Bamberg

Alte Handys sind Gold wert

In vier Bamberger Kirchen können ausgediente Mobiltelefone abgegeben werden. Eine Spezialfirma wird sie recyceln. Der Erlös kommt Hilfsprojekten des katholischen Missionswerks "missio" zugute.
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Handys recyceln und Gutes tun: Dazu ruft die Sammelaktion in Bamberger Kirchen auf.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Handys recyceln und Gutes tun: Dazu ruft die Sammelaktion in Bamberger Kirchen auf. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Wir machen uns Gedanken über veganes Essen, faire Rosen und Ökostrom, aber nicht oder kaum über unsere Handys. Die wechseln wir alle ein, zwei Jahre, wenn es neue Modelle gibt. Über 124 Millionen ausgediente Handys schlummern in deutschen Schubladen. Dabei sind sie im Wortsinne Gold wert. "Es ist höchste Zeit, diesen Schatz zu heben", sagte sich der Sachausschuss "Eine Welt" des Pfarrgemeinderates von St. Martin/St. Josef im Hain. Und startete eine Sammelaktion: In den Kirchen St. Martin, St. Josef im Hain, Obere Pfarre und St. Urban stehen nun deutlich sichtbar Sammelboxen, in die in den nächsten Wochen alte Handys abgegeben werden können. Vorher alle Sim- und Speicherkarten entfernen!

In jedem Smartphone sind bis zu 30 verschiedene Metalle verarbeitet, etwa die Hälfte stammt aus den Gold-, Coltan-, Zinnerz- und Wolfram-Minen des Ost-Kongo, speziell aus der Kivu-Region an der Grenze zu Ruanda, einer der rohstoffreichsten Gegenden der Welt. Dort halten die "Blutmineralien" den seit Jahren schwelenden Milizenkrieg am Leben. 40 bis 50 verschiedene Rebellengruppen terrorisieren das Land: Banden ehemaliger Kindersoldaten, kongolesische Milizen, Kämpfer aus Ruanda, die nach dem Völkermord 1994 dorthin flohen.

Sie kontrollieren einen Großteil der rund 900 Minen und finanzieren so ihre Waffenkäufe. Sie versklaven die Menschen aus den umliegenden Dörfern und zwingen sie, die Erze mit einfachen Schaufeln oder bloßen Händen aus dem Boden zu klauben. Die Mineralien liefern sie an Zwischenhändler, die diese wiederum an weitere Zwischenhändler verkaufen. Über Mombasa in Kenia werden sie zur Verarbeitung nach Asien exportiert und von dort weiter an die großen Handyhersteller der Welt verkauft. Je weiter sich die Kette vom Kongo entfernt, desto höher der Profit.

Um alles andere als Profit geht es dem Sachausschuss "Eine Welt" bei dieser gestarteten Sammelaktion: "Man denkt, der Konflikt im Kongo ist weit weg. Aber jeder, der ein Smartphone besitzt, hat damit zu tun." So sei es folglich eine sinnvolle Möglichkeit, "aufzubegehren und Gutes zu tun", indem das alte Handy wiederverwertet statt verschrottet werde.

Diese Chance bietet das internationale katholische Hilfswerk "Missio" mit seinem Kooperationspartner "Mobile-Box". Die Handys aus der Bamberger Sammelaktion werden dorthin geschickt und zu 80 bis 90 Prozent recycelt. Die restlichen 10 bis 20 Prozent werden innerhalb von Europa wiederverwendet, nachdem die Spezialfirma "Mobile-Box" diese geprüft und die persönlichen Daten gelöscht hat. Beim stofflichen Recycling werden die Handys physisch zerstört und damit alle Daten vernichtet, die wertvollen Rohstoffe verwertet.

Gewinnspiel lockt

Aus den Erlösen erhält "missio" für jedes wiederaufbereitete oder recycelte Handy einen beträchtlichen Anteil. Das Geld fließt in die Projektarbeit des Hilfswerkes: zum Beispiel ein Trauma-Zentrum für Bürgerkriegsflüchtlinge im Kongo. Obendrein wird die Umwelt durch "Second-Handys" und Rohstoffrecycling vor weiterer Ausbeutung geschützt.

Die Handys können natürlich anonym in die Sammelboxen geworfen werden. Es gibt aber auch die Chance, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Neben den Boxen liegen beschriftete Aktionstüten, auf die der Name und die Adresse des Spenders eingetragen werden können. Bei der Verlosung (29. April 2019) vergibt "missio" zehn ausgewählte Preise, darunter ein fair produziertes Smartphone (www.missio-handyaktion.de).

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