Weingarts

Als "Maigisch" rosa wurde

Zum 30. Bühnenjubiläum der Fun-Metall-Band J.B.O. wird das Sportgelände der DJK Weingarts wie schon vor 20 Jahren zum Hoheitsgebiet der Rosa-Armee-Fraktion, wie sich die Anhänger der Spaßmusiker aus Erlangen nennen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Statt der erwarteten 2000 Besucher kamen 1996 gleich 4000 zur DJK Weingarts, um J.B.O. live zu erleben. Repro: Leo Hühnlein
Statt der erwarteten 2000 Besucher kamen 1996 gleich 4000 zur DJK Weingarts, um J.B.O. live zu erleben. Repro: Leo Hühnlein
+2 Bilder

20 Jahre ist es her, dass die Musiker von J.B.O. auf dem Sportgelände der DJK Weingarts einen Heißluftballon bestiegen und der Szenerie nach einem unvergesslichen Konzertabend entschwebten. Ähnlich legendär will die Fun-Metal-Band am kommenden Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen feiern - erneut auf dem "Maigischer" Fußballplatz.

Der komplette 600-Seelen-Ort wird an zwei Festivaltagen auf den Beinen sein - wie immer, wenn alle Hände benötigt werden. In "Maigisch" gilt J.B.O. nicht als irgendeine Band: Das Dorf ist in gewisser Weise die Wiege der Musiker die unter dem Motto "Ein Fest - 30 Jahre Blödsinn" nun zurückkehren.

Thomas Schmitt, Bassist in der Gründerformation von J.B.O. lebte seinerzeit in einer Wohngemeinschaft im Ort. "Der Schmitti kam manchmal im Sportheim vorbei und fragte: Kann ich a weng Strom haben zum Umbau vom Tournee-Bus? Und durch diesen Kontakt entstand später die Idee, mit seinen Bandkollegen ein Konzert am Gelände zu geben", berichtet Hans Schmitt, seinerzeit Vorsitzender der DJK Weingarts, wenn er von den Auftritten zwischen 1996 und 1999 erzählt.

Kaum kalkulierbar

"Für uns als kleinen Dorfverein war das natürlich ein Risiko. So etwas kannst du vorher gar nicht richtig kalkulieren. Aber meine Devise war und ist bis heute, dass man den Leuten etwas bieten muss, um Erfolg zu haben, und den anderen einen Schritt voraus sein muss." Es habe seinerzeit auch Skeptiker gegeben, da der Erfolg für ein Open-Air sehr stark vom Wetter abhängt. Deshalb wurde versucht, das finanzielle Risiko möglichst gering zu halten.

In weiser Voraussicht wurden mit den Lieferanten Nachschubmöglichkeiten vorab besprochen. Und das war gut so, denn das Wetter hielt, und der Zuspruch für J.B.O. war enorm. Die Band hatte inzwischen deutschlandweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen - und so strömten Anhänger aus dem ganzen Land nach "Maigisch".

Das sei eine ungeahnte Herausforderung gewesen, sagt Hans Schmitt schmunzelnd und schiebt seinen Sammelordner über den Tisch, in dem er Fotos, Zeitungsberichte und Lieferscheine von damals aufbewahrt. "Wenn statt der erwarteten 2000 Leute auf einmal doppelt so viele kommen, dann hast du ein Problem. Die 1500 Bratwürste und 500 Nackensteaks reichten hinten und vorne nicht. Dorfmetzger Harrer hat fast die ganze Nacht hindurch frische Würste machen müssen und auch Bäcker Kist schmiss seinen Ofen nochmals an."

Verordneter Leinenzwang

Durch den immensen Erfolg wurde das Event in den Folgejahren wiederholt und vergrößert, eine Erlanger Brauerei kreierte eigens ein "J.B.O.-Bier". Das zehnte Gründungsjubiläum der Band 1999 setzte noch einen drauf, war aber vor exakt 20 Jahren das letzte "Maigischer" Open Air. "Am Ende stieg die Band in den Korb eines Fesselballons, Scheinwerfer leuchteten das Szenario in luftiger Höhe von unten aus. Die Band spielte als Zugabe ihren Song ,Ein guter Tag zum Sterben', musste aber angeleint bleiben. Das hatte die Versicherung vorgeschrieben", erinnert sich Hans Schmitt.

Katja Albrecht, die Tochter von Hans Schmitt, die mit ihrer Schwester Sandra inzwischen die väterliche Versicherungsagentur übernommen hat und von dort aus mit Hilfestellung von Papa und anderen Mitstreitern die Organisation des Mega-Events betreibt, hat eine besondere Beziehung zu J.B.O.: "Nachdem ich die Bandmitglieder durch die Auftritte bei uns kennenlernte und die Musik mochte, bin ich als 18-Jährige mit ihnen für fast fünf Jahre auf Tour gegangen."

Vor den Konzertsälen innerhalb Deutschlands - und einmal in Österreich - verkaufte sie am Mechandising-Stand rosafarbene T-Shirts und CDs der Band, organisierte den Fanclub: "Es waren schöne Jahre, die ich nicht missen möchte. Die Zeit bei J.B.O. war aber weit weniger wild, wie sich das manche vielleicht vorstellen."

Deutlich mehr Vorleistung

Die Annahme, das Festival sei durch den technischen Fortschritt und die Wege über die sozialen Medien heutzutage leichter zu organisieren als vor 20 Jahren, verneint Katja Albrecht: "Die Auflagen der Behörden sind wesentlich strenger geworden, man muss für Sicherheit und Verkaufsstände personell und finanziell deutlich höher in Vorleistung gehen. Bei einem Event dieser Größe braucht man das ganze Dorf. Und vor allem muss das Wetter mitspielen."

Die Verbundenheit zwischen Katja und der Band hat die Zeit unbeschadet überdauert, wie die herzliche Begrüßung mit Hannes "G. Laber" Holzmann beim Treffen im DJK-Heim zeigt. Holzmann ist neben Veit Kutzer (alias "Vito C.") einer der beiden Frontmänner, die 1989 aus der als Spaßprojekt unter dem Namen "James Blast Orchester" gegründeten Combo Ernst machten und bis heute ihre Brötchen als Profi-Musiker verdienen. Bis 2000 waren Thomas "Schmitti" Schmitt und Holmer "a Bier" Graap dabei, die danach von Ralph Bach und Wolfram Kellner abgelöst wurden.

Unkompliziert und offen klingt Holzmanns Bekenntnis: "Ich brauch ned viel zam Leb'm, a Brodwörschd-Brödla und a Bier." Und schnell wird klar, weshalb die Band und ihre Musik bei vielen jungen und jung gebliebenen Menschen gleichermaßen gut ankommt. Wie in den Liedtexten und Sprüchen auf der Bühne schwingt viel Humor mit. Einfach nur ehrlich, es gibt auch bei familiären Fragen kein Tabu. Als Katja Richtung Hannes offenbart, dass ihr Söhnchen Basti just am Freitag den dritten Geburtstag begeht, verspricht der Pink-Metaller "a Extra-Ständerla" für den Buben.

Geburtshilfe von "Insert Coin"

Und dann wartet der in Forchheim geborene Holzmann noch mit einer Geschichte auf, die bisher nur Insider kannten: Während seiner Schulzeit, die er an einem Forchheimer Gymnasium verbrachte, suchte er musikalische Orientierung und fuhr öfters abendlich mit dem Fahrrad vom Wohnort Poxdorf in die Stadt: "Vor allem von ,Insert Coin' habe ich keinen Auftritt im Jugendzentrum ausgelassen. Deren Frontmann Charlie Pichl inspirierte mich schon deshalb, weil er zwischen den Songs das Publikum immer wieder mit kessen Sprüchen aufheiterte. Auch die restliche Band nahm es nicht so ernst, sie tauschten manchmal untereinander Bass und Leadgitarre aus, was fürchterlich klang. Irgendwann sagte ich mir: So etwas mache ich auch. Und dann ist J.B.O. entstanden", erinnert sich Holzmann an die Anfänge der Band, die pünktlich zu den Konzerten in Weingarts ihr neues Album (Wer lässt die Sau raus?!) veröffentlicht.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren