Coburg

"Albert - ein idealer Gatte?!"

Beim Viktorianischen Abend mit Lesungen, Musik, Bildpräsentationen sowie Brief- und Tagebuchauszügen von Viktoria und Albert können Interessierte den berühmten Sohn der Stadt näher kennenlernen.
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Albert und Viktoria  Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg
Albert und Viktoria Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

Beim "Viktorianischen Abend" am Mittwoch, 28. August, wagt der Verein MakingCulture in Kooperation mit der Prinz-Albert-Gesellschaft erneut ein Experiment mit der Fragestellung oder Behauptung "Prinz Albert - ein idealer Gatte?!" Dieser Titel ist bei Oskar Wilde entliehen, in dessen Stück "Ein idealer Gatte" zeitlose Themen wie Moral, Politik, Erpressung, Intrigen, aber auch Liebe und Vertrauen behandelt werden. Dessen Dialoge voller Esprit spiegeln eindrucksvoll die Sprache und Haltung der damaligen Londoner "High Society" wider.

Dass sich Prinz Albert nicht unbedingt mit dieser Gesellschaftsschicht identifizierte, geht aus manchen seiner Äußerungen hervor. Vielmehr richtete er seine Bemühungen eher darauf, das Ansehen der Monarchie zu stärken sowie Neutralität in der Tagespolitik zu wahren. Herrschen, nicht regieren - keine leichte Aufgabe hinsichtlich der politischen Lage und der Lebensumstände im 19. Jahrhundert, die in Auszügen aus "Oliver Twist" oder "David Copperfield" von Charles Dickens geschildert werden.

Wie es Albert als "ungeliebter Ausländer" dennoch schaffte, Einfluss zu gewinnen und durch sein Engagement eine Verbesserung der Zustände herbeizuführen, indem er Wissenschaft und Forschung förderte und es in seiner zurückhaltenden diplomatischen Art verstand, Vertrauen zu den entscheidenden Stellen aufzubauen, wird im ersten Teil anhand von Briefauszügen und kurzen Moderationen skizziert.

Parallelen zu Alfred Tennysons "Ulysses" sind rein zufällig, aber dieses Gedicht des wohl bekanntesten Dichters des viktorianischen Zeitalters ist charakteristisch für den kulturellen Zeitgeist, und es verwundert nicht, dass seine Dichtung auch das royale Paar begeisterte.

Im zweiten Teil des Abends rückt das Privatleben von Viktoria und Albert in den Vordergrund, wobei vor allem die Rolle Alberts als Ehemann einer näheren Betrachtung unterzogen wird.

Dass eine tiefe Harmonie in dieser royalen Ehe bestand, dürfte unter anderem auch auf beider Kunstsinn beruht haben, der sich nicht nur auf gemeinsames Zeichnen und gegenseitiges Vorlesen, zum Beispiel aus Büchern von Charlotte Brontë und Charles Dickens, beschränkte. Ihre Liebe zur Musik findet ihren Ausdruck zum einen im gemeinsamen Musizieren - Albert spielt Orgel, Viktoria singt, vielleicht sogar eine von Alberts Eigenkompositionen -, zum anderen darin, dass berühmte Musiker wie Mendelssohn-Bartholdy am Hof verkehrten, welcher Viktoria die "Schottische Sinfonie" widmete. Aus dessen Repertoire werden einige Stücke, die schon Albert und Viktoria genossen haben, vorgetragen.

Ein Blick hinter die Palastmauern offenbart, dass es auch in dieser sonst so harmonischen Ehe gelegentlich kriselte. Und gleichzeitig werden Szenen einer Ehe aus dem Literaturtopf des 19. Jahrhunderts anhand von Passagen aus "Jane Eyre" von Charlotte Brontë und "Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde vorgeführt.

Wie schwierig es für Albert war, in der Ehe seine Vorstellungen umzusetzen, lässt sich aus seinen Äußerungen sowie Viktorias Tagebucheintragungen ablesen. Dass schließlich ihre Liebe und ihr Verantwortungsbewusstsein diese Widrigkeiten überwanden, davon zeugt schon die wachsende Kinderschar, die Vater Albert mit Innigkeit behütete und liebevoll erzog.

Wie viel Kraft es diesen sensiblen, pflichtbewussten Coburger Prinzen gekostet haben muss, all seinen Rollen gerecht zu werden, ist in wiederkehrenden Briefauszügen über seinen labilen Gesundheitszustand zu erahnen. Dessen ungeachtet machte er bis kurz vor seinem Tod seinen Einfluss geltend, um als Prince Consort den Krieg gegen Amerika zu verhindern, als Vater seinen Sohn Bertie auf den rechten Weg zu bringen und seiner ältesten Tochter wertvolle Ratschläge zu erteilen.

Nach Alberts Tod ist es wiederum Tennyson, dessen Worte Viktoria trösten sollten. Der sich an einem bitterkalten Tag, vier Monate nach Alberts Tod, von seinem Haus auf der Isle of Wight in das einige Meilen entfernte Osborne House zur trauernden Witwe auf den Weg machte, um ihr persönlich sein Beileid auszudrücken.

Wie bei "MakingCulture e.V."-Veranstaltungen üblich, sind auch dieses Mal kleine Überraschungsmomente eingebaut, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

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