Laden...
Burggrub

Als Jubelschreie in Burggrub ertönten

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang. Mit einer Festveranstaltung in Neuhaus-Schierschnitz will man den Jahrestag feiern.
Artikel drucken Artikel einbetten
+1 Bild

Zwischen Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz fiel der Eiserne Vorhang am 24. November 1989 um 12.21 Uhr. In den Folgejahren entwickelten sich enge Verbindungen zwischen den beiden Orten. Der ehemalige grenzübergreifende Steinkohlenbergbau spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Grenz- und Friedenskapelle sowie Kreuzweg erinnern an das deutsch-deutsche Drama. Am Freitag, 22. November, wird die 30. Wiederkehr der spektakulären Grenzöffnung im Rahmen einer Festveranstaltung in Neuhaus-Schierschnitz gewürdigt.

Zum Auftakt findet um 18 Uhr ein Festgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche Neuhau-Schierschnitz mit Superintendent Thomas Rau statt. Gegen 19.30 Uhr erfolgt die Begrüßung im Kultursaal von Neuhaus-Schierschnitz durch die Bürgermeister Andreas Meusel (Neuhaus-Schierschnitz) und Rainer Detsch (Stockheim). Die Festansprache hält die ehemalige Landrätin des Landkreises Sonneberg, Christine Zitzmann.

2000 Menschen waren dabei

Rückblende: Helle Freude prägte an einem nebelverhangenen Tag das Geschehen am Freitag, 24. November 1989, an der Grenze zwischen Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz. Gut sechs Stunden nach der offiziellen Übergabe öffnete sich für etwa 2000 erwartungsfrohe Menschen auf beiden Seiten der verhasste Eiserne Vorhang. Zur historischen Stunde waren auch Bergknappen aus Stockheim mit Vorsitzendem Hans Ebert sowie der Trachtenverein Haig mit Vorsitzendem Manfred Däumer präsent. Und der Posaunenchor Burggrub übermittelte musikalische Grüße.

Oberstleutnant Reiner Krause von der Nationalen Volksarmee der DDR gab nach vielstimmigen Jubelschreien die Grenzübergangsstelle um 12.21 Uhr frei. Er wünschte, dass auch gemeinsames Handeln den Interessen der Menschen beider Staaten dienen möge. Stockheims Bürgermeister Albert Rubel gab, ebenso wie sein Amtskollege Karlheinz Gramß aus Neuhaus, seiner Freude über diesen Augenblick Ausdruck, in dem die Menschen beiderseits der Grenze wieder zueinander finden können.

Kapelle mit Signalwirkung

Zwischenzeitlich sind nun 30 Jahre nach dem Abriss der Grenzanlagen ins Land gezogen. Segensreich hat sich der Aufbau Ost in Neuhaus-Schierschnitz ausgewirkt. Vor allem konnten im Dreieck Neuhaus-Schierschnitz, Stockheim und Burggrub die traditionellen Bindungen neu belebt werden. Die am 6. September 1992 vom Kapellenbauverein Burggrub eingeweihte Friedenskapelle an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze hat Signalwirkung für Menschlichkeit und Miteinander, für Offenheit zu den anderen und letztendlich für religiöse Toleranz.

Die Erbauer wollten mit ihrer Initiative das Trennende zwischen Ost und West aufheben. 1992 wurde nicht nur die Kapelle eingeweiht, sondern erstmals auch ein Kreuzweg gegangen, der durch das bayerische und thüringische Grenzgebiet verläuft. Sieben Kreuze markieren diesen Weg und dokumentieren das "Kreuz, das die Menschen durch die Grenze zu tragen hatten". Zwei Kreuze befinden sich an den Kirchen von Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz und an vier anderen markanten Orten, die die Schrecken der Grenze in Erinnerung halten sollen. Es sind dies Orte, an denen Häuser der Grenze weichen mussten oder an denen Menschen wegen der Grenze getötet wurden. Die siebte Station ist die Friedenskapelle, die den Ausweg aus diesem Elend und Leid zeigt.

Ein außergewöhnliches Beispiel einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit praktizieren die örtlichen Heimatkundler. Ein gemeinsamer bayerisch-thüringischer, etwa 16 Kilometer langer Bergmannswanderweg stellt die besondere Attraktion dieser bemerkenswerten Zusammenarbeit dar. Die Route durch das ehemalige Steinkohlenrevier Stockheim-Neuhaus erinnert an die schwere Arbeit unter Tage, an Bergunglücke, aber auch an Stunden des Stolzes der Bergleute auf das von ihnen Erreichte.

Durch Vorträge und Ausstellungen - so unter anderem auch über die ehemalige Zonengrenze - wurde wertvolle Arbeit geleistet. Eine informative Hinweistafel bei Traindorf, vom heimatkundlichen Arbeitskreis 2003 aufgestellt - erinnert an die 850-jährige Geschichte dieses Weilers und einstmals beliebten Waldgasthofes.

Ein Präsent für Stockheim

Traditionell gut sind aber auch die Beziehungen des Knappenvereins Stockheim hinüber zum thüringischen Nachbar. Bereits 1990, also kurz nach der Grenzöffnung, beteiligte man sich mit großem Aufgebot am Festzug "675 Jahre Neuhaus-Schierschnitz".

Dem ehemaligen Bürgermeister Hennrik Oberender ist es zu verdanken, dass die Stockheimer nun im Besitz eines Dampfmaschinenmodells aus der Zeit von 1847 sind. In 300 ehrenamtlichen Stunden schuf Modellbauer Günther Slansky aus Neuhaus-Schierschnitz ein industrielles Zeitzeugnis von bemerkenswerter Präzision im Maßstab 1:7. Das Original, die Halbbalancier-Dampfmaschine, befand sich einst in der Sophiengrube bei Neuhaus, und erinnert im bergmännischen Magazin an die grenzübergreifende bergmännische Zusammenarbeit.

Verwandte Artikel