Höchstadt a. d. Aisch

"Alles trinkt Bier" in Höchstadt

Vor 200 Jahren erschien das Werk "Geschichte des Slaven-Landes an der Aisch und den Ebrach-Flüßchen..." des gebürtigen Höchstadters Nikolaus Haas (1779-1855). Bis in die heutige Zeit ist es eine Fundgrube für Geschichtsinteressierte.
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Er hat der Nachwelt einen großen Schatz an Wissen über seine Geburtsstadt Höchstadt hinterlassen: Nikolaus Haas wurde am 16. Juli 1779 geboren. Seine Eltern Johann Kaspar Haas und die Schmiedemeisterstochter Anna Josepha Blezer (heute Plätzer) hatten am 27. Juli 1778 geheiratet. Der Vater Johann Kaspar Haas war ein geschickter Meister im Zimmermannshandwerk.

Das Geburtshaus von Nikolaus Haas trug nach Forschungen von Anton Wölker die alte Hausnummer 14, jetzt Schlossberg 4; in diesem Anwesen verstarb sein Vater. Getauft wurde Nikolaus Haas durch Pfarrer Eugen Alexander Hanck in der Höchstadter Stadtpfarrkirche. Der Taufpate war der Schuhmacher Nikolaus Beyer aus Höchstadt.

Die Vorbereitungs- und Gymnasialstudien machte der "talentvolle" Knabe zu Bamberg. Nach Vollendung des Philosophischen Kurses an der Universität erwarb er an der Philosophischen Fakultät den Doktorgrad.

Joachim Heinrich Jäck führt ihn in seinem Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs auf und vermerkt zu Haas: "...den 22. Sept. 1798 des philosophischen Grades gewürdiget, ging hierauf als jenseitiger Diözesan nach Würzburg, um sich dem Klerikalstande zu widmen." Da Höchstadt damals zum Bistum Bamberg gehörte, ging Nikolaus Haas zum Theologiestudium an das Klerikal-Seminar in Würzburg. Nach rund vierjährigem Studium der Theologie wurde er in Würzburg am 4. Juni 1803 ordiniert.

Kaplan in Burgebrach

Nach der Priesterweihe wurde er ab dem 6. Juni 1803 als Kaplan nach Burgebrach versetzt, wo er vor allem mit der Versehung der Filiale Ampferbach betraut wurde. Durch die Neuordnung der Diözesen im Zuge der Französischen Revolution und der Säkularisation wurde er als Priester am 1. Oktober 1808 an die Diözese Bamberg inkorporiert.

Am 12. April 1812 wurde er durch den Kreisschulrat Johann Baptist Graser zunächst zum provisorischen Lehrer am Schullehrerseminar Bamberg angestellt.

Bereits während dieser Lebensphase widmete sich Haas dem Studium der Geschichte, besonders der Lokalgeschichte. Es entstanden die Werke "Rückblick zur Urbarmachung der Gegend von Bamberg, nebst kurzer Geschichte der Mariäkirche in der Wunderburg", "Geschichte der Volksschule im Bambergischen 1816-1820", "Geschichte des Slaven-Landes an der Aisch und den Ebrach-Flüßchen. Oder: Geschichte des Schlosses, Städtchens, der Pfarrei und des Amtes Höchstadt a.d.A. ..." in zwei Bänden 1819. Letzteres Werk brachte ihm die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften in München ein.

Grabhügel entdeckt

Die Ernennung zum Pfarrer in Scheßlitz erfolgte am 21. März 1823. Dort erkannte er Bodenerhöhungen am Zeckendorfer und Demmelsdorfer Loh als Grabhügel. Am 25. Januar 1833 wurde er zum Pfarrer in St. Martin in Bamberg ernannt. Eine Fundgrube für Forscher in Bamberg ist Haas' Werk "Geschichte der Pfarrei St. Martin zu Bamberg und sämmtlicher milden Stiftungen der Stadt. Mit 3 Abbildungen und 114 Urkunden. Bamberg 1845". Zum erzbischöflichen geistlichen Rat wurde Haas am 17. Dezember 1836 ernannt. Am 1. August 1855 starb er in Bamberg.

"Haas war einer der eifrigsten historischen Forscher und fruchtbarsten Schriftsteller", würdigt ihn Friedrich Wachter im General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg im Jahr 1908. "Die Geschichte des Slavenlandes an der Aisch und Ebrach, Geschichte der Pfarrei St. Martin Bbg. u.a. sind heute noch eine weit zuverlässigere Quelle als z.B. [Joachim Heinrich, Anm. d. Verf.] Jäcks Veröffentlichungen", urteilte Wachter über ihn.

Im ersten Teil seines zweibändigen Werks beschäftigte sich Haas mit der "Ansiedlung der ganzen Gegend bis zur Vereinigung Höchstadts mit dem Bisthume Bamberg". Weit vor anderen Forschern erkannte er: "Slaven und Wenden sind die vorzüglichsten Ansiedler." Die ersten Spuren des Christentums in unserer Gegend finden sich in den Kirchen, die für die Slaven erbaut wurden.

Genauer Abriss über Heimat

Mit dem Aussterben der Grafen von Stahleck kam Höchstadt an das Hochstift Bamberg, ein Anlass für Haas, sich ausführlich mit der Beschreibung seiner Heimatstadt zu beschäftigen. Er stellte fest: "Alles trinkt Bier; der Höchstadter besucht seine Felsenkeller bis zum Laster."

Ausführlich besprach Haas den Nachbarort Lonnerstadt mit seinem "Sankt Matheus Gotteshaus" und die Pfarrei Ühlfeld, mit ihrem Pfarrer Veit von Berg, Oberhöchstadt, die Pfarreien Etzelskirchen und Gremsdorf im 15. Jahrhundert sowie das Abts-Gericht zu Höchstadt.

Es folgen Adelsdorf, Aisch, Willersdorf, Hallerndorf und Seußling, von dem Schnaid abgetrennt und eine eigne Pfarrei wurde. Haas beschäftigte sich auch mit den Orten in der Nähe der reichen Ebrach, so mit Schlüsselfeld und Thüngfeld.

Ein Augenmerk legte Nikolaus Haas auch auf die Kulturverhältnisse, etwa den Wein- und Hopfenanbau und notiert dazu: "Im Weingartsgraben muß man die Hosen in Händen haben; im Dornberg setzt man den Hut überzwerg."

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