Herzogenaurach
geschichte

Als die Teichwirtschaft in Franken auf dem Rückzug war

Klaus-Peter Gäbelein Über den Fischkonsum im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sowie die Teichwirtschaft im Hochstift Bamberg referierte der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Günter Dippold auf ...
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Die Teichwirtschaft hatte in Franken nicht immer die große Bedeutung, die sie heute hat. Foto: privat
Die Teichwirtschaft hatte in Franken nicht immer die große Bedeutung, die sie heute hat. Foto: privat

Klaus-Peter Gäbelein Über den Fischkonsum im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sowie die Teichwirtschaft im Hochstift Bamberg referierte der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Günter Dippold auf Einladung des Herzogenauracher Heimatvereins im voll besetzten Gasthaus Heller.

Fischkonsum bedeutete in früheren Zeiten zweierlei: Fische waren Fastenspeise (vor allem für die einfachen Menschen) und luxuriöse Mahlzeit für die "besseren Schichten", also für den Adel. Fisch war bis zur Reformation für die Ernährung unentbehrlich, und deswegen musste man auf Seefische zurückgreifen, weil der Bedarf mit einheimischen Fischen nicht gedeckt werden konnte.

Man führte daher Stockfisch ein (ausgenommener, luftgetrockneter Fisch, meist Kabeljau) und "Brandfische" (gesalzene Heringe oder in Salzlauge eingelegter Kabeljau aus den Hansestädten, wobei die Fässer ein Brandzeichen bezüglicher ihrer Herkunft aufwiesen, daher der Begriff "Brandfische").

Außer Fischen wurde in besseren Haushalten auch gebratener Fischotter serviert, denn diese Marderart galt lange als Wassertier. In einem Coburger Kochbuch erschien 1803 noch ein Rezept für die Zubereitung von Fischottern. Das genannte Kochbuch enthält Rezepte für 49 Fischgerichte von Aalen und anderen Süßwasserfischen bis zum Wels. Getrockneter, geräucherter oder gepökelter Fisch war demnach aus besseren Haushaltungen nicht wegzudenken, während die einfache Bevölkerung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr auf Mehlspeisen an Fastentagen umstieg.

Weiher wurden trockengelegt

Die Versorgung der Bevölkerung mit Fischen wurde im Verlauf der Jahrhunderte immer schwieriger. Die Flussfischerei, die den "kleinen Leuten" den Fischgenuss zusätzlich ermöglicht hatte, konnte den Fischbedarf bei weitem nicht decken. Vor allem am Obermain kam es außerdem wiederholt zum Streit zwischen den Klostervögten von Banz oder Langheim wegen der Überfischung und wegen des Floßverkehrs, der von der Rodach bis zum Main hin die Fischerei behinderte. Hinzu kam ein Rückgang der Teichwirtschaft seit dem späten 18. Jahrhundert.

Die landläufige Meinung: "Die Teiche nehmen viel zu viel Platz weg, der viel besser und für die Ernährung sinnvoller und sicherer genutzt werden könnte, nämlich für Gras-, Futter-, Acker- oder Holzbau", so heißt es in einer Enzyklopädie um 1780. So wurden im 18. Jahrhundert immer mehr Weiher trockengelegt und als Grasland genutzt, schließlich erforderten die Bevölkerungszunahme und der zunehmende Fleischverbrauch immer mehr Schlachtvieh.

Viele Zeitgenossen sahen in der Trockenlegung der Weiher durchaus etwas Positives. Der Forchheimer Landgerichtsarzt J. G. H. Zeder lobte die Trockenlegung von Weihern, weil sie "der Gesundheit der Menschen nachtheilig gewesen seien und weil nun ... die Rauheit der Luft ... gemindert worden sei". Und weil die Zahl der trockengelegten Weiher auf mehrere Hundert geschätzt wurde, begrüßte man allgemein die Trockenlegung als "Fortschritt der Landeskultur".

Fisch aus dem Stadtgraben

So wie die Teichwirtschaft im gesamten Frankenland auf dem Rückzug war, ging auch die Flussfischerei zurück. Hatte es im Bezirk Lichtenfels 1820 noch 58 Fischer gegeben, so verminderte sich deren Anzahl bis 1870 auf gerade einmal 22. Die Folge war eine Erhöhung der Fischpreise. Auch im Umfeld der Städte kam der Fischfang weitgehend zum Erliegen. In Herzogenaurach war es lange Zeit üblich, dass im Herbst die Stadtgräben abgefischt und die Fische an die Bevölkerung verteilt wurden. So erhielt der Herr Amtmann zum Jahresende fünf Fische, für die Bürgermeister und den Pfarrer gab es deren vier, der Lehrer erhielt drei Fische, die Lehrerin allerdings nur zwei (sie war unverheiratet und hatte keine Familie) und für jede Familie wurde noch ein Fisch kostenlos verteilt. Schwangere durften sich zu "jeder Tages- und Nachtzeit einen Fisch aus den Stadtgräben holen lassen". Doch weil man die Stadtgräben mehr und mehr trockenlegte, entfiel diese Fischabgabe in der Folge. Hinzu kam die zunehmende Kanalisierung der Städte und eine Zunahme der Fischotter, die den Fischbestand dezimierten.

Erst Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts besann man sich wieder auf die Bedeutung der Fischzucht und der Teichwirtschaft. Heute ist sie ein wichtiger Bestandteil der heimischen Wirtschaft und des Fremdenverkehrs.



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