Kronach
historie 

Als der Brandstifter sein Unwesen trieb

Vor 50 Jahren begann eine verhängnisvolle Serie, die bis in den Dezember 1967 andauerte. Erst dann konnte der Feuerteufel gefasst werden.
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Vor 50 Jahren ging in Kronach die Angst vor der schlimmsten Brandstiftungsserie in der Geschichte der Stadt um. Insgesamt sieben Großbrände und zwei Entstehungsbrände hatte ein damals 18-Jähriger zwischen dem 30. August und dem 14. Dezember 1967 in Kronach und Umgebung gelegt, bevor er Anfang März 1968 an seinem neuen Wohnort in der Nähe von Tuttling (Baden-Württemberg) verhaftet werden konnte.
Begonnen hatte die unheimliche Serie am 30. August 1967, als zum ersten Mal die Sirenen die Kronacher Feuerwehr zum Großbrand der Hammermühle riefen. Diese brannte bis auf die Grundmauern nieder. Bereits am 3. September brannte es schon wieder. Diesmal wurde eine Scheune in Kaltbuch Opfer des Feuerteufels.
In der Nacht zum 5. Oktober stand der Feuerschein über dem Stadtzentrum. Aus einer Scheune im Kühnlenzhof schlugen meterhoch die Flammen. Ein Übergreifen auf die umgebenden Scheunen konnte gerade noch verhindert werden. Ein Brand zwei Tage später im Sägewerk Klinger am Flügelbahnhof konnte glücklicherweise rechtzeitig entdeckt und im Entstehen gelöscht werden. Am 14. Oktober schlug der Brandstifter dann gleich zwei Mal zu. Während das Feuer im Papier- und Wolllager der Firma Mölter durch die Kronacher Feuerwehr gelöscht werden musste, ging ein weiterer gelegter Brand bei der Firma Baufeld am Flügelbahnhof von selbst aus. Als nächstes stand am 28. Oktober die Scheune der Familie Dümmlein in der Pfählangerstraße in Flammen und brannte komplett nieder.
War die Brandursache der einzelnen Brände zunächst noch unklar, stellte sich rasch heraus, dass ein Serienbrandstifter am Werk sein musste. Am 1. November 1967 wandte sich die Kriminalpolizei Coburg mit Zeitungsmeldungen und einer Flugblattaktion an die Kronacher Bevölkerung. Als Belohnung wurden 4000 DM ausgesetzt. Mit bis zu 14 Beamten, zum Teil in zivil, fahndete die Polizei an den üblichen Brandtagen (Freitag bis Sonntag) in der Stadt nach dem Täter.
Vielleicht wegen der verstärkten Fahndung verging zunächst etwas Zeit, bevor am 4. Dezember wieder Feuer gelegt wurde. Diesmal brannte die Ebersmühle zwischen Höfles und Unterrodach nieder. 10 Tage später folgte dann der letzte und größte Brand dieser Serie. Am 14. Dezember, während die Polizei gerade ihre Weihnachtsfeier abhielt, brach in der Lagerhalle Baufeld am Flügelbahnhof erneut Feuer aus und richtete einen Schaden von einer halben Million D-Mark an. Die Belohnung zur Ergreifung des Täters wurde daraufhin auf 4000 D-Mark erhöht.


Immer, wenn er Hähnchen aß...

Der später verhaftete Alfred K. war schon früh im Kreis der Verdächtigen. Insbesondere fiel auf, dass er sich immer bis circa 20 Minuten vor den Bränden in einer Kronacher Gaststätte aufgehalten hatte und dort meist ein Hähnchen aß. Immer enger zog sich daraufhin das Fahndungsnetz um ihn. Als er im Dezember 1967 nach Tuttling verzog und auch dort eine Brandstiftung zu verzeichnen war, schnappte die Falle zu. Kurioserweise hat er auch dort vorher in einer Gaststätte ein Hähnchen zu sich genommen.
Nach seiner Festnahme am 6. März 1968 wurde der Feuerteufel nach Kronach überstellt und in der Justizvollzugsanstalt inhaftiert, bis ihm im Oktober 1968 der Prozess vor dem Jugendschöffengericht Kronach gemacht wurde. Im Verfahren wurden ihm dann zwar lediglich fünf Brandstiftungen und eine versuchte Brandstiftung zur Last gelegt.
Die übrigen Fälle würden zwar den zur Aburteilung stehenden Fällen wie ein Ei dem anderen gleichen, so der damalige Oberstaatsanwalt, trotzdem fehle ein Geständnis und die Verdachtsmomente reichten in diesen Fällen nicht zur Anklageerhebung aus.
Der Angeklagte wurde daraufhin vom Jugendschöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei und höchstens vier Jahren mit der anschließenden Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt verurteilt. Strafmildernd wirkte sich sein Geständnis und die Tatsache, dass er vorher immer sehr viel Alkohol getrunken hatte, aus. In einer späteren weiteren Verhandlung vor dem Schöffengericht Coburg wurde das Urteil grundsätzlich bestätigt, die Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt jedoch gestrichen.
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