Burgkunstadt

Anders als die anderen Kinder

Zum zehnjährigen Bestehen der Autismus-Beratungsstelle Autkom in Burgkunstadt hielt Silke Wanninger-Bachem einen Vortrag über das Thema Schule und Arbeit. Zudem versucht die Betroffene in ihrem Blog zu informieren.
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Mit Vorträgen, wie bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen von Autkom-Oberfranken in Burgkunstadt, versucht Silke Wanninger-Bachem über Autismus aufzuklären. In ihrem Blog schreibt sie ebenfalls über das Thema.  Foto: Theresa Schiffl
Mit Vorträgen, wie bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen von Autkom-Oberfranken in Burgkunstadt, versucht Silke Wanninger-Bachem über Autismus aufzuklären. In ihrem Blog schreibt sie ebenfalls über das Thema. Foto: Theresa Schiffl

theresa schiffl Während ihrer Schulzeit bemerkte Silke Wanninger-Bachem schnell, dass sie anders ist, als die anderen Kinder. "Ich habe mich an ihrem Verhalten orientiert, weil ich dazu gehören wollte", erinnert sie sich. Seit 2016 weiß sie, dass sie Autistin ist.

Zum zehnjährigen Bestehen des Autismus-Kompetenzzentrums Oberfranken hielt die 54-Jährige einen Vortrag über die Themen Schule und Arbeit. Dabei erzählte sie aus ihrem eigenen Leben mit der Krankheit. Eines ihrer drei erwachsenen Kinder ist ebenfalls Autist. Auch von seinen Erfahrungen erzählt sie. Durch Vorträge und ihren Blog versucht sie, über Autismus mit ihren persönlichen Empfindungen und Erlebnissen aufzuklären.

Schwierigkeiten Reize zu filtern

Bei Autisten funktioniert die Reizverarbeitung aus der Umwelt anders, erklärt Silke Wanninger-Bachem: Die Reizschwelle ist niedriger und für sie ist es schwieriger, die Vielzahl an Eindrücken zu filtern. Es gibt Autisten, die überempfindlich sind, und bei anderen Reizen wiederum unterempfindlich.

Autistisches Verhalten lässt sich darauf zurückführen, dass viele Dinge gleichzeitig wahrgenommen werden und es zu einer Reizüberflutung kommt. Das führt irgendwann zu Chaos im Kopf, Überforderung und Angst. Wenn weitere Reize hinzukommen, folgen Urinstinkt-Reaktionen wie Angriff, Flucht oder Erstarren.

Während ihrer Schulzeit saß Silke Wanniger-Bachem immer in der ersten Reihe: "Da habe ich nicht so viel mitbekommen. In den Pausen half mir dann in einer ruhigen Ecke das Lesen, um die chaotische, laute Pause zu überstehen. Oft habe ich das Klingeln am Ende der Pause nicht gehört und der Hausmeister hat mich dann gefragt, ob ich nicht im Unterricht sein müsste", erzählt sie.

Bei ihrem Sohn, der ebenfalls Autist ist, zeigte sich die neurologische Entwicklungsstörung, durch Probleme beim Interpretieren von Karikaturen, Gedichten oder Comics oder darin, dass ihm das Strukturieren sowie Zeitmanagement fehlte. "Seine W-Seminararbeit am Gymnasium hat er drei Tag vor Abgabetermin begonnen", sagt die 54-Jährige.

Sohn hatte besondere Hobbys

Ihr Sohn entdeckte spezielle Hobbys, denen er dann exzessiv nachging, was ebenfalls typisch für Autismus ist. "Er hat zum Beispiel Origami für sich entdeckt und unendlich viele Sterne gemacht.", sagt Silke Wanninger-Bachem. Dieses Jahr bekomme sie zu Weihnachten auch wieder einen, auf den sie sich wieder freue, erzählt sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Sie hatte auch noch während ihres Studiums Probleme bei der Organisation: Es überforderte sie, einen zielführenden Stundenplan zu erstellen. Jedoch konnte sie nach diesem Scheitern in höherem Alter durch die Modularisierung, bei der bereits eine Struktur vorgegeben war, noch einen Abschluss erreichen.

Im Berufsleben wurde es jedoch nicht leichter mit dem "Kollegen Asperger": Sie begann verschiedenste Ausbildungen, die aber einfach noch nicht mit ihrem Autismus zusammenpassten.

Nachdem sie zuletzt in Teilzeit als Verwaltungsfachkraft arbeitete, orientiert sie sich nun beruflich neu. Durch ihre Erfahrungen kennt sie nun herausfordernde Situationen und Aufgaben, weiß aber, was für einen besseren Umgang mit der Krankheit in der Schule und am Arbeitsplatz helfen kann. Ihr haben Erfahrungsberichte anderer geholfen, ihre eigene Krankheit besser zu verstehen.

Zum einen natürlich, dass Schüler, Lehrer und Kollegen über Autismus informiert und aufgeklärt werden. Zum anderen, dass es die Möglichkeit gibt, den Arbeitsplatz und -alltag so zu gestalten, dass er für die Betroffenen einfach wird: Feste Ansprechpartner, Nachteilsausgleiche, Hilfsmittel wie Kopfhörer, Sonnenbrille oder Sichtschutz sowie ein separater Arbeitsplatz sind nur einige der Tipps, die Silke Wanninger-Bachem weitergeben kann.

Am wichtigsten sei jedoch, dass den Mitmenschen eine Botschaft über die Krankheit mitgegeben wird: "Man ist kein Alien, das bei falscher Behandlung explodiert", sagt Silke Wanninger-Bachem und lacht.

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