Kronach

Als im Frankenwald das Eisen glühte

Die Geschichte der Hammerwerke nimmt in der Historie des Frankenwaldes einen breiten Raum ein. In einer dreiteiligen Serie berichten wir von Blütezeit und Niedergang einer Epoche.
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Eisenhammer Steinwiesen: Zerenn-, Schmelz- und Schmittfeuer mit Draht- und Zainhammer anno 1890.
Eisenhammer Steinwiesen: Zerenn-, Schmelz- und Schmittfeuer mit Draht- und Zainhammer anno 1890.
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Kronach  —  Bei den Hammerwerken lassen sich zwei Formen unterscheiden: Zum einen die eisenerzeugenden Schmelzhämmer, zum anderen die eisenverarbeitenden Hämmer sowie die Drahtmühlen. Die Hammer- und Hüttenleute waren ein ganz besonderes Völkchen, das es verdient, in dieser Auftaktfolge zur Blütezeit der Hammerwerke in Erinnerung gerufen zu werden.

Als vor langer Zeit das smarte Silberbergzwerglein die Herzen der Menschen verzauberte, als der Flößer "Feuedunnekeil" über Rodach, Main und Rhein erschallte und bunte Tücher aus grauen Webstuben ihren Weg in ferne Länder fanden, wurde in den unterirdischen Labyrint-hen der Bergwerke nach "edlem Gestein und Erz" geschürft. Von schwelenden Holzkohlemeilern kräuselte dünner Rauch und breitete sich wie ein fahler Schleier über Wald und Flur. Die Mühlenräder ächzten an schäumenden Wassern und monotones Dröhnen der Eisenhämmer hallte durch die stillen Täler des alten Nordwaldes.

Wiege der Hammerwerke

Mit dem Erzbergbau im Frankenwald nahm im 14. Jahrhundert die Ära der Eisenhämmer ihren Anfang. Wald und Wasser gehörten zu den tragenden Säulen der Hammerwerke. Der Wald als Lieferant für die Holzkohle, das Wasser als Antriebskraft für die Mühlenräder. Holzkohle wiederum entfachte die Hitze zur Verhüttung des Eisenerzes, das Wasserrad entfaltete die Kraft zum Antrieb des Hammers. Wasserkraft und Feuersglut schufen so die Voraussetzung, um Schmiedeeisen erzeugen und weiterverarbeiten zu können.

Die Nähe der Hammerwerke zu den Wassern, den Wäldern und den rauchenden Kohlemeilern war natürlich ein großer Vorteil. Um eine Tonne Schmiedeeisen herzustellen, brauchte man sechs Tonnen Holzkohle. Um eine Tonne Holzkohle zu gewinnen, waren fünf Tonnen Holz nötig. Somit verbrauchte man für eine Tonne Schmiedeeisen dreißig Tonnen Holz!

Bei den Hammerwerken lassen sich zwei Formen unterscheiden. Auf der einen Seite die eisenerzeugenden Stab- und Schienhämmer, die durch Ausschmelzen von Metallen aus erzhaltigem Gestein grobförmige Stäbe und Schienen produzierten. Sie trugen auch die Bezeichnung "Schmelzhämmer". Auf der anderen Seite die eisenverarbeitenden Hammerwerke, um diese Produkte entsprechend zu formen. Zu ihnen gehörten Blech-, Zain- und Waffenhämmer, aber auch Kupfer- und Messinghämmer sowie die Drahtmühlen. Die Zainhämmer stellten eine Zwischenstufe von Schienhämmern zu Drahtmühlen dar. Die Stäbe aus den Schienhämmern wurden von Zainhämmern gestreckt und in den Drahtmühlen über Scheiben und Rollen in die vorgegebene Stärke gedehnt.

Hammerwerke führten vielfach die Bezeichnung "Waffenhammer". Diese Betriebe fertigten nicht nur Kriegswerkzeuge, sondern hauptsächlich "Waffen" im ursprünglichen mittelhochdeutschen Sinne: Pflugscharen, Beile, Schaufeln, Spaten, Wagenreifen, Sensen und Gabeln. Wenn man bedenkt, dass die gewaltigen Hämmer und Blasbälge von der Kraft des Wassers bewegt wurden, das von der Hütte aus in seinem Gefälle reguliert werden konnte, so muss man staunen über das technische Können jener Menschen, die solche Werke vollbrachten.

Besitzer und Betreiber der Hammerschmieden waren Hammerherren und Hammermeister, ihre Bediensteten waren Hammerschmiede und Hammerschmiedgesellen. Diese Hammer- und Hüttenleute waren ein ganz besonderes Völkchen, das es verdient, in Erinnerung gerufen zu werden.

Zu einem leistungsfähigen Hammerwerk gehörten der Hammermeister mit Vorschmied, Frischer, Aufgießer, Gleicher, Urweller und Zieher. Viele dieser Leute waren ein wanderndes, ein derbes Volk, das meist kurzfristig gedungen wurde. Sie kamen aus der Steiermark, aus Thüringen und dem Erzgebirge. In ihrem groben Barchent aus Leinen und Baumwolle, darüber ein langes Schurzfell, standen die zähen Burschen am beißenden Feuer der Esse und hielten mit sehnigen Armen das glühende Metall unter die zentnerschweren Hämmer, die der Wildbach jahrein, jahraus betrieb.

Hammerleute waren Sonderlinge, die weder Tod noch Teufel fürcheten. Sie wussten von schauerlichen "Moritaten", von unheimlichen Begegnungen und schwer erklärbaren Phänomenen. Wenn aus Alters- oder Gesundheitsgründen der Lebensabend erreicht war, zogen sie ruhelos von einem Hammerort zum anderen, um bei früheren Freunden oder Arbeitskollegen ein spätes Refugium zu finden. Mancher starb auf solch einer Wanderschaft und niemand wusste so recht, woher er gekommen, wohin er gegangen und wo er seine letzte Ruhe fand. Im Volksmund hat sich noch lange das Sprichwort erhalten: "Der ist verschwunden wie ein alter Hammerschmied".

Den Hammerarbeitern wurde freie Unterkunft gewährt, ein Stück Land zum Bebauen, ein Grasplatz für Ziege und Kuh, freies Holzrecht, übertariflicher Lohn und ein ansehnliches Dinggeld. Sie waren von aller Gerichtsbarkeit ausgenommen. Zu einer Zeit, wo der gemeine Mann an die Scholle gefesselt war, genossen sie das Privileg der Freizügigkeit sowohl für ihre Person als auch für die Bedürfnisse des täglichen Lebens. Sittsame Zeitgenossen mussten also auf der Hut sein, um nicht Opfer von Betrug, Diebstahl, Brandstiftung, Trunkenheit oder einer Prügelei zu werden.

Aufgrund ihres "spektakulären" Handwerks wurden Hammerschmiede bisweilen von rätselhaften Krankheiten heimgesucht. Die Schmiedefeuer blendeten, waren stechend und heiß. Man sagt, dass manche Leute davon "blöde Augen" bekamen. Alte Aufzeichnungen erwähnen außerdem das Krankheitsphantom der "Windfurcht". Das fortwährende Dröhnen der Werkhämmer führte häufig zu schweren Gehörschäden.

Hüttenleute, die das brodelnde und sprühende Element bändigen mussten, bekamen von der harten Arbeit so raue Hände, dass sich auf der Innenseite eine dicke Hornhaut bildete. Für ein Trinkgeld gab es deshalb schon mal diese oder jene "heiße Nummer", bei der man sich ein paar Tröpfchen flüssiges Metall in die hohle Hand träufelte, um sie dort erstarren zu lassen. Andere steckten für einen kurzen Augenblick die ganze Hand in das hellrot-flüssige Eisen, ohne dabei Verbrennungen zu erleiden.

Natürlich befanden sich unter den Hammerschmieden auch wahre Künstler und Ästheten. Sie fertigten Eisentruhen mit Verzierungen, kunstvolle Waffengravuren und meisterhafte Werkzeuge.

Schwer und schweißtreibend war die Arbeit beim Erhitzungsprozess am Frischfeuer, am Za-infeuer und am Rennfeuer (Georgius Agricola, anno 1556), die mit Hilfe wasserkraftbetriebener Blasebälge hohe Temperaturen erreichten.

Die Arbeitszeit der Hüttenleute lag bei 50 bis 60 Stunden in einer Fünf-Tage-Woche. Von Urlaub ist dabei noch nicht die Rede. Dagegen war das Blau-Feiern am Montag eine weit verbreitete Angewohnheit. Der "gute Montag" oder der "blaue Montag" war mehr oder weniger geduldet.

Jedenfalls sorgte die Montagsruhe bei Schmieden, Gesellen und Lehrlingen für mehr, bei Hammerherren und Meistern für weniger gute Stimmung. Völlige Betriebsruhe herrschte an den Sonntagen sowie außerdem an den zahlreichen kirchlichen Fest- und Feiertagen.

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