Hafenpreppach

als Erfolgsrezept

Unternehmertum  Die Firma Stehimpuls beliefert von Hafenpreppach aus Kunden in aller Welt mit ihren Arbeitsplatzmatten. Entscheidend für den Standort war unter anderem die gute Verkehrsanbindung. Zu den Abnehmern zählen Airbus, BMW und der Münchner Flughafen.
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von unserer Mitarbeiterin Johanna Eckert

Hafenpreppach — Flache Arbeitsmatten sollen es sein. Keine Noppen. Damit man auch mit Maschinenwagen ganz leicht darüber fahren kann. Der besondere Wunsch des Kunden ist die Farbe. "Diese hellgraue Farbe muss einfach sein. Wegen des Designs in der Halle", erklärt Simon Hafenecker, Geschäftsführer der Firma Stehimpuls. Der Kunde, für den er zusammen mit seinem Geschäftspartner Jürgen Korn diese Matten herstellt, ist die Firma Airbus Operation GmbH in Stade bei Hamburg. Nächste Woche gehen die beiden mit einigen ihrer zwölf Mitarbeiter auf Montage. Dann werden die letzten der 700 Quadratmeter Arbeitsmatten verlegt.
Hafenecker und Korn sitzen seit 14 Jahren mit ihrer Firma Steh impuls GbR in Hafenpreppach. Von dort aus vertreiben sie ihre ergonomischen Arbeitsplatzmatten, Bodenmarkierungsbänder und Arbeitsstühle fast in die ganze Welt. Dass sie damals in Hafenpreppach gelandet sind, war das "Ende einer größeren Odyssee". In der alten Raiffeisen-Halle haben sie sich niedergelassen und seitdem stetig erweitert. "Die Verkehrsanbindung hier ist optimal. Mit dem Anschluss an die B 303 sind wir gleich auf der Autobahn und können uns auf den Weg nach ganz Deutschland machen", sagt der 49-jährige Simon Hafenecker, der auch seinen Wohnsitz in Hafenpreppach hat.
"Chaos" hingegen bereitet den Geschäftsmännern die Internetverbindung auf dem Dorf. "Über einen Satelliten empfangen wir Internet. Es funktioniert, mehr aber auch nicht", macht Jürgen Korn deutlich, "wenn schlechtes Wetter ist, dann haben wir auch mal ein paar Stunden keinen E-Mail-Empfang."
Trotz der lahmen Leitungen in der strukturschwachen nordöstlichen Region des Landkreises Haßberge haben die beiden Männer Erfolg. Schon nach einem Jahr konnten sie die erste Auszubildende in ihrem Betrieb begrüßen. Mit Bürokaufleuten und Fachkräften für Lagerlogistik aus den eigenen Reihen stellen sie ihr Team auf. "Für unsere Tätigkeit gibt es keinen eigenen Ausbildungsberuf. Daher ist es wichtig, dass wir uns eigene Leute ausbilden", sagt Jürgen Korn. Die Übernahme in den Betrieb ist daher oberstes Ziel.

Die Noppen abgeflacht

Hafenecker und Korn sind gelernte Modell- und Formenbauer. Zum Kunststoffmeister haben sie sich weitergebildet. Mit Polyurethanmatten hatten sie auch schon bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber zu tun - und während der Arbeit darauf zu stehen, war für die Handwerker nicht ungewohnt. "Wir haben einfach Potenzial in diesen Arbeitsmatten gesehen", beschreibt der 50-jährige Korn die Tatsache, dass er und sein Geschäftspartner den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen sind.
Von heute auf morgen ging das aber nicht. In den eigenen Werkstätten wurde getüftelt, der Businessplan füllte einen ganzen Leitz-Ordner und fast ein ganzes Jahr lang haben die beiden zusammengesessen, um ihre Ideen auszutauschen.
Der Trick war, die Steharbeits platzmatten mit hohen Noppen, die die Branche um die Jahrtausendwende noch bestimmten, zu Arbeitsmatten zu entwickeln, auf denen es sich leicht stehen, drehen und gehen lässt. "Wir waren die ersten, die so etwas auf den Markt gebracht haben", sagt Hafenecker. Sie haben die Noppen der Arbeitsmatten einfach abgeflacht. "So eine ergonomische Arbeitsplatzmatte, das ist für ein Unternehmen ein versteckter Gewinn", präzisiert Hafenecker.
Natürlich seien die Anschaffungskosten hoch. Aber der Arbeitskomfort für den Mitarbeiter steigert sich, Gelenke werden geschont, Rückenschmerzen gelindert und die Anzahl der Krankentage geht zurück. Die beiden Firmeninhaber hatten als Arbeitnehmer selbst diese Erfahrungen machen können.
Nicht nur in der Produktionsstätte bei Airbus in Stade, sondern auch bei regionalen Firmen in Maroldsweisach, Hofheim und Coburg liegen die Polyurethanmatten aus Hafenpreppach. Auch die BMW-Werke in Dingolfing und München, eine Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart und den Flughafen in München kennen Hafenecker und Korn bereits von innen. Denn sie bezeichnen sich nicht nur als "Hersteller" der Matten, sondern verlegen diese auch direkt vor Ort. "Damit machen wir Sachen, die kein anderer macht", hebt Simon Hafenecker ihre Arbeit ab. Sonderlösungen sind ihre Spezialität. Und Maßarbeit, denn um jedes Maschinenbein und jeden Roboter in den Produktionshallen muss die Arbeitsplatzmatte sauber verlegt werden. "Das braucht Übung. Manchmal rutscht man da schon zwei Tage lang am Boden herum."

"Gesunder Menschenverstand"

Mittlerweile, so behaupten Hafenecker und Korn, könnten sie relativ schnell sehen, ob die neue Kreation praxistauglich ist oder nicht. Dann wenden sie sich an ihre Produktionspartner, bei denen die Stehimpuls-Schaumwerkzeuge eingebaut sind. "Wir produzieren in Deutschland und in Europa. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut", sagt Simon Hafenecker, "sämtliche Messergebnisse bekommen wir von diesen Partnern." BASF und Bayer stellen den flüssigen Kunststoff her: "Natürlich nach unserer eigenen Rezeptur", ergänzt Korn.
Die beiden Männer fühlen "sich mittlerweile sehr verflochten in der ganzen Mattenwelt". Ihr Geschäft mit den Arbeitsstühlen konnten sie aufgrund der hohen Auftragslage erst vor zwei Jahren starten. Die Toom-Baumärkte deutschlandweit haben sie aber schon mit ihren Bodenmarkierungsbändern ausgestattet. "Wir versuchen, die meisten Sachen relativ einfach anzugehen", meint Jürgen Korn, "gesunder Menschenverstand und Bodenständigkeit gehören auch dazu." Ihren Traumjob haben Jürgen Korn und Simon Hafenecker damit gefunden.

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