Altbacken geht anders

Der Heimatverein Dechsendorf besteht seit 50 Jahren. Wer glaubt, dass nur die Vergangenheit eine Rolle spielt, wird überrascht, wie modern der Verein ist.
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Der Verein hat 30 Jugendliche und Kinder, die alle aktiv sind.  Fotos: Peter Goll
Der Verein hat 30 Jugendliche und Kinder, die alle aktiv sind. Fotos: Peter Goll
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Michael Busch

"Heimatverein", für den einen oder anderen klingt das ein wenig altbacken. Alte Lieder, Trachten und Tanzen, das sind so die ersten Dinge, an die man denkt, wenn man "Heimatverein" hört. Doch das solch ein Verein sehr modern ist, zeigt sich zum Beispiel beim Dechsendorfer Heimatverein. Nicht nur, dass er in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, es überrascht vor allem die Ausgewogenheit zwischen Jung und Alt.
Aber erst einmal ganz von vorne: Der Verein selber wurde im April 1967 ursprünglich als Verkehrsverein Großdechsendorf zur Förderung des aufkommenden Fremdenverkehrs im Ort gegründet. Der weithin bekannte Dechsendorfer Weiher als attraktiver Badesee hatte bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Naherholungssuchenden aus dem fränkischen Städtegroßraum an den Wochenenden angezogen. Nach Fertigstellung der Autobahn kamen in den 60er Jahren auch Urlaubsgäste hinzu, deren Quartiersuche und Betreuung organisiert werden mussten.


Alles für die Touristen

Als mit der Eingemeindung Dechsendorfs in die Stadt Erlangen 1972, nach und nach diese Aufgabenstellung vom städtischen Fremdenverkehrsbüro übernommen wurde, wandte sich der Verein ab 1984 dem Aufbau einer Trachtengruppe und der Pflege heimatlichen Brauchtums zu. Die Vorsitzende des Vereins Carmen Henniger erläutert, warum die Mitglieder zum Beispiel gerne Tracht tragen: "Durch das Tragen alter Trachten zu besonderen Anlässen, aber auch durch die Ausübung überlieferter Sitten und Gebräuche, werden Seebachsgründer Traditionen lebendig gehalten." Dies bescherte über die Jahre einen starken Mitgliederzuwachs, insbesondere auch durch die Kinder- und Jugendgruppe.
Und dann kommen die überraschenden Zahlen: "Im Jubeljahr hat der Verein 270 Mitglieder, davon 30 aktive Kinder und Jugendliche", sagt Henniger. Nicht gezählt ist dann die große Gruppe der 18 bis 50-Jährigen. Ein Grund, warum sich der Verein auch nach 50 Jahren sehr lebendig zeigt. Aktivitäten, die nicht nur vereinsintern sind, sondern in der ganzen Region wahrgenommen werden. "Wir richten alljährlich am 1. Augustwochenende, das beliebte Hohlgass- und Patronatsfest aus", erklärt Henniger stolz, "das Gäste aus nah und fern anzieht, um vor allem auch den leckeren Zwiebelkuchen aus dem Steinbackofen zu genießen."
Bei den Veranstaltungen der Kirche und anderen Vereinen ist man ebenfalls aktiv. Es werden die Fronleichnamsprozession und die Prozession zum Patronatsfest in Tracht begleitet. "Vor Ostern richten wir die über 700 echten Eier für den Brunnen ein", erklärt die Vereinsvorsitzende. Die Eier werden aussortiert, teilweise neu bemalt und aufgefädelt. Der Osterbrunnen wird mit Fichtengrün gebunden, geschmückt und traditionell am Ostersamstag im Kirchhof auf den Brunnen gestellt. Gleiches gilt für die Erntekrone, die mit Erntegaben bestückt und feierlich in Tracht zur Kirche gebracht wird.


Fränkische Abende

Doch auch im Verein selber wird zusammengehalten und gefeiert. Das fängt mit der Adventsfeier an und hört mit der Tradition einer "Rockenstubm" noch lange nicht auf. Zur Belohnung für die viele Arbeit im Jahr spendiert der Verein an diesem besonderem Tag eine Vesper. Mit vielen lustigen Mundartbeiträgen, Gesang und Sketchen gestalten die Mitglieder spontan den immer sehr vergnüglichen Abend.
Henniger berichtet, was sonst noch so ansteht: "Der Verein ist im Trachtenverband Mittelfranken organisiert, beteiligt sich somit auch außerhalb des näheren Umfeldes an Festzügen, wie jedes Jahr am großen Erntedank- Festzug in Fürth, nimmt regelmäßig an diversen Schulungen des Verbandes teil und fördert auch die Trachtenjugend in Franken. Es werden gerne die Tanzschulungen besucht. Damit lernen unsere Trachtenkinder auch Kinder aus anderen Vereinen kennen."
Mit der Massenware für den Berg oder das Oktoberfest haben die Vereinstrachten aber recht wenig zu tun. "Wir möchten unsere Tracht lebendig halten und zeigen, dass man in Bayern nicht nur Dirndl trägt. Wir sind stolz auf unsere Seebachsgründer Tracht. Unsere Kinder erhalten gratis eine Leihtracht aus dem reichhaltigen Fundus, auch für die Erwachsenen gibt es viele Trachtenteile auf Lager. Bei Bedarf wird dazu gekauft oder selbstgenäht." Carmen Henniger möchte nicht nur Lust auf das Jubiläum machen, auch auf den Verein an sich.
So werden immer mal wieder werden Kurse angeboten, auch für Nichtmitglieder, um zum Beispiel das Perlenstricken zu lernen. Oder es finden Mundartlesungen und öffentliche fränkische Singstunden in dem Vereinsheim statt. Weitere Infos und Bilder findet man auf www.hvv-dechsendorf.de
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