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Hemhofen

Angst vor Arsen aus der Leitung

Die Grünen kritisieren den Wasserzweckverband Hemhofen/Röttenbach für den Umgang mit Messergebnissen. Einig sind sich die Politiker darüber, dass die Trinkwasseraufbereitungsanlage saniert werden muss.
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Die Arsen-Konzentration im Hemhofener Trinkwasser schwankt seit Jahren relativ stark. Die Grünen bemängeln, dass ein überschrittener Grenzwert nicht bekanntgemacht worden sei. Foto: Jochen Eckel, dpa
Die Arsen-Konzentration im Hemhofener Trinkwasser schwankt seit Jahren relativ stark. Die Grünen bemängeln, dass ein überschrittener Grenzwert nicht bekanntgemacht worden sei. Foto: Jochen Eckel, dpa

Die Grünen in Hemhofen sind alarmiert. In einer Pressemitteilung warnen sie vor der Überschreitung von Grenzwerten im Hemhofener Trinkwasser und kritisieren den mangelhaften Umgang mit den Messergebnissen sowie den allgemein schlechten Zustand der Trinkwasseraufbereitung im Wasserzweckverband (WZV) Hemhofen/Röttenbach.

Konkret geht es um erhöhte und stark schwankende Arsen-Messwerte im Jahr 2019. Im April wurde der zulässige Grenzwert von 10 Mikrogramm/Liter mit 11,5 Mikrogramm/Liter sogar überschritten. Die Grünen werfen dem WZV in diesem Zusammenhang auch vor, dass dieser Messwert bewusst nicht veröffentlicht wurde.

Entsprechend emotional ging es am Dienstagabend bei der Debatte im Gemeinderat zu, obwohl das Thema zunächst gar nicht auf der Tagesordnung stand. Eingangs der Sitzung wurde Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU) in der Bürgeranfrage um eine Stellungnahme gebeten. Nagel verwies darauf, dass der Arsen-Wert bereits seit vielen Jahren sehr schwankend sei und man dieses Phänomen nun mit regelmäßigen Messungen alle 14 Tage kontrollieren wolle. Ansonsten seien die Werte immer im Einklang mit der Trinkwasserverordnung gewesen. Mehr könne er dazu leider auch nicht sagen.

Gutachten öffnet die Augen

Diese Antwort war der Grünen-Fraktion um Monika Rosiwal-Meißner und Lutz Bräutigam allerdings zu ausweichend. Der WZV hätte die Bürger informieren und entsprechend warnen müssen. Nagel als Vorsitzender des Zweckverbandes sei hier ebenfalls in die Pflicht zu nehmen, so der Vorwurf von Rosiwal-Meißner. "Warum wird denn erst jetzt engmaschiger kontrolliert?", fragt auch Lutz Bräutigam. Er kritisiert zudem, dass es jahrelang versäumt wurde, die Trinkwasseraufbereitungsanlage zu modernisieren.

Ein bei der letzten Sitzung des WZV vorgelegtes Gutachten des Ingenieurbüros PfK aus Ansbach attestiere, dass die Anlage in ihrem technischen Zustand hoffnungslos veraltet ist. Das sei Bräutigam zuvor in dieser Deutlichkeit nicht klar gewesen. Er kommt zu dem Schluss, dass "wir aktuell leider nicht wissen, ob das Trinkwasser genießbar ist oder nicht".

Diese massive Kritik wollte Nagel allerdings nicht auf sich sitzen lassen. "Ich bin auf diesem Gebiet leider kein Experte und wir haben auf die Fachkompetenz der Experten vertraut." Der Bürgermeister verwies darauf, dass besagtes Ingenieurbüro sich bereits länger mit dem Trinkwasser in Hemhofen und Röttenbach befasse und erst jetzt diese drastische Einschätzung vornimmt. Er habe das Vertrauen in die Experten dort verloren und wolle auch eingehend prüfen, warum die Messwerte im April nicht veröffentlicht wurden bzw. nicht schon früher mit regelmäßigen Kontrollen reagiert wurde. "Wir nehmen das Problem definitiv nicht auf die leichte Schulter."

Ähnlich äußerte sich der Zweite Bürgermeister Hansjürgen Müller (FW), der betonte, dass es allen Mitgliedern des Wasserzweckverbands, zu denen auch die Grünen gehören, eher hätte auffallen können. Leider habe wohl erst das jüngste Gutachten den Räten endgültig die Augen geöffnet.

Verband braucht mehr Geld

Die Kritik am Ingenieurbüro und dessen Gutachter Burkhard Bittner wollten die Gemeinderäte der Grünen allerdings nicht gelten lassen. Sie sehen vielmehr fehlende Kompetenz und Verantwortung in den Reihen des Zweckverbandes. Bereits vor zwei Jahren hätte das Gesundheitsamt die Trinkwasseraufbereitung bemängelt. Nachfragen von Verbandsräten bezüglich des Themas Arsen seien nicht behandelt worden.

Unterstützung erhielten die Grünen dabei von Gemeinderat Thomas Koch (FW), der ebenfalls die viel zu langsame Reaktion des WZV bemängelte. Die Grünen fordern die Sanierung der Trinkwasseraufbereitung und den Einbau einer Entarsenierung schneller voranzutreiben. Dazu müsse der Verband aber auch finanziell besser ausgestattet werden.