollem Lauf stoppen wollten.  Foto: Bernd Kleinert
Auch beim Rennen kann man nicht so einfach stehen bleiben. Wie beim Auto gibt es einen Anhalteweg, der sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg zusammensetzt. Diese Erfahrung machten Fünftklässler, als sie in vollem Lauf stoppen wollten. Foto: Bernd Kleinert

Warum muss ich mich im Auto anschnallen, was ist der Unterschied zwischen dem Anhalte- und dem Bremsweg und warum ist schnelles Reagieren wichtig? Antwort auf diese Fragen bekamen die Schüler der fünften Klassen der Altenkunstadter Mittelschule bei einem Verkehrssicherheitstag des ADAC Nordbayern. Die Veranstaltung ist Bestandteil der Aktion "Hallo Auto!".

"Wie beteiligt ihr euch am Straßenverkehr?", wollte Moderatorin Katarina Klüpfel von den Kindern wissen. "Mit dem Fahrrad und mit dem Roller", berichten die Schüler. Viele sind zu Fuß unterwegs. Kinder wachsen in einer mobilen Welt auf, in der auch das Auto ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags ist. "Obwohl sie fast täglich drinsitzen, wissen sie über die Risiken, die das Auto zwangsläufig in sich birgt, nur unzureichend Bescheid", gab Klüpfel zu bedenken.

So könnten Kinder das Tempo eines sich nähernden Fahrzeugs nicht abschätzen: "Sie glauben, dass ein Auto wie auch ein Fußgänger so einfach stehen bleiben kann." Ihnen müsse daher die Gefährlichkeit eines Fahrzeugs bewusst gemacht werden. Der ADAC Nordbayern setze mit seinem neuartigen Verkehrsunterricht "Hallo Auto!" voll auf "Learning by doing", denn "erst was die Kinder in der Praxis hautnah erlebt haben, bringt einen Lerneffekt".

Beim vorwiegend praxisbezogenen Sicherheitstraining auf dem Außengelände der Kordigasthalle erlebten die Fünftklässler handlungsorientiert reale Verkehrssituationen.

Lehrformel erarbeitet

Die Kids begannen bei sich: Sie rannten los und wollten an einer Ziellinie stoppen. "Das geht nicht. Man kann nicht so einfach stehen bleiben", stellten Nicola und Eva schnaufend fest. Noch länger dauerte es, als sie auf ein Flaggensignal hin in vollem Lauf abrupt anhalten sollten. Aus den Erfahrungen, die die Mittelschüler an sich gemacht hatten, erarbeiteten sie zusammen mit der Verkehrserzieherin die Lehrformel "Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg", die sich wie ein roter Faden durch das weitere Training zog.

Um herauszufinden, wie es sich bei Autos mit dem Anhalteweg verhält, stellten die Schüler an der Stelle, wo ihrer Meinung nach ein sich mit 50 Stundenkilometern näherndes Fahrzeug nach einer Vollbremsung zum Stehen kommt, Pylonen auf. Mit einem ADAC-Auto fuhr die Moderatorin los. Sie beschleunigte, trat auf das Bremspedal und kam erst weit hinter den Hütchen zum Stehen. "Im Ernstfall wären wir jetzt alle tot", stellten Jugendliche mit nachdenklichem Blick fest. Die Reaktionszeit bis zum Treten des Bremspedals beträgt Klüpfel zufolge etwa eine Sekunde. Ablenkungen wie etwa das Telefonieren mit dem Handy verlängern diese.

Auch für Fußgänger kann die Beschäftigung mit mobilen Geräten gefährlich werden. Katarina Klüpfel gab einem Schüler ein Handy. Während des Laufens sollte er einen kurzen Satz schreiben. Der Fünftklässler wurde durch das Tippen derart abgelenkt, dass er nicht mitbekam, was um ihn herum geschah, und sogar über das Ziel hinaus lief. Wie wichtig es ist, angegurtet zu sein, erlebten die Schüler auf dem Beifahrersitz des ADAC-Fahrzeugs. Auf ein Flaggensignal hin machte die Verkehrserzieherin eine Vollbremsung. "Ohne Gurt wären wir gegen die Frontscheibe geflogen", erkannten die Beifahrer, die die Wucht der Bremsung deutlich spürten.

Stoffelch Lasse und der Gurt

Die Folgen eines Aufpralls können tödlich sein. Was im Ernstfall bereits bei Schrittgeschwindigkeit passieren kann, demonstrierte Katarina Klüpfel an ihrem "Praktikanten", dem Stoffelch Lasse, den sie ohne Gurt auf dem Beifahrersitz mitfahren ließ und der mit voller Wucht gegen die Windschutzscheibe prallte. "Versprecht ihr mir, euch im Auto immer anzuschnallen?", wandte sich die Moderatorin an die Mittelschüler. Die Mädchen und Jungs versprachen es. Der Gurt kann ihren Worten zufolge zwar das Trägheitsgesetz nicht außer Kraft setzen, aber die Insassen eines Fahrzeugs werden durch ihn zurückgehalten und so vor Verletzungen besser geschützt. Die Verkehrserzieherin überreichte den Schülern neben Informationsmaterial auch ein großes Plakat für ihr Klassenzimmer, auf dem sie sich mit ihren Namen "verewigen" können. Mit einem Geschenk bedankte sich Lehrerin Brigitte Olborth bei ADAC-Moderatorin Katarina Klüpfel für das lehrreiche Training. bkl

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