Rödental

Albert, Victoria und die Bluebell

In England ist das Atlantische Hasenglöckchen der Frühlingsbote schlechthin. Bei uns sollte die Pflanze gar nicht heimisch sein. Es darf spekuliert werden, warum sie versteckt im Park Rosenau doch eine Heimat fand.
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Blau und selten steht die Bluebell im Gebüsch von Park Rosenau. Fotos: Rainer Lutz
Blau und selten steht die Bluebell im Gebüsch von Park Rosenau. Fotos: Rainer Lutz
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Der Brite, wenn er wissen will, ob der Frühling da ist, schaut nicht in den Kalender. Er schaut nach der Bluebell. Wächst das blaue Blümchen, das nicht lange blüht, dann ist er eben da, der Frühling in Great Britain. Und in Bayern? Da orientiere man sich tunlichst an anderen Frühlingsblühern, denn hier kommt sie nicht vor, die Bluebell oder das Atlantische Hasenglöckchen, wie sie hier heißt. Gar nicht? Doch. Und das ist ein Wunder, oder irgendwie auch nicht. Alexander Ulmer, Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz und Botaniker, entdeckte das seltene Pflänzchen im Dickicht von Park Rosenau.

Herkunft ungewiss

Das Atlantische und somit blaue Hasenglöckchen gehört in atlantische Gegenden. "In England blüht es oft als regelrechter blauer Teppich", sagt Alexander Ulmer. Davon kann im Park keine Rede sein. Hier und da stehen ein paar von den kleinen Engländerinnen, den blauen. Aber wie kamen sie da hin? "Der Park wurde ja als englischer Landschaftsgarten angelegt. Da könnte man schon einen Zusammenhang sehen", meint Alexander Ulmer.

Im Grunde geschaffen wurde der Park in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Herzog Ernst I. ließ ihn im Stile jener Zeit anlegen. Romantisch sollte er sein, der Park, und möglichst englisch. Von rund 200 Hektar in der Hochzeit des Parks, wie der Coburger Gartendirektor Christian Bauer 1965 im Tageblatt schreibt, sind immerhin noch 36 vorhanden. Waren die Gärtner damals schon so eng mit britischen Kollegen verbandelt? Oder steckt Albert hinter dem Einzug der Bluebell in unsere Gegend? Hat der Prinzgemahl von Queen Victoria den Briten den Christbaum, aber uns die Bluebell gebracht? Ein Beweis liegt nicht vor.

Zu Alberts Zeiten

Am 26. August 1819 wurde Albert auf Schloss Rosenau geboren. Während er dort seine Jugend verbrachte, wurde der Park zu seiner Blüte geführt. 1840 heiratete er Victoria, und die beiden waren nicht selten auf Schloss Rosenau und im Park unterwegs. Wer damals an der Gestaltung des Parks Hand anlegte, das hat Christian Bauer akribisch recherchiert. Hofgärtner Leonhardt Eckardt war von 1808 bis 1844 im Amt. Er dürfte viel am Park getan haben - zusammen mit einigen anderen Eckardts und Möckels, die als Hofgärtner angestellt waren in jenen Jahren. Doch nach der Hochzeit von Albert und Victoria 1840 und dem engeren Kontakt nach England war Karl Gustav Zeisig (1844) einer der Hofgärtner.

In der Heimat bedroht

Wer von ihnen das Blümchen in den Park brachte, oder ob es auf ganz andere Weise den Weg in die Rosenau fand, das lässt sich wohl nicht so ganz sicher klären. Es sei denn, es taucht doch noch ein Hinweis auf, etwa eine Bestellung von Bluebell-Zwiebeln die ein Hofgärtner nach England geschickt hat. Sicher ist, dass die in England so beliebte Frühlingsbotin Bluebell hier eine Nische gefunden hat. Und das ist vielleicht ganz gut so. Bei allem Hype und echten Bluebell-Partys, die es bei den Briten gibt, wenn sie sich über den Frühling freuen - selbst in ihrer Heimat ist sie bedroht, die kleine Blaue. Ausgerechnet ihre Verwandte, das Spanische Hasenglöckchen (Spanish Bluebell), das rosafarben blüht, droht sie zu verdrängen, sich mit ihr zu kreuzen, die blaue Schwester auszulöschen! Besonders die Hybrid Bluebell aus beiden erweist sich als aggressiv und breitet sich vehement aus. Wie gut, dass da noch echte Bluebells im einigermaßen britischen Refugium des Coburger Landes blühen. Womöglich sind die Briten eines Tages auf Hilfe aus Alberst Heimat angewiesen, wenn es darum geht, die echte Waldhyazinthe (noch ein Name für die Bluebell) als Art zu retten, die natürlich dort wie bei uns streng unter Schutz steht.

Andere Vorkommen

Eher nicht. "Es gibt in Deutschland auch größere Bestände", weiß Alexander Ulmer. In Nordrhein-Westfalen soll es ähnliche Bluebell-Teppiche geben wie in der britischen Heimat. Auch in einigen Gegenden Belgiens. Aber in Bayern eben nicht. Da ist die Bluebell eine Seltenheit - und eine Besonderheit für das Coburger Land.

Auch wenn wir nicht wirklich wissen, ob Albert und oder Victoria tatsächlich hinter dem Einzug der sehr britischen blauen Blümchen stecken, so können wir es uns doch wenigstens einbilden, bis das Gegenteil bewiesen wird. So sind wir am Ende noch alle ein bisschen "royal", sind wir nicht?

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