Maroldsweisach
Himmlische Aussichten

Am Ende wird Gott auch uns Recht verschaffen

E in Mann steht fassungslos vor den Trümmern seines Hauses. Ein Erdrutsch hat es weggefegt. Und nicht nur seines. Eine ganze Siedlung ist buchstäblich von d...
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Stefan Köttig
Stefan Köttig
E in Mann steht fassungslos vor den Trümmern seines Hauses. Ein Erdrutsch hat es weggefegt. Und nicht nur seines. Eine ganze Siedlung ist buchstäblich von der Erdoberfläche verschwunden. Etliche Menschen liegen begraben unter Schutt und Steinen. Mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung auf Rettung. Und das alles nur, weil gepfuscht wurde. Ein Häuserblock wurde an einem Ort hochgezogen, der dafür ungeeignet war. Das wurde ermöglicht, weil zuvor an einem anderen Ort zu einer anderen Stunde ein Geldumschlag diskret über den Tisch geschoben wurde. Jetzt ziehen die Verantwortlichen den Kopf geschickt aus der Schlinge. Sie schieben die Schuld auf andere. "Das ist ungerecht", denkt sich der Mann, der seine Familie verloren hat. "Gibt es niemand, der für Gerechtigkeit sorgt?"
Vielleicht spricht ihm der Beter des 43. Psalms aus der Seele. "Gott, schaffe mir Recht ... und errette mich von den falschen und bösen Leuten!", betet er. Von den Menschen erwartet er keine Gerechtigkeit mehr. Manchmal scheint es so zu sein, dass es bis heute eine unheilige Allianz solcher "bösen und falschen" Leute gibt, die an den Hebeln der Macht sitzen und sie nach Lust und Laune zu ihren Gunsten bedienen.
Der Beter des Psalms wendet sich in seiner Ohnmacht an Gott. Sein drängender Ruf nach Gerechtigkeit ist im lateinischen Namen des kommenden Sonntags enthalten: "Judika" heißt er. Das bedeutet "schaffe (mir) Recht" und bezieht sich auf den eben genannten Psalm.
Dieser Sonntag erlaubt uns die Klage, erlaubt uns den Hilferuf, gerade wenn wir uns ausgenutzt, ausgeliefert, übergangen oder über den Tisch gezogen fühlen. Ich vertraue darauf, dass Gott längst auf den Hilferuf reagiert hat. Jesus Christus ist seine Antwort. Die Mächtigen haben sich lustig gemacht über ihn, sie haben sich über ihn geärgert. Zugleich haben sie ihn gefürchtet. Deshalb wurde er verraten, verhaftet und schließlich nach einem fragwürdigen Prozess ans Kreuz geschlagen.
Wenn wir seinem Beispiel folgen, scheint es so, als ob wir ebenfalls auf der Verliererseite stehen. Wir glauben aber, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Er hat sich damit auf seine Seite gestellt und auf die Seite der Schwachen.


Es braucht Vertrauen

Am Ende wird sich das Leben gegen den Tod, das Recht gegen das Unrecht, die Liebe gegen den Hass durchsetzen. Am Ende wird Gott auch uns Recht verschaffen. Es braucht eine große Portion Gottvertrauen, im Leid daran festzuhalten.
Der Psalmbeter hat sie aufgebracht. Deshalb konnte er sich sagen lassen: "Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichtes Hilfe und mein Gott ist."

(Stefan Köttig ist evangelischer Pfarrer in Altenstein.)
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