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Marktschorgast
75 Jahre Kriegsende

Als im Marktschorgaster Garten der zwölfjährigen Olga eine Bombe detonierte

Bruno Preissinger Wäre Olga Markus, geborene Müller, ein paar Sekunden später losgerannt, würde sie heute bestimmt nicht mehr leben. Vor 75 Jahren, am 12. April 1945, detonierte eine Bombe im Garten i...
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Die heute 87-jährige Olga Markus kann sich noch genau an die Explosion der Bombe in ihrem Garten erinnern.  Repro und Foto: Bruno Preißinger
Die heute 87-jährige Olga Markus kann sich noch genau an die Explosion der Bombe in ihrem Garten erinnern. Repro und Foto: Bruno Preißinger
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Bruno Preissinger Wäre Olga Markus, geborene Müller, ein paar Sekunden später losgerannt, würde sie heute bestimmt nicht mehr leben. Vor 75 Jahren, am 12. April 1945, detonierte eine Bombe im Garten ihres Vaters Andreas Müller. Und die damals zwölfjährige Olga konnte sich in letzter Sekunde retten.

Heute erinnert sich Olga Markus, dass sie als Schülerin unter Hauptlehrer und Volkssturmführer Nikolaus Brückner, in der Grundmühle einen Schützengraben mit ausheben musste.

"Schnell, die Flieger kommen"

75 Jahre ist es her, dass Marktschorgast die Wirren des Zweiten Weltkriegs zu spüren bekam, vor allem an jenem 12. April. "Ich konnte vom Fenster aus beobachten, wie Tiefflieger über Marktschorgast kreisten und zum Glück wieder abdrehten. Dann ging ich Hühner füttern. Als ich fertig war, bin ich auf den Hof gelaufen."

In diesem Moment sei die Nachbarin Grete Rekewitz gelaufen gekommen und habe geschrien: "Schnell, schnell in Deckung, die Flieger kommen." "Ich versteckte mich hinter einem Holzstapel bei der Werkstatt." Als ihre Schwestern gerufen hätten, sei sie vor lauter Angst doch ins Haus gerannt. "Ich muss einen Schutzengel gehabt haben", sagt die 87-Jährige. Denn Sekunden später sei im Garten neben der Schreinerwerkstatt eine Bombe detoniert. "Wir spürten den Luftdruck und die Erschütterung der schweren Explosion. Die Fensterscheiben klirrten. Vor lauter Staub konnten wir fast nichts mehr sehen", erinnert sie sich noch ganz genau.

Tags darauf habe sie die Bescherung gesehen. "Alle Gänse und Hühner waren tot. In den Garten hatte die Bombe ein trichterförmiges Loch gerissen."

Hauptlehrer Nikolaus Brückner hatte im Ruhestand die letzten Kriegstage von Marktschorgast festgehalten: "Die Ortschaft ist im Wesentlichen vor Zerstörungen bewahrt geblieben. Erst am 22. März 1945 wurde im Ortsbereich scharf geschossen: an diesem Tag erschienen zum ersten Mal die Tiefflieger und haben lediglich am Bahnhof Sachschaden angerichtet. Am 8. April erschienen sie zum zweiten Mal, sie griffen hinter dem Goldbergsee einen Güterzug an, den sie mit Bomben belegten und zerstörten. Der Lokmotivführer fand dabei den Tod."

Wie der Chronist weiter festgehalten hat, "fielen die ersten Bomben am 12. April auf die Ortschaft. Eine detonierte im Garten neben der Werkstatt des Schreinermeisters Andreas Müller. Sie forderte das einzige Opfer: eine Kuh des Bauern Anton Graß, die von einem Bombensplitter getroffen und getötet wurde. Weitere Bomben wurden auf die Bahnhofsanlagen geworfen. Auch die Artillerie der heranrückenden amerikanischen Einheiten verschonte Marktschorgast. Lediglich am 15. April schreckte Kanonenlärm die Einwohner auf, als amerikanische Panzer vom Teilanger aus nach Wülfersreuth schossen."

Einige Tage vorher hatte eine deutsche Pioniereinheit den raschen amerikanischen Vormarsch durch Sprengung der Autobahnbrücke bei Rohrersreuth verhindern wollen. Obwohl 16 Fliegerbomben zur Explosion gebracht wurden, stürzte die Brücke nicht ein. Auch zwei weitere Sprengungen konnten nicht verhindern, dass nach kurzer Absicherung die amerikanischen Panzer über die Brücke rollten.

Kampflose Übergabe

Am 14. April kamen gegen 17 Uhr die amerikanischen Panzer in die Ortschaft. Hauptlehrer Brückner und Georg Woernlein übergaben Marktschorgast kampflos. Die Amerikaner besetzten sofort den Bahnhof, die Post und die Landpolizeistation. Dem im Pfarrhaus betenden Ortsgeistlichen Karl Grundler schenkte ein nach versprengten Soldaten suchender GI ein paar Zigaretten. Wenig später holte diese ein anderer Soldat wieder und sagte: "Die nicht gutt!"

Für die nächsten Tage ordneten die Amerikaner Ausgangszeiten an, die unbedingt eingehalten werden mussten. Außerdem hatte jeder auf der Straße eine weiße Fahne mit sich zu führen. So kam es, dass gelegentlich sogar ein Mistwagen neben der Duftfahne auch die verlangte weiße Fahne besaß.

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