Forchheim

Als die NSDAP Forchheim regierte

Über die Geschichte der Stadt zu Nazi-Zeiten referierte Manfred Franze bei den Altstadtfreunden.
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Auch in Forchheim hingen Hakenkreuze.  Foto: Archiv der Altstadtfreunde/Einladung
Auch in Forchheim hingen Hakenkreuze. Foto: Archiv der Altstadtfreunde/Einladung
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Es war wohl Fügung, dass die erste Veranstaltung der Altstadtfreunde in diesem Jahr auf den Holocaust-Gedenktag 2018 in Israel fiel, denn bewusst geplant war das nicht. Das Thema der 32. Forchheimer Hausgeschichten passte dazu aber: "Aufstieg und Machtübernahme der Nationalsozialisten in Forchheim".
Der in der Region für dieses Gebiet bekannte Spezialist Manfred Franze hielt vor großer Zuhörerschaft im Gewölbekeller der Kaiserpfalz einen informativen, nachdenklich machenden und durchaus
mahnenden Vortrag, den er mit vielen Fotos, Tabellen und Zeitungsausschnitten samt Karikaturen aus der Zeit zwischen 1922 und 1938 illustrierte.
Weil viele die Nazi-Zeit erst ab 1933 wirklich im Bewusstsein haben, war schon allein das Ausholen bis zurück zur politischen und wirtschaftlichen Situation der 20er Jahre samt den Erläuterungen der Methoden der NSDAP weit mehr als Vermittlung trockener Geschichtsdaten.
Schon unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich rechtsradikal Gesinnte in Forchheim gesammelt und im Februar 1922 wurde hier eine NSDAP-Ortsgruppe - mit eine der ersten in Deutschland - unter dem Kaufmann Gottlieb Kärgelein (1890 - 1966) gegründet. Kärgelein wurde 1924 in den Stadtrat gewählt und gab eine eigene Zeitung heraus: "Der Streiter", inhaltlich dem Nazi-Blatt "Der Stürmer" angepasst, mit Hetze gegen die örtlichen Juden. Auch einen Gauleiter gab es schon, den Landtagsabgeordneten Hanns Schemm.
Bis 1930 gab es im Umland von Forchheim noch keine eigenen Ortsgruppen. Im März 1930 kam es in Forchheim zu einem Aufeinandertreffen von Kommunisten und Nationalsozialisten; Anlass war die Bildung der parlamentarischen Minderheitsregierung durch Hindenburg und Brüning, die sich nur noch über "Notverordnungen" durchsetzen konnte.
5,6 Millionen Arbeitslose Mitte 1932 in Deutschland und die Deflationspolitik hatten dafür gesorgt, dass ab März auch in Forchheim im "Freiwilligen Arbeitsdienst" junge Menschen zum Beispiel beim Bau einer Rodelbahn im Kellerwald und von Sportflächen im städtischen Freibad eingesetzt werden konnten. Ein inzwischen bemooster Gedenkstein Richtung Serlbach zeugt davon.


Annafest verschoben

1932 war auch das "Superwahljahr", in dem der Reichspräsident, der Landtag und im Juli der Reichstag gewählt wurden, weswegen das Annafest auf den August verschoben wurde, um dort Krawalle zu vermeiden. Ab diesen Wahlen bahnte sich die Diktatur deutlich an: im März 1933 wurde z.B. die "Forchheimer Zeitung" verboten.
Der damalige Erste Bürgermeister Karl Strecker erwartete, dass die NSDAP sich mit ihrer Vertretung im Forchheimer Stadtrat nicht zufriedengeben würde und machte den Vorschlag, dass der Zweite Bürgermeister Wilhelm Burkard zugunsten eines NSDAP-Kandidaten auf sein Amt verzichten solle, was dieser in einer außerordentlichen geheimen Ratssitzung am 20. März 1933 auch tat.
Die Wahl des NSDAP-Ortsgruppenleiters Hans Hofmann zum Nachfolger Burkards wurde bei 13 anwesenden Stadträten trotz sieben leerer und damit ungültiger Stimmzettel für gültig erklärt. Hofmann übernahm auch den Vorsitz im Wahlausschuss, als am 31. März mit dem "Vorläufigen Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" auch in Forchheim der Stadtrat nach dem örtlichen Ergebnis der Reichstagswahl umgebildet werden sollte.
Hitler, Hindenburg und Gauleiter Schemm wurden Mitte April zu neuen Ehrenbürgern ernannt. Am 20. Juni wurde auch der Eintritt Streckers in die NSDAP bekanntgegeben.
Strecker ließ sich dann aber vom 11. Januar 1934 bis zum 25. Mai 1935 wegen "innerhalb der
Stadtverwaltung aufgetretener Gegensätzlichkeiten" beurlauben, blieb aber danach noch bis 1937 im Amt.


Nur noch die NSDAP

Zwei Tage nach der Ratssitzung am 20. Juni 1933 wurde die SPD verboten, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihre Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst entfernt. Da sich auf Druck des Regimes im Juli die BVP selber aufgelöst hatte, gab es im August auch in Forchheim einen nur noch rein nationalsozialistischen Stadtrat. Zur Anerkennung des neuen Systems bei der Bevölkerung trug auch in hohem Maß die Gleichschaltung der Vereine bei.
Die katholischen Geistlichen reagierten sehr unterschiedlich; während einerseits eine Primizfeier in Ebermannstadt mit dem NS-Ortsgruppenleiter gefeiert wurde, warf in Waischenfeld Pfarrer Schütz sogar den Gauleiter aus einer katholischen Jungmännerversammlung heraus.
Manfred Franze sprach in seinem Vortrag aber durchaus Parallelen an. Auch heute gibt es in anderen europäischen Ländern die Einschränkung der Pressefreiheit und die Beeinflussung der Justiz.


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