Bad Staffelstein
badstaffelstein.inFranken.de  Der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung feierte 70-jähriges Bestehen.

Als Landwirte zur Schule gingen

"Nicht nur die putzsüchtige, sondern auch die ungeschulte Bäuerin kann mit der Schürze mehr aus dem Hof hinaustragen, als der Bauer mit dem Wagen hereinfährt. Von der Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit d...
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Der Landfrauenchor mir Dirigentin Eva Maria Schnapp (Zweite von links) Fotos: Monika Schütz
Der Landfrauenchor mir Dirigentin Eva Maria Schnapp (Zweite von links) Fotos: Monika Schütz
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"Nicht nur die putzsüchtige, sondern auch die ungeschulte Bäuerin kann mit der Schürze mehr aus dem Hof hinaustragen, als der Bauer mit dem Wagen hereinfährt. Von der Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit der Bauersfrau hängt das Wohl und Wehe des Hofes ab." Starke Worte, die Hubert Kolling in seiner Chronik über den VLF aus einer Schrift der 1950er Jahre zitierte.

Am Sonntag feierte der VLF, der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung, sein 70-jähriges Bestehen. Weit mehr als 100 ehemalige Schüler, Gäste und Verbandsmitglieder waren in die Peter-Moll-Halle gekommen, um einen interessanten Streifzug durch die Geschichte der Staffelsteiner Landwirtschaftsschule mitzuerleben. Das Miteinander steht noch heute im Vordergrund. So waren dann auch neben den Bürgermeistern von Bad Staffelstein (Jürgen Kohmann), Altenkunstadt (Robert Hümmer) und Lichtenfels (Sabine Rießner), die Geschäftsführer und Vertreter des AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), des Maschinenrings und des Bauernverbands bei der Feierstunde anwesend. VLF-Vorsitzender Rudi Steuer begrüßte zudem den Landfrauenchor mit Dirigentin Eva Maria Schnapp und auch die "Nothelfer Blasmusik", die munter aufspielte.

Landesverband 1911 gegründet

Man erkannte frühzeitig die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses, um die Landwirte bei Veranstaltungen mit den wissenschaftlich fundierten Fortschritten in der Praxis vertraut zu machen, das Band der Freundschaft aufrechtzuerhalten und die Zusammengehörigkeit von Schule, Lehrern und Schülern zu festigen. Der Gedanke, die in ganz Bayern bestehenden Vereine zu einem Landesverband zusammenzuschließen, wurde am 1. Oktober 1911 mit der Gründung eines Landesverbandes ehemaliger bayerischer Landwirtschaftsschüler in München verwirklicht.

Der kontinuierliche Aufbau des Verbandes wurde in den Kriegsjahren 1914-1918 sowie während des Dritten Reiches erheblich gestört. 1945 wurde sogar die Auflösung der Vereine verfügt. Erst im Jahr 1948 entstanden die Vereine neu. 59 Landkreise in Bayern meldeten ihre Absicht an, neue Landwirtschaftsschulen zu errichten, nur 21 davon wurden letztendlich genehmigt. Staffelstein war mit dabei.

Der Landkreis Staffelstein umfasste zu dieser Zeit 58 Gemeinden mit 2784 Betrieben (davon 1935 über fünf Hektar Betriebsgröße) und der Landkreis Lichtenfels 57 Gemeinden mit 3353 Betrieben (davon 1741 über fünf Hektar). Mangels geeigneter Räumlichkeiten fand der Unterricht der ersten Schüler in den Nebenräumen der Gasthäuser "Grüner Baum", Brütting und im "Letzten Heller" statt. Der Unterrichtsbetrieb startete nämlich schon am 3. November 1947 für die Abteilung Landwirtschaft und am 25. Oktober 1948 für die Abteilung Hauswirtschaft. Erst im Mai 1949 wurde der Bau der Schule in der Herrgottsmühle begonnen. Anton Ostler war hierbei eine unermüdlicher, treibender Kämpfer, lobte Hubert Kolling. Schon im Folgejahr, am 31. Oktober 1950, konnte die "Landwirtschaftsschule Staffelstein" eingeweiht werden. Von den Gesamtbaukosten in Höhe von 369 100 DM waren 73 900 DM Spenden, 90 000 DM Europa-Hilfsmittel (Marshall-Plan), 93 200 DM Kreismittel und 112 000 DM Staatszuschuss. Der erste Unterricht in dieser Schule fand als Wintersemester 1950/51 statt, mit insgesamt 81 Schülern. Ein Erweiterungsbau mit Internat wurde wenige Jahre später errichtet.

Strukturwandel bemerkbar

Doch dann machte sich im Laufe der Zeit der technische Fortschritt und der Strukturwandel deutlich bemerkbar: Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe um mehr als ein Viertel, Absinken der Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Bevölkerung auf nur noch elf Prozent (im Vergleich: 1950 waren es 33 Prozent, Gebietsreform der Landkreise in Bayern 1972.

1973 musste das Schulgebäude schließen, noch bevor es sein "25-Jähriges" erleben konnte. Bereits 1971 erfolgte die Umbenennung des Verbandes in "Verband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen". Zuletzt hat sich der Verband 2005 in "Verband für landwirtschaftliche Fachbildung" umbenannt. Damit sollte den geänderten Rahmenbedingungen im Bereich der Bildung entsprochen werden. Der Landesverband umfasst aktuell über 120 000 Mitglieder. Nach Erinnerungen des Landwirtschaftsdirektors Harald Weber, der  Ehrenvorsitzenden Hildegard Angermüller , Georg Spieß und Andreas Weiß gaben die Geschäftsführer Arno Eisenacher und Christine Reininger einen Ausblick auf den VLF im Jahr 2019. ds

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