Herzogenaurach
Vortrag

Als Franken unter die "bayerische Knute" kam

Professor Wolfgang Wüst von der Universität Erlangen hat seit vielen Jahren in Herzogenaurach einen großen Kreis von Stammhörern, denn er vermittelt Wissenschaft und Forschung so anschaulich und amüsa...
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Professor Wolfgang Wüst von der Universität Erlangen hat seit vielen Jahren in Herzogenaurach einen großen Kreis von Stammhörern, denn er vermittelt Wissenschaft und Forschung so anschaulich und amüsant, dass es jedermann verstehen kann. Und so war dann auch bei seinem letzten Vortrag, als er zu dem brisanten Thema "Franken unter bayerischer Knute" sprach, die Gaststätte Heller voll besetzt.

Die bayerische Landkarte hat ihr heutiges Gesicht erst zwischen 1802 und 1810 erhalten. Es war ein langer Prozess, bis der Freistaat Gestalt annehmen konnte. Der Übergang vom Alten Reich zum Königreich war für viele Gemeinden schmerzhaft und oft nur schwer verständlich, was die alten Gesetze und Gewohnheiten betraf.

Kaum hatte man sich an die neuen Kreise, den Obermain-(Bayreuth), den Untermain-(Würzburg) und den Rezatkreis (Ansbach) gewöhnt, wurden diese Bezeichnungen durch die Namen Ober-, Mittel-, und Unterfranken ersetzt. Schlimmer jedoch war die Orientierungslosigkeit für die Bevölkerung. Wer ist denn nun unser Landesherr? Einst war es der Fürstbischof, dann der König (aber nicht der bayerische, sondern der preußische im Raum Ansbach) und am Kirchenportal der Dominikanerinnen in Würzburg prangte sogar ein Pamphlet "Ziehet dem Räuber (dem bayerischen König) den Purpur der Hoheit aus ... "

Etwas gelockerter ging es in den Reichsstädten zu. Vor allem das evangelische Handelsbürgertum versprach sich wirtschaftliche Vorteile. Und tatsächlich blühte in Franken vor allem die Wirtschaft auf. Schweinfurt, Nürnberg und Fürth wurden zu deren Motoren. Und auch in der politischen Einstellung änderte sich einiges zugunsten der neuen Herrschaft, wie man an der Errichtung der Konstitutionssäule im unterfränkischen Gaibach (1818) sehen konnte.

Als problematisch erwies sich die Einteilung des Landes, hier vor allem Frankens in Verwaltungseinheiten. Mehrfach gab es zwischen 1810 und 1817 Veränderungen, die von Steuervermessungskommissionen, Katasterbüros und Rentämtern (Steuerämtern) durchgeführt wurden. Folglich bildete Bayern um 1830 noch keine Einheit, schließlich mussten Altbayern, Schwaben und Franken und zusätzlich noch Pfälzer erst zueinander finden (die Pfalz wurde erst 1945 von Bayern losgelöst).

Trotz des Eisenbahnausbaus, der Bayern ab 1835 verkehrsmäßig erschlossen hatte, gab es beispielsweise noch keine einheitliche Uhrzeit in Bayern, hier klafften Nord und Süd noch erheblich auseinander. Es herrschte auch ein großes Nord-Süd-Gefälle im Denken mit einer gewissen Überheblichkeit der Altbayern, wo man 1861 noch behauptete, dass man in Franken keine Gabeln beim Essen benutze.

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