Bamberg

Alter Mann ebnet synodalen Weg

Der frühere Bamberger Generalvikar Alois Albrecht begeisterte am Freitagabend Hunderte mit der Premiere seines Kirchenstücks "Wir haben einen Traum" in der Pfarrkirche St. Martin.
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Martin Neubauer (links) hatte mit Nadine Panjas, Sebastian Burkard und Rebekka Görtler den Kirchentraum von Alois Albrecht (rechts) meisterhaft in Szene gesetzt. Foto: M. Krüger-Hundrup
Martin Neubauer (links) hatte mit Nadine Panjas, Sebastian Burkard und Rebekka Görtler den Kirchentraum von Alois Albrecht (rechts) meisterhaft in Szene gesetzt. Foto: M. Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Die gespannte Ruhe während der Aufführung entlud sich in lang anhaltendem Beifall. In Standing Ovations für einen alten, weisen Mann, der den hunderten Premierengästen in der Pfarrkirche St. Martin durchaus harte Kost zugemutet hatte. Einmal mehr bewies Alois Albrecht, der 83-jährige ehemalige Generalvikar des Erzbistums Bamberg, dass kalendarisches Alter ein junges Herz nicht ausschließt.

"Wir haben einen Traum" titelt sein literarisch-musikalisches Kirchenstück, erfüllt von Visionen, Wünschen, Hoffnungen für eine Kirche der Zukunft, die es in sich haben.

In wahrer Meisterschaft hatte Martin Neubauer, Prinzipal des Bamberger Brentano-Theaters, das Werk von Alois Albrecht in Szene gesetzt. Gemeinsam mit seinen passionierten Kollegen Sebastian Burkard - er war beim Weltjugendtag in Panama dabei - und Nadine Panjas brachte Neubauer das Stück in überzeugender Weise auf die Kirchenbühne.

15-Jährige engagiert sich

Ihm war es zudem gelungen, eine Schülerin aus dem Bamberger Maria-Ward-Gymnasium einzubinden: Die fünfzehnjährige Rebekka Görtler las einen fiktiven Brief an Papst Franziskus vor: "Es ist wichtig, dass Kirche heute neu auflebt!" sagte sie nach der Aufführung.

Die Ebermannstadter NGL-Band "Kailas" gestaltete den Abend mitreißend musikalisch. Die Besucher sangen die Lieder mit, die zum Teil ebenfalls aus der Feder von Alois Albrecht stammten

Bekanntlich wollen sich ab Advent 2019 die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter auf einen "synodalen Weg" machen. Vier Themenschwerpunkte stehen an: "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung", "priesterliche Lebensform", "Sexualmoral" und "Frauen in Diensten und Ämtern". Und dies vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals.

Alois Albrecht greift in seinem Kirchenstück all diese Themen auf. Verknüpft sie mit Aussagen von Papst Franziskus beim Weltjugendtag 2019 in Panama und weckt damit Hoffnung wider alle Hoffnung.

Vor allem nimmt der "Poet des Dombergs" jeden Einzelnen in die Pflicht, authentisch Christ zu sein. Denn "Gott braucht mich und dich", um Jesu Liebesgebot in die Tat umzusetzen. Um inmitten aller Strukturprozesse auch im Erzbistum Bamberg das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren: Nämlich "Mensch zu werden wie du, Jesus, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Menschen".

Träume von einer Kirche

Alois Albrecht träumt in seinem Opus von einer Kirche, "in der Frauen und Männer Seelsorge leisten und leiten dürfen, in der Verheiratete und Unverheiratete das Hirtenamt ausüben dürfen - nicht nur Ehelose". Albrecht träumt von einer Kirche, "die samaritanisch den unter die Räuber Gefallenen dient, nicht an Not und Leid vorübergeht". Oder er träumt von einer Kirche, "deren Reichtum glaubende, hoffende und liebende Menschen sind, nicht goldene Kelche und Konten".

Von einer Kirche, die zuallererst Gott und sein Reich verkündet, nicht sich selber. Und die erfrischend neu aus dem Evangelium schöpft, nicht zuerst aus dem Katechismus und Kirchenrecht.

Dieses visionäre Kirchenstück richtet sich an alle Generationen, besonders aber an die Jugend. So lag es auf der Hand, dass der Sachausschuss Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei St. Martin als Veranstalter den BDKJ im Erzbistum Bamberg (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und das Erzbischöfliche Jugendamt für die Premiere mit ins Boot holte. Das Projektreferat des Erzbistums Bamberg leistete logistische Unterstützung, der Pfarrer von St. Martin, Matthias Bambynek, ideelle.

Er begrüßte die Premierengäste als "Streiter für eine lebendige Kirche, in der der Geist Jesu erkennbar ist". Pfarrer Bambynek wünschte all denen "ein weites Herz", die jetzt noch "eng sind". Und einen "inspirierenden Abend", an dem Visionen und Träume entwickelt werden.

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