Kronach

Alkohol, Eifersucht und Schläge

Ein 38-Jähriger muss zwei Jahre und fünf Monate wegen gefährlicher Körperverletzung hinter Gitter. Er soll seine hemalige Geliebte in drei Fällen mit Fäusten traktiert haben. Auch eine Entziehungskur wurde angeordnet.
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Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf gegen den Angeklagten. Symbolfoto: Christoph Schulz, dpa
Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf gegen den Angeklagten. Symbolfoto: Christoph Schulz, dpa
Ein Neubeginn hätte es werden sollen, eine Chance, dieses Mal alles besser zu machen. Was daraus wurde, war eine Spirale der Gewalt. Als Schuldigen machte man bei der Gerichtsverhandlung vor dem Kronacher Amtsgericht nicht nur den 38-jährigen Täter aus, sondern auch die Eifersucht und den Alkohol.
Im Raum stand der Vorwurf von gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, jeweils in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und in einem Fall mit Beleidigung. Die Freiheitsberaubung konnte man ihm zwar nicht nachweisen, doch für die restlichen Anklagepunkte wurde er zu zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Angeordnet wurde auch der Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt.
Es war eine sehr emotionale Gerichtsverhandlung, nicht nur für das 34-jährige weibliche Opfer, sondern auch für die jeweiligen Anwälte. Einzig die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Julia Haderlein, blieb ruhig und sachlich.


Streit um die Akteneinsicht

Vor allem Kristina von Imhoff, die Nebenanklägerin, die für das Opfer eintrat, tat dies mit Vehemenz. Sie wähnte sich zuweilen sogar "in verschiedenen Umlaufbahnen" mit dem Verteidiger Stefan Waldner. Auch dieser erhob seine Stimme, um sich Gehör zu verschaffen. Er reklamierte lautstark, ihm sei ein Gutachten vorenthalten worden und zweimal habe er versucht, Richterin Claudia Weilmünster telefonisch zu erreichen. Der Streit um die Akteneinsicht beeinträchtigte noch eine Weile die Verhandlung.
Ruhig dagegen wirkten da schon Täter und Opfer. Ihre Schilderungen des Tathergangs deckten sich erwartungsgemäß so gut wie gar nicht. Und was beim Verurteilten "nur" ein "Klapser mit der flachen Hand ins Gesicht" war, erwies sich - trotz einer hohen Promillezahl - als treffsicherer Faustschlag.
Kennen- und lieben gelernt hatten sich Täter und Opfer während einer Entgiftung. Beide hatten - teils massive - Alkoholprobleme und wollten diese eigentlich hinter sich lassen. Die Beziehung habe sich anfangs auch ganz gut entwickelt, beschrieb der 38-Jährige. Doch sehr bald sei die Einsicht gekommen, dass "zwei kaputte Autos sich nicht gegenseitig abschleppen können". Spätestens als vonseiten des Täters die Eifersucht ins Spiel kam, fielen bei ihm alle Barrieren.
Dreimal gab es für das Opfer Schläge, Tritte, Beleidigungen. Und während sie von einem "Monsterblick" beim Täter und mehr als 100 Faustschlägen sprach, relativierte sich das Ganze durch die bestehenden Gutachten der Frankenwaldklinik. Festzustehen schien, dass er sie dreimal misshandelte und sich dafür auch per Brief entschuldigte: "Habe gestern richtig Scheiße gebaut und das schon zum vierten Mal. Als mein Schatz kam, bin ich ausgerastet, habe sie geschlagen und ins Lenkrad gelangt. Habe sie ständig auf den Kopf geschlagen, war sehr aggressiv ..."


Betrunken zur Tankstelle

Ins Lenkrad habe er ihr greifen können, weil beide auf dem Weg zu einer Tankstelle waren, um sich weiteren Alkohol zu besorgen. Während das Opfer aussagte, sie habe das unter Zwang getan, meinte der Täter, es sei in beiderseitigem Einvernehmen passiert. Dass beide zum Zeitpunkt der Vorfälle mehr oder weniger stark alkoholisiert waren, tat wohl sein Übriges. Einmal habe man nach den Schlägen sogar zusammen "unter einer Decke" im Haus des Opfers geschlafen.
Der Täter, der - nach eigener Aussage - unter einer "Sozialphobie" leide, legte zumindest ein Teilgeständnis ab. Er räumte ein, seine damalige Freundin geschlagen und ihr einiges an Mobiliar zertrümmert zu haben, aber es täte ihm alles unendlich leid.
Die 34-Jährige zeigte sich traumatisiert nach diesen Vorfällen und wurde durch einen Vertreter des Weißen Rings unterstützt. Sie habe nach den Taten "unter Schock gestanden" und konnte sich nicht mehr detailliert an alles erinnern. Auch habe sie ihm "halt immer noch eine Chance geben wollen", denn sie habe ihn ja geliebt.


"Übel zugerichtet"

Die Aussage ihres Vaters bestätigte die Vorfälle, wenn auch nicht in ihrer ganzen Tragweite. Er berichtete, wie auch eine andere Zeugin, dass seine Tochter "übel zugerichtet" war und sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Beim ersten Mal habe sie noch an der Ausrede "Ich bin von der Treppe gefallen" festgehalten.
Nach der dritten Misshandlung musste sie mit einem Alkoholpegel von 2,3 Promille wegen ihres Nasenbeinbruchs, ihrer Hämatome und Blutergüsse in die Frankenwaldklinik. Danach habe sie ihren ehemaligen Geliebten angezeigt.


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