Bamberg

Am Ende Freispruch

Ein Bamberger stand wegen sexueller Belästigung einer Jugendlichen vor Gericht. Das Opfer verstrickte sich in Widersprüche.
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Soll man aus taktischen Gründen etwas gestehen, um eine mildere Strafe zu bekommen, obwohl man sich für unschuldig hält? Oder es auf die
Beweisaufnahme ankommen lassen, auf die Gefahr hin, danach einer deutlich härteren Bestrafung ausgesetzt zu sein? Vor dem Jugendschutzgericht des Amtsgerichtes Bamberg wählte ein 49-jähriger Bamberger die zweite Möglichkeit - und wurde freigesprochen.
Dabei hatte es gar nicht gut für den Arbeitslosen ausgesehen. Ein 15-jähriges Mädchen hatte den Familienvater schwer belastet. Er hätte sie im Juni 2017 nach der Schule in seinen Keller gelockt und dort sexuell belästigt. Von seinen Händen an ihren Brüsten, dem vergeblichen Versuch des BH-Öffnens und einigen Küssen war die Rede. Dabei habe er die körperlich Unterlegene festgehalten und gegen eine Wand gedrückt. Ein Zungenkuss sei indes nicht durchgedrungen, weil das Mädchen den Mund nicht öffnete und sich wegdrehen konnte. Danach hätte der Angeklagte aufgehört.
Jugendrichter Fahr redete dem Angeklagten zu Prozessbeginn ins Gewissen: Wenn er die Tat zugebe und dem Mädchen die Verletzungen und Demütigungen einer Aussage erspare, dann könne man sich eine niedrigere Strafe vorstellen. Wenn es an der Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage des Opfers hingegen keine Zweifel gäbe, drohe eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr, die wohl auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, ergänzte Staatsanwalt André Libischer. Das liege auch an den 16 Vorstrafen des Beschuldigten.


Geschenke, aber nicht mehr

Der Angeklagte allerdings beteuerte weiterhin seine Unschuld. Er habe dem Mädchen Geschenke gemacht, aber nur weil die Jugendliche ihm leidgetan hätte. Zu Hause sei sie geschlagen worden und hätte sich bei ihm und seiner Ehefrau immer wieder ausgeweint. Deshalb hätten er und seine Ehefrau ihr immer wieder kleinere Summen Geldes zugesteckt, weil sie daheim angeblich leer ausgegangen war. Heute glaube er, nur ausgenutzt worden zu sein.
Hinter den Beschuldigungen vermutete er die Eltern des Mädchens. Die hätten auch behauptet, er vergehe sich an seinem eigenen Kind, arbeite schwarz und handle mit Drogen. So etwas täte er nie im Leben, auch und gerade weil er vom eigenen Vater geschlagen und die Schwester missbraucht worden sei.
In der nichtöffentlichen Befragung der minderjährigen Zeugin, die sich über mehr als eine Stunde hinzog, verstrickte diese sich in gleich mehrere Widersprüche. Hatte der Bekannte sie durch eine Whatsapp-Nachricht oder beim zufälligen Vorübergehen in sein Haus eingeladen? Hatte er sie über oder unter dem BH berührt? Gab es einen oder eine ganze Reihe an Zungenküssen? Da sich keine weiteren Zeugen gemeldet hatten und auch keine objektiven Beweismittel zuungunsten des Angeklagten aufgetaucht waren, stand damit Aussage gegen Aussage.
Am Ende des Nachmittags war nicht einmal Staatsanwalt Libischer mehr überzeugt, dass man dem Angeklagten die Tat würde nachweisen können. Vor allem nicht, dass der Angeklagte gegen den Willen des Mädchen gehandelt habe. Er plädierte, ein seltenes Ereignis im Gerichtssaal, auf Freispruch.
Die Pflichtverteidigerin Mareen Basler (Bamberg) schloss sich dem an. Dem konnte sich Jugendrichter Fahr nicht entziehen.


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