Altenkunstadt
Lesung

Amerika liegt gleich hinter der Kieswäsch'

Klaus Kuhrau aus Kulmbach ist ein vielseitiger Mann. Der Pfarrer im Ruhestand schreibt Bücher, verfasst Spruchsammlungen und war auch schon im Radio zu hören. Bei der Muttertagsfeier der evangelischen...
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Die Geschichte von "Johnny aus Forstlahm" stand im Mittelpunkt einer Lesung mit dem Pfarrer und Buchautor Klaus Kuhrau aus Kulmbach (stehend) bei der evangelischen Frauenhilfe.  Foto: Bernd Kleinert
Die Geschichte von "Johnny aus Forstlahm" stand im Mittelpunkt einer Lesung mit dem Pfarrer und Buchautor Klaus Kuhrau aus Kulmbach (stehend) bei der evangelischen Frauenhilfe. Foto: Bernd Kleinert

Klaus Kuhrau aus Kulmbach ist ein vielseitiger Mann. Der Pfarrer im Ruhestand schreibt Bücher, verfasst Spruchsammlungen und war auch schon im Radio zu hören. Bei der Muttertagsfeier der evangelischen Frauenhilfe vermittelte der 77-Jährige den vielen Besuchern einen Einblick in sein literarisches Schaffen.

Eine Lesung aus seinem jüngsten Buch stand im Mittelpunkt des gemütlichen Teils. "Der Johnny aus Forstlahm" hat der Autor eine Geschichte betitelt. "Was Sie jetzt hören, ist nicht meiner Fantasie entsprungen und es ist auch keine Episode aus einer Seifenoper. Es ist tatsächlich geschehen", erklärt der Autor. Wie aus alten Kirchenbüchern hervorgeht und damit urkundlich belegt ist, erblickte Hans Georg Weber, der Protagonist der Story, 1913 in Forstlahm bei Kulmbach das Licht der Welt. 1927 wurde er konfirmiert. Zum kleinen Dorf Forstlahm hat Kuhrau eine ganz besondere Beziehung. "Seit 15 Jahren treffe ich mich dort zum Stammtisch", schmunzelt er.

Aufmerksam lauschen die Zuhörer der Lebensgeschichte des Hans aus Forstlahm, der von allen Hänschen genannt wird. Er ist etwas klein geraten, doch das stört ihn nicht. Schon als Kind zieht es Hans gedanklich in die Ferne. Er klettert auf den "Höhbaum", um einen Blick in die große, weite Welt zu werfen, auch wenn es sich dabei "nur" um Kulmbach handelt.

In der Kulmbacher Spinnerei

Um noch weiter sehen zu können, steigt er hinauf zur Plassenburg. "Das dort, gleich hinter der Kieswäsch, das muss Amerika sein", ist er sich sicher. Hans' Mutter, die im Dorf kurz "Webera" genannt wird, arbeitet in der Kulmbacher Spinnerei. Ihr Mann ist aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Ihre Kinder sind nun ihr Ein und Alles. "Ist Hans zum abendlichen Sechs-Uhr-Läuten nicht daheim, sucht sie nach ihm, denn es hätte ja etwas passiert sein können", heißt es in der Geschichte. Im Laufe der Jahre wächst in Hänschen der Wunsch, Amerika kennenzulernen, immer mehr. "Dank der Romane von Karl May ist ihm das ferne Land ja bestens vertraut", schreibt Kuhrau.

Aber Amerika ist riesengroß. Wohin soll er gehen? Hans hat ein klares Ziel vor Augen: Er will zu seinem Onkel George nach Philadelphia. Nach seiner Konfirmation und dem Schulabschluss packt Hans seine sieben Sachen, schlachtet sein Sparschwein und macht sich auf den Weg. Mit der Bahn will der junge Mann zunächst nach Hamburg. Die Fahrt führt ihn über Burgkunstadt, Lichtenfels und Bamberg nach Würzburg, wo er umsteigen muss. In der Hansestadt findet er ein Schiff, das über den großen Teich die USA ansteuert. Hans kann als Kombüsenjunge anheuern. Auf dem Schiff lernt er die ersten Brocken Englisch. Der Traum des jungen Mannes wird endlich wahr. "Mein Gott, der Johnny aus Forstlahm. Solche Jungs wie dich brauchen wir hier", begrüßt ihn sein Onkel George ...

Mit einem Geschenk bedankte sich Erika Fürst namens des Leitungsteams bei Pfarrer Klaus Kuhrau für die zu Herzen gehende Lesung. bkl

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