Haßfurt
Psychopharmaka

Am heutigen Mittwoch ist der "Tag des psychisch kranken Menschen"

Ein Medikament löst die Probleme eines psychisch kranken Menschen nicht und ist dennoch aus dem psychiatrischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Franco Basaglia, ein italienischer Reformpsychiater, mein...
Artikel drucken Artikel einbetten
Birgit Hofmann-Betz
Birgit Hofmann-Betz

Ein Medikament löst die Probleme eines psychisch kranken Menschen nicht und ist dennoch aus dem psychiatrischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Franco Basaglia, ein italienischer Reformpsychiater, meint dazu: "Richtig angewandt ist das Medikament in der Psychiatrie ein Instrument der Befreiung". Am 10. Oktober ist der "Tag des psychisch kranken Menschen", aus diesem Anlass informiert die Leiterin des sozialpsychiatrischen Tageszentrums der Caritas in Haßfurt, die Sozialpädagogin Birgit Hofmann-Betz, über das Thema Medikamente.

Mit den heutzutage gebräuchlichen, neu entwickelten und nebenwirkungsarmen Medikamenten wurde es möglich gemacht, krankhaftes menschliches Verhalten, Stimmungen und Gefühle positiv zu steuern. Birgit Hofmann-Betz warnt jedoch vor der "nahezu zur Selbstverständlichkeit gewordenen Haltung, Störungen der Befindlichkeit durch die Einnahme von Medikamenten und Drogen zu bekämpfen". Es sei heute schon gesellschaftlicher Konsens, auf jede kleine Abweichung vom "Funktionieren nach Norm" mit teils massiven Medikamenten zu reagieren.

Klienten des Sozialpsychiatrischen Tageszentrums des Caritasverbandes Haßberge seien in der Regel chronifizierte psychisch kranke Menschen, die meist über Jahre oder Jahrzehnte hinweg Psychopharmaka einnehmen (müssen), um am gesellschaftlichen Leben angemessen teilnehmen zu können, erklärt sie. Die Lebensqualität dieser psychisch kranken Menschen werde in hohem Maße gestärkt durch die medizinische (fach)ärztliche Behandlung, wie die fachlich fundierte psychosoziale Betreuung der Caritas-Einrichtung.

So gebe es regelmäßig Visiten durch Fachärzte der Institutsambulanz des Bezirksklinikums Werneck im Tageszentrum. Die Hilfe umfasse auch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Haus- und Facharztpraxen. Hierbei würden die medizinischen wie die psychosozialen Faktoren berücksichtigt. Deshalb könne insgesamt von einer positiven Prognose für die betroffenen Personen ausgegangen werden. Dies belegen laut Hofmann-Betz die überaus rückläufigen Zahlen der stationären Krankenhausaufenthalte.

Dazu gehört die umfassende Information und Aufklärung der Klienten über Wirkweise, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Substanzen wie Nikotin und Alkohol. Selbstverständlich seien viele der erkrankten Menschen inzwischen "Experten in eigener Sache", dennoch habe sich im Laufe der Jahre die Pharmakologie kolossal weiterentwickelt und bringe ständig neue Forschungsergebnisse. Das bedeute für die Patienten geringere organische Belastung, weniger Nebenwirkungen und eine Absenkung der Suchtgefahr.

In der Einrichtung erfolgen wöchentliche Veranstaltungen zur Psychoedukation. Dabei geht es ebenso um Medikamente ebenso wie um die Lebenssituation der Betroffenen. Und: Die meisten der Klienten, die teilweise zehn und mehr stationäre Klinikaufenthalte in der Psychiatrie hinter sich haben, bleiben hier jetzt über Jahre stabil. Durch die Hilfe der Mitarbeiter im Tageszentrum meistern sie nun belastende und extreme Situationen. Informationen gibt es unter Rufnummer 09521/69170, oder über E-Mail: bhofmannbetz@caritas-hassberge.de.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren