Bamberg

Alkoholbedingte Erinnerungslücken

Die Belästigung einer jungen Frau löste in der Bamberger Innenstadt ein Gerangel und dann eine Reihe von Straftaten aus. Zwei Männer sind nun angeklagt. Die Zeugen können sich an den Tathergang auf Grund von Alkohol und Drogen nicht mehr erinnern. Der Staatsanwalt gibt auf.
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Was am 10. Februar 2018 rund um den "Gabelmann" passiert ist, konnte an diesem Gericht nicht vollständig geklärt werden. Foto: Ronald Rinklef
Was am 10. Februar 2018 rund um den "Gabelmann" passiert ist, konnte an diesem Gericht nicht vollständig geklärt werden. Foto: Ronald Rinklef

Eine ganze Latte an Straftaten hatte man zwei stadtbekannten Kriminellen vorgeworfen. Vor dem Amtsgericht Bamberg ging es um versuchte, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme, die wenig Licht in die nächtlichen Vorgänge am 10. Februar 2018 in der Bamberger Innenstadt bringen konnte, wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt.

Das Zähneknirschen schien man bis in die letzte Zuschauerreihe zu hören. Staatsanwalt Herold hatte lange mit dem Antrag auf Einstellung gezögert. Besonders der letzte noch verbliebene Punkt des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte bereitete ihm sichtliche Kopfzerbrechen. Hatte der Polizeibeamte einen der Angeklagten doch eindeutig belastet.

Allerdings tat sich das juristische Schlupfloch auf, dass ihm nicht die Festnahme erklärt worden war. War es dann überhaupt eine Maßnahme, die der Angeklagte hätte dulden müssen? Am Ende des Prozesses haben die Angeklagten alles abgestritten oder gar nichts gesagt. Einer meinte, er sei durch Schnaps und Crystal Meth "Gott sei Dank total Banane" gewesen. Angesichts seiner "Drogenkarriere", der er derzeit mittels einer langwierigen Therapie ein Ende bereiten will, eine durchaus glaubhafte Einlassung. Fast alle Zeugen hatten sich in alkoholbedingte Erinnerungslücken geflüchtet, in der Hektik des Geschehens und der Dunkelheit rund um den "Gabelmann" niemanden so richtig erkennen können oder gleich darum gebeten, doch alles fallen zu lassen. Einer rief sogar im Amtsgericht an und bat darum, dass er und seine beiden Kumpels nicht aussagen müssten. Obwohl sie alle drei Opfer von Attacken geworden waren. Wieder andere Zeugen verweigerten die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten oder waren nicht vernehmungsfähig, weil sie im Krankenhaus liegen. An diesem Nachmittag kam einiges zusammen.

Prügel, Kopfnüsse, Drohungen

Ausgangspunkt der Serie an Straftaten war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein Griff ans Gesäß, mit dem ein dritter Mann kurz nach 1 Uhr eine junge Frau belästigt hatte. Als deren Freundin dazwischenging, bekam sie eine Ohrfeige ab. Danach wurde sie an den Haaren gezogen.

Wenige Meter weiter setzte sich dann die Belästigung junger Frauen fort. Zwei Mädchen rief man "Hey, Ihr Hübschen!" hinterher. Es kam zum Wortgefecht und erneutem An-den-Haaren-Reißen, wobei ein Büschel ausgerissen wurde und eine kahle Stelle von der Größe einer Zwei-Euro-Münze zurückblieb.

Als eines der Mädchen die Polizei rufen wollte, drohte man ihr: "Wenn Du mir nicht Dein Handy gibst, dann werde ich Dich verprügeln!" Zum Nachdruck gab es eine Kopfnuss. Einem heraneilenden Helfer verpasste man eine Backpfeife.

Es entwickelte sich mit weiteren zwei Rettern eine Prügelei. Sie mussten Fausthiebe und Fußtritte gegen Kopf und Bauch einstecken. Schließlich ging einer der Täter mit einer abgebrochenen Wodkaflasche auf die drei Männer, die die Frauen verteidigt hatten, zu. Erst als er die heranfahrende Polizeistreife vernahm, ließ er die scharfkantige Waffe fallen und flüchtete. Einer der Täter entkam durch die Habergasse zum Brucknersteg und wurde am Hexendenkmal von Passanten festgehalten, bis einige Zivilpolizisten und ein uniformierter Beamter eintrafen. Der Festnahme erwehrte er sich nach Kräften. Soweit die Anklageschrift.

Dabei hatte sich das Duo auf der Anklagebank von Beginn an in Respektlosigkeiten gebadet. Das fing schon mit einem ständigen Grinsen, Händen in den Hosentaschen und schnippischen Kommentaren an, die dem Ernst der Angelegenheit nicht angemessen waren.

Erst später wurde deutlich, dass die Angeklagten über beinahe so viel Gerichtserfahrung verfügen wie ihre Rechtsanwälte Jochen Kaller und Werner Lüttge. Obwohl die Angeklagten erst 35 und 28 Jahre alt sind, haben sie es in Bamberg und Berlin auf zusammen 25 Verurteilungen gebracht. Darunter auch Raub, Hehlerei, räuberische Erpressung, Unfallflucht, Sachbeschädigung, Wohnungseinbruchdiebstahl oder Besitz einer verbotenen Schusswaffe.

Einer muss ins Gefängnis

Zumindest für einen der Angeklagten kommt das dicke Ende aber noch. Er hat sich in seiner Bewährungszeit erneut etwas zuschuldenkommen lassen und muss nun ein Jahr und acht Monate absitzen. Hinzu kommen zwei weitere Verurteilungen zu vier Monaten beziehungsweise einem Jahr und drei Monaten.

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