Kronach

Als nicht nur die Preise kletterten

Früher wurden die Literpreise manuell alle vier Wochen umgestellt, heute ändern sie sich mehrmals täglich.
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cindy dötschel 1,47 Euro für einen Liter Super. Die Zahl leuchtet in weißen Ziffern am Preismast der Tankstelle. Das Auto fährt bereits auf Reserve. Einen weiteren Tag lässt sich das Tanken nicht mehr hinauszögern. Also wird das Auto bis zur Hälfte gefüllt, vielleicht sinken die Spritpreise ja morgen wieder.

Mit der Leiter am Preismast

Eine Situation, die sicher nahezu jeder Autofahrer so oder ähnlich schon einmal erlebt hat. Verständnis für die scheinbar willkürlich schwankenden Preise hat niemand. Doch wer entscheidet, wie viel der Sprit kostet? Und warum ist Diesel immer günstiger als Benzin?

"Die Preise diktieren die Mineralölgesellschaften, wie Shell und BP", weiß Tankstellenbetreiber Stefan Holzmann. Alles laufe vollautomatisch ab. "Als Kind musste ich alle paar Wochen eine Leiter hochklettern, um die Zahlen mit Drehschraube zu auszuwechseln." Damals, als die Preise sich nur alle vier Wochen geändert haben, sei dies kein Thema gewesen. In den 80ern habe es dann eine Änderung pro Woche gegeben, in den 90ern variierte der Spritpreis bereits von Tag zu Tag. "Seit 2000 oder 2005 geht der Spritpreis täglich mehrmals rauf und runter."

Auswirkungen auf den Umsatz

Während Holzmann als Kind eine Leiter benötigt hat, um die Preise anzupassen, kam einige Jahre später eine österreichische Elektronik zum Einsatz. "Wir hatten eine Aluminiumstange mit einer Art Plastikzange, die man unter die Zahl schieben konnte, um diese dann umzuklappen", erinnert sich der 47-Jährige. Heute funktioniere alles mit LED-Lampen, was wesentlich schneller gehe und auch deutlich weniger Strom verbrauche. "Früher war der ganze Kasten mit Neonröhren beleuchtet."

Ob der Literpreis gerade hoch oder niedrig ist, merkt Holzmann am Umsatz: "Zwischen 12 und 13 und zwischen 17 und 18 Uhr sind die Preise am niedrigsten und man kommt kaum von der Kasse weg. Dazwischen gibt es Zeiten, wo sich überhaupt nichts tut." Der teuerste Preis, an den sich Holzmann erinnern kann lag bei 1,78 Euro für einen Liter Super Plus. Seitdem seien mittlerweile zwei oder drei Jahre vergangen. "Extreme Preisschwankungen gibt es erst seit drei oder vier Jahren", berichtet Holzmann. 25 Cent betrug die größte Preisschwankung, die er miterlebt hat.

Anträge zur Preisänderung

Dafür, dass der Diesel immer günstiger ist als das Benzin, hat der Marktrodacher eine Erklärung: "Diesel war ursprünglich nur als Treibstoff für LKWs angedacht, die in Deutschland und Europa wichtig für den Transport sind." In den 80ern sei die Überzeugung, der Dieselmotor sei besonders schadstoffarm, weit verbreitet gewesen. Erst in den 90ern sei dann bemerkt worden, dass der Diesel schlecht für die Umwelt ist.

Welche Zahl die Preissäule für den Diesel und das Benzin anzeigt, ist Rudolf Engelhardt, der in Mitwitz eine Tankstelle betreibt, gleichgültig. "Wir haben mit den Preisen nichts mehr zu tun", berichtet Engelhardt. Er wisse teilweise nicht einmal, wie viel das Benzin gerade kostet. "Die Preise werden rund 20 Mal pro Tag umgestellt, alles läuft vollautomatisch über einen Computer." Die Änderungen werden dann in die Kasse, die Zapfsäulen und den Preismast eingespielt. "Wenn mich jemand anruft und nach den Preisen fragt, schau ich nach, ansonsten interessiert es mich eigentlich nicht."

Früher musste Engelhardt für jede Preisänderung einen Antrag stellen. "Man hat ständig im Computer geschaut, wie viel der Sprit bei den anderen Tankstellen kostet und verglichen", erinnert er sich.

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